Julia Eberle aus Werneuchen half dabei. Sie ist selbst Mama von Zwillingen und zieht mit Heiko Handrosch (31) Till und Nele auf. Ein halbes Jahr sind die beiden alt, halten ihre Eltern schon jetzt auf Trab. „Sie wechseln sich mit dem Schlafen ab“, sagt Mama Julia.
2015 gab es 702 Mehrlingsgeburten in Berlin
„Aber sie sind gesund und es macht viel Spaß, zwei Menschen aufwachsen zu sehen.“
In Berlin sind Mütter wie Eberle keine Seltenheit mehr. Seit 1990 ist die Zahl der Mehrlingsgeburten um mehr als das Doppelte gestiegen.
Im Jahr 1991 gab es laut Landesamt für Statistik in der Hauptstadt 347 Mehrlingsgeburten – 337 Mal Zwillinge, zehnmal Drillinge. 2015 waren es 702 Mehrlingsgeburten, 686 fielen auf Zwillinge, 15 auf Drillinge, einmal kamen sogar Vierlinge zur Welt.
Den Trend bemerkt man auch an der Charité. „Auch wir haben einen Anstieg der Zwillings- und Mehrlingsgeburten zu verzeichnen“, sagte Dr. Wolfgang Henrich, Chef der Klinik für Geburtsmedizin. Mediziner sehen die Ursachen für den Anstieg vor allem in der Reproduktionsmedizin, Hormonstimulation der Eierstöcke oder „Reagenzglasbefruchtung“.
Berliner Zwillinge und ihre Eltern
Mary freut sich über jedes doppelte Lächeln: Maarten und Mattheo sind gerade drei Monate alt – und machen Mama Mary Gremmler (35) schon jetzt mächtig stolz. Auch wenn sie nicht damit rechnete, plötzlich zwei Söhne zu haben. „Ich war erschrocken, brauchte acht Wochen, um mich an den Gedanken zu gewöhnen“, sagt sie. „Hergeben würde ich die beiden aber nicht mehr.“ Das Problem: Gremmler ist alleinerziehend, bekommt dafür aber viel Hilfe von Freunden. „Jeder, der mich besucht, bekommt ein Baby in die Hand gedrückt“, sagt sie und lacht. Die Arbeit lohnt sich. „Man muss zwar alles doppelt kaufen, bekommt dafür aber auch ein doppeltes Lächeln.“
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Wer wer ist, wussten nicht einmal die Eltern: Diese beiden sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich: Daniel und David sind fünf Jahre alt – und sogar ihre Eltern Renate Kuhlmey (46) und Stefan Kujawski (47) hatten erst Schwierigkeiten, die Jungs zu unterscheiden. „Sie mussten Armbändchen tragen. Wenn die beim Ausziehen abgingen, waren wir erstmal verwirrt“, sagt Kuhlmey. Dass sie Zwillinge bekommen, konnten Mama und Papa am Anfang nicht glauben. „Heute haben wir uns daran gewöhnt“, berichten sie. „Wir sammeln Erfahrungen, die andere Eltern nicht sammeln können.“
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Joel und Julien werden später alles teilen: Sechs Monate sind Joel und Julien auf der Welt – für Janin Knüttel (26) war die Überraschung beim Frauenarzt groß. „Ich war schockiert, rief zuerst meine Eltern an. Papa freute sich, Mama sagte: Du brauchst ein größeres Auto.“ Inzwischen hat sich Knüttel an ihre süßen Kids gewöhnt. „Sie sind eigentlich pflegeleicht, nur momentan etwas anstrengend, weil die Zähne kommen“, sagt sie. Für die Zukunft sieht die junge Mama Vorteile. „Die beiden werden nie allein sein. Und ich denke, dass sie viel früher lernen werden, zu teilen und sich anderen gegenüber sozial zu verhalten.“
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Sie müssen ihre Ausflüge gut planen: Julia Eberle (30) und Heiko Handrosch (31) ziehen gemeinsam den kleinen Till und seine Zwillingsschwester Nele auf. „Wir haben schon drei Kinder, haben uns aber trotzdem sehr über den doppelten Nachwuchs gefreut“, sagt Eberle. Sie ist gelernte Erzieherin, hatte dennoch Ängste. „Ich war mir nicht sicher, ob ich beiden Kindern wirklich genug Liebe geben kann.“ Inzwischen klappt das Familienleben wunderbar. „Nur Ausflüge mit der ganzen Truppe muss man wirklich gut organisieren.“
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Doppeltes Glück, doppelte Trotzphase: Fiona und Annika werden in der nächsten Woche drei Jahre alt. Im Gegensatz zu anderen Zwillings-Müttern rechnete ihre Mama, Veronica Molder (33), mit dem doppelten Kindersegen. „Ich sah auf dem Ultraschallbild erst nur Annika und fragte: Was? Nur ein Kind?“ Mit ihren beiden Prinzessinnen hat Molder großes Glück. „Sie begeistern sich für die gleichen Dinge. Allerdings erleben wir auch zweimal die Trotzphase – und als sie laufen lernten, rannten sie immer in andere Richtungen“, sagt sie und lacht.
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So viel Baby-Glück hat der Tierpark noch nie erlebt: Familien aus ganz Berlin kamen am Wochenende zum Zwillingstreffen.
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Henrich: „Hierbei kommt es gehäuft zur Befruchtung mehrerer Eizellen, oder es werden bewusst zwei oder mehrere befruchtete Eizellen in die Gebärmutter übertragen.“ Prominentes Beispiel dafür ist Annegret Raunigk – die Berlinerin sorgte vor zwei Jahren für Aufsehen, als sie sich im Ausland künstlich befruchtete Eizellen einsetzen ließ und im Alter von 65 Jahren Vierlinge bekam.
Laut Henrich wird sich der Trend fortsetzen. „Derzeit liegt die Rate der Schwangeren über 35 Jahre bei etwa 25 Prozent“, sagt er. Mit zunehmendem Alter steige auch die Wahrscheinlichkeit für den Einsatz einer Kinderwunschbehandlung und damit die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften.
„Hinzu kommen einige Schwangere jenseits von 45 Lebensjahren, welche durch eine Eizellspende aus dem Ausland schwanger geworden sind. Derzeit sind dies allerdings immer noch Ausnahmen.“
„Man muss alles doppelt kaufen“
Das Problem: Unproblematisch sind Mehrlingsschwangerschaften nur selten. Bereits eine Zwillingsschwangerschaft sei ein Risiko, da es häufiger zu Frühgeburten, Wachstumsstörungen und Fehlbildungen kommen kann, sagt Henrich. „Außerdem besteht eine erhöhte Kaiserschnittwahrscheinlichkeit und ein erhöhtes Blutungsrisiko während der Geburt.“
Doch die, die es geschafft haben, können ihr Baby-Glück dafür doppelt genießen. Zwillings-Mama Mary Gremmler (35) findet die richtigen Worte: „Man muss alles doppelt kaufen“, sagt sie. „Aber man bekommt dafür auch ein doppeltes Lächeln.“
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