Beide Daumen hoch! Kein Zweifel, Claudia Pechstein freut sich riesig auf Peking und ihre achten Winterspiele. Foto: Imago Images/Lacy Perenyi

Eiskunstlaufen im Fernsehen – da war bei den Pechsteins Familien-Abend angesagt. Schließlich arbeitete Mutter Monika als Eiskunstlauf-Trainerin beim damaligen SC Dynamo. Die Pechsteins bewunderten die Berliner Romy Kermer/Rolf Oesterreich und Manuela Groß/Uwe Kagelmann auf dem olympischen Medaillenpodest von Innsbruck 1976.

Vier Tage später sorgte Christine Errath mit der Bronzemedaille für Jubel. Auch Claudia saß damals vorm Bildschirm und staunte. Nur wenige Monate später wackelte die Vierjährige Claudia selbst übers Eis. „Äpfelchen, wegen ihrer roten Wangen, nannten sie damals die kleinen Eiskunstläufer“, erinnert sich Alexander König, DDR-Meister und zuletzt Trainer der Südkorea-Olympiasieger Aljona Savtchenko/Bruno Massot.

Ballett vermiest Pechstein das Eiskunstlaufen

Was zu jener Zeit noch niemand ahnte: Eine große Karriere begann! Zunächst zeichnete Claudia mit viel Spaß Figuren aufs Eis und versuchte sich an Sprüngen. Nur eines verstand sie nicht. „Warum muss man für das Eiskunstlaufen aber Ballett-Unterricht nehmen“, quälte Claudia ihre Mama immer wieder mit dieser Frage.

Nach sechs Jahren Eiskunstlauf war Schluss. Claudia wechselte die Schlittschuhkufen und die Klasse an der Sportschule. Von 1982 bis heute fegt Claudia Pechstein auf den langen Schnelllauf-Schienen übers Eis. Unglaublich, aber wahr: Einen Tag nach Olympia in Peking wird die Gold-Fee 50 Jahre jung.

Zweimal Gold mit Weltrekord uns Perücke

Als einzige Wintersportlerin kann sie dann auf acht Olympia-Teilnahmen verweisen. Zum Fitness-Aufbau dreht die Berlinerin bis zum Abflug nach China in Inzell fleißig Runden. „Ich will auch in Peking noch mal Gas geben“, sagt die Polizeihauptwachtmeisterin der Bundespolizei.

Unglaublich: Vor 20 (!) Jahren flitze sie bei Olympia in Salt Lake City über 3000 und 5000 Meter mit Weltrekorden zu zwei Goldmedaillen. Die Ehrenrunden drehte die damals 30-Jährige mit einer schwarz-rot-goldenen Perücke, die später sogar im „Haus der Geschichte“ zu bewundern war.

Alters-Rekord für Pechi erst 2026

Claudia Pechstein trägt stolz ihr T-Shirt zur Olympiateilnahme. Foto: Imago Images

Die Chance, älteste Teilnehmerin bei Winterspielen zu sein, eröffnet sich für Claudia allerdings erst in Mailand. Einen Start 2026 schloss Pechi nicht kategorisch aus. Die fünfmalige Olympiasiegerin: „Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass nach Peking meine Sportkarriere zu Ende sein soll.“

Die bisher älteste Winterolympionikin ist Anne Abernathy, eine Rennrodlerin von den Jungfern Inseln. Sie trug 2006 als damals 52-Jährige bei ihren sechsten Spielen die Fahne ihres Landes ins Stadion, brach sich danach aber beim Training das Handgelenk und konnte nicht starten.

Alter schützt nicht vor Leistung

Für ein Novum sorgte auch die Potsdamerin Ludowika Eilers. Die 1884 geborene Eilers trainierte zunächst auf dem Bornstedter See bei Potsdam, ehe sie den finnischen Studenten Walter Jacobsson beim Berliner Schlittschuhclub kennen lernte. Ab 1908 übte das Paar auch im Berliner Eispalast in der Lutherstraße.

Bei Olympia 1920 in Antwerpen – Eiskunstlauf gehörte damals noch zu den Sommerspielen – gewann das inzwischen verheiratete Paar Jacobsson die Gold. Ludowika Eilers war in Antwerpen durch ihre doppelte Staatsbürgerschaft die einzige deutsche Teilnehmerin, Deutschland war als Aggressor des 1. Weltkrieges ausgeschlossen. Nach Silber 1924 in Chamonix verabschiedeten sich Eilers/Jacobsson in St. Moritz 1928 mit Platz fünf von der olympischen Bühne. Da waren Ludowika und Walter 43 und 45 Jahre alt.

Starke Frauen setzten starke Zeichen

2006 marschierte Kanada hinter Fahnenträgerin Danielle Goyette bei der Eröffnungsfeier ins „Stadion Comunale“ von Turin. Zum Abschluss zog die damals 40-Jährige mit Eishockey-Gold um den Hals aus der Arena aus.

Nur zehn Tage fehlten der Russin Raissa Smetanina 1992 in Albertville zum 40. Geburtstag, als sie sich mit Staffel-Gold und insgesamt zehn Medaillen (viermal Gold) vom olympischen Skilanglauf verabschiedete.

2018 jagte dann Claudia Pechstein mit 45 Jahren in Südkorea Achte und Neunte über 3000 und 5000 m unter die Top-Ten. Und 2022 in Peking? Power hat Claudia nach wie vor.

Deutsche Fahne beim Einmarsch?

Zweimal dufte Pechstein schon die deutsche Flagge bei der Abschlussfeier tragen. Wer die Fahne beim Einmarsch in Peking trägt, steht noch nicht fest. Claudia ist in der Schluss-Auswahl des Duos (je drei Frauen und Männer) und sagt: „Wenn ich gefragt werde, würde ich zusagen. Es ist schließlich eine große Ehre, für sein Land die Fahne zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele tragen zu dürfen.“ Verdient hätte sie es allemal.

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