Anpfiff zum Derby in der Försterei! Sonnabend, um 15.30 Uhr trifft der 1. FC Union auf Hertha.
Anpfiff zum Derby in der Försterei! Sonnabend, um 15.30 Uhr trifft der 1. FC Union auf Hertha. imago images/Hübner

Es ist Bundesliga-Auftakt, es ist Derby, es geht um drei Punkte, es geht um Prestige. Aber es geht heute (15.30 Uhr) um noch viel mehr, wenn der 1. FC Union gegen Hertha BSC spielt. Wer ist die wahre Nummer eins in der Stadt? Gibt es die endgültige Wachablösung?

Überflieger bei Union, Bruchpiloten bei Hertha

Die vergangenen drei Jahre durchlebten beide Klubs umgekehrte Richtungen. Köpenick wurde zur blühenden Landschaft: 2019/20 Bundesliga-Aufstieg und lockerer Klassenerhalt, 2020/21 Platz sieben und Conference League, 2021/22 dann Platz fünf und Europa League. Riesenleistung des früheren Underdogs von der Försterei.

Und Hertha? 2019 noch Platz elf, danach flossen 374 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst und der Absturz begann. 2019/20 vier Trainer mit Ante Covic, Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri und Bruno Labbadia, am Ende stand Hertha gerade mit einem sechs Tore Vorsprung noch vor Union auf Rang zehn. 2020/21 erst Labbadia, dann Pal Dardai und Klassenerhalt im Endspurt auf Platz 14. 2021/22 Dardai, Tayfun Korkut und Felix Magath versuchten es. Rettung in der Relegation gegen den HSV.

Während Unions Trainer Urs Fischer ruhig und solide die Mannschaft auf internationales Niveau trimmte und nebenbei seine Derby-Bilanz bei vier Siegen, ein Remis und zwei Niederlagen in sieben Partien liegt, wurden bei Hertha die Männer weggespült, die den Windhorst-Deal einfädelten. Erst erwischte es Manager Michael Preetz im Januar 2021, dann Präsident Werner Gegenbauer im Mai 2022 und im Oktober wird Finanzboss Ingo Schiller aufhören.

Hertha-Boss Bernstein ist der Hoffnungsträger

Erst Abbruch, jetzt Aufbruchstimmung in Blau-Weiß. Palastrevolution Ende Mai bei Hertha: Der ehemalige Ultra Kay Bernstein wurde zum neuen Boss gewählt. „Weniger Arroganz. Mehr Basisnähe.“ Der 41-jährige Event-Manager hat es geschafft, dass die Fans wieder positiver gestimmt sind. Zum Derby sagte er im KURIER: „Wir sind der Underdog, nicht Union. Wir müssen erst mal den Mund halten.“ Ganz neue Töne und das Akzeptieren der Realität.

Hertha hat die größere Tradition, hat auch die größeren Erfolge im Vergleich zu Union. Doch die Vergangenheit zählt nicht mehr. BFV-Präsident Bernd Schultz sagt: „Wir haben in Union einen ehemaligen Aufsteiger, der sich sehr schnell in der Bundesliga etabliert und zweimal in Folge für den europäischen Wettbewerb qualifiziert hat. Das ist eine deutliche Verschiebung der Kräfte, die auch Hertha registrieren, aber vermutlich nicht einfach so hinnehmen wird.“

Bobic: „Union ist der Favorit, das ist doch Motivation“

Herthas Geschäftsführer Fredi Bobic stellt sich in einer Pressekonferenz den Fragen der anwesenden Journalisten.
Herthas Geschäftsführer Fredi Bobic stellt sich in einer Pressekonferenz den Fragen der anwesenden Journalisten. dpa

Ja, Hertha träumt auch von diesen blühenden Landschaften, die der ehemalige kleine Nachbar jetzt schon erarbeitet hat und vergangene Saison mit gleich drei Derbysiegen noch schöner machte. Momentan ist Union die Nummer eins in der Stadt. „Man muss respektieren, was da bei Union erarbeitet wurde. Das ist verdient. Jetzt sind wir mal die Außenseiter. Wir müssen es mit Arbeit und Ergebnissen zurückerarbeiten. Die Favoritenrolle liegt bei den Unionern. Aber da kann man sich in soweit motivieren, dass man das gerne brechen möchte. Am ersten Spieltag das zu tun, das sollte unser Ziel sein“, sagt Herthas Manager Fredi Bobic.

Und schießt mit einem Lächeln hinterher: „Mal sehen, wie es dann nach dem Spiel ist.“ Ja, darauf wartet die ganze Stadt – auf die Beantwortung der Frage: Wer ist denn nun wirklich die Nummer eins.

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