Kristin Brinker, Spitzenkandidatin der AfD für die Abgeordnetenhauswahl, spricht in Berlin.
Kristin Brinker, Spitzenkandidatin der AfD für die Abgeordnetenhauswahl, spricht in Berlin. dpa/Joerg Carstensen

Innerhalb der Partei gilt sie als selbstbewusst, auch im Berliner Parlament tritt Kristin Brinker markig auf. Im Straßenwahlkampf vor einer Hochhaussiedlung in Berlin-Buch erlebte eine rbb-Reporterin die AfD-Spitzenkandidatin jedoch eher schüchtern und verloren. „Ich bin noch immer nicht die, die auf alle zurennt“, räumt Brinker im Interview ein, doch sie sei ein „Menschenfreund“. 

Die Partei, für die sie in Berlin antritt, hat in der Hauptstadt einen schweren Stand: Anders als in Sachsen oder Thüringen hat es die AfD hier nicht vermocht, auf CDU, SPD oder die Grünen aufzuschließen. Gerade einmal 8 Prozent hatte die Rechtspartei 2021 in Berlin eingefahren. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei 10 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren es noch 14,2 Prozent. Daran gemessen wären auch die jetzigen Prognosen wohl kaum als Trendwende zu deuten. Doch Brinker hofft nun auf Zuwächse. Ihr Ziel: „Zwölf Prozent auf jeden Fall.“

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Vom Unmut gegen Rot-Rot-Grün profitiert die CDU in Berlin deutlich stärker als die AfD

Vom Unmut gegen Rot-Rot-Grün profitiert die AfD derzeit weitaus weniger als die CDU, die laut Umfragen jede und jeder vierte wählen würden. Im Wahlkampf wirbt die Partei allerdings auch mit Plakaten mit dem pauschalen Slogan „Abschieben statt Abschleppen“ für sich. Brinker erklärte dazu: „Für uns ist klar: Kriminelle Migranten müssen ausgewiesen werden, da müssen wir klare Kante zeigen.“

In diese Richtung stößt allerdings auch die CDU mit markigen Sprüchen und Forderungen nach den Silvester-Ausschreitungen, offenbar deutlich erfolgreicher als die AfD. Dabei kann die Berliner AfD-Chefin auch attackieren, und das sogar mit Erfolg. Parteiintern gilt Brinker inzwischen als die starke, durchsetzungsfähige Frau. Nach andauernden Querelen in der Fraktion in der Zeit ihres Vorgängers Georg Pazderski ist es um die AfD in der Hauptstadt etwas ruhiger geworden. Brinker ist seit März 2021 Landesvorsitzende und setzte sich damals denkbar knapp gegen die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch durch.

AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker kann Attacke: 2020 zwang sie Linken-Politikerin Katrin Lompscher zum Rücktritt

Die 50-Jährige ist seit 2013 AfD-Mitglied und seit 2016 im Landesparlament. In den zurückliegenden Monaten hat sie sich bei Plenardebatten häufig zu Wort gemeldet. Regelmäßig kritisiert sie den Schuldenstand Berlins als zu hoch, beklagt „ungesteuerte Zuwanderung“ nach Deutschland oder greift Rot-Grün-Rot für Überlegungen zur möglichen Enteignung großer Wohnungsunternehmen in Berlin scharf an.

Im Landesparlament gilt sie als Haushaltsexpertin. Im August 2020 sorgte eine ihrer parlamentarischen Anfragen zu Aufsichtsratsbezügen von Regierungsmitgliedern dafür, dass die damalige Bau-Senatorin Katrin Lompscher (Linke) zurücktrat – wegen Unregelmäßigkeiten bei Abrechnung und Versteuerung der Gelder.

Brinker stammt aus Bernburg (Sachsen-Anhalt) und ist mit dem ehemaligen AfD-Landeschef Günter Brinker verheiratet. Sie hat an der Technischen Universität Berlin Architektur studiert und anschließend promoviert. Sie wird eher dem liberal-konservativen Lager in der AfD zugerechnet. Für die Verhältnisse in der bundesweit in Teilen rechtextremen Partei nimmt sie damit eine eher gemäßigte Position ein, ganz anders als der offen rechtsradikale Flügel um den Fraktionsvorsitzenden der thüringischen AfD, Björn Höcke.