An den schattigen Ufern des Fließes knurpselte er einen jungen Baum nach dem anderen um, schichtete die Hölzer unter Aufbietung aller Biber-Kräfte zu einem imposanten Knüppeldamm auf. Stolz auf sein Bauwerk, mag er mit dem platten Schwanz auf das nun so hübsch angestaute Wasser geklatscht haben, bevor er in seine neue Hütte tauchte und sich ein paar Kräuter (nicht Likör!) genehmigte. Dass ein paar hundert Meter weiter ein Nachbar alles andere als glücklich über dieses Richtfest sein würde, interessierte ihn nicht.
An seiner tiefsten Stelle ist der Rahmer See 4 Meter und 15 tief. Eigentlich. Denn schon seit Wochen sinkt der Wasserstand jeden Tag einen halben Zentimeter. Seit Anfang April sind es 25 Zentimeter. Bodo Rostin weiß das genau. Der 54-Jährige kennt jeden Uferabschnitt, jede Äsche, jeden Aal. Ihm und seinen Geschwistern gehört der 90 Hektar große See, hier ist sein Revier. Auf der Straße grüßt jeder den freundlichen Schlaks. Doch wenn es um den See geht, versteht Rostin keinen Spaß.
Mit Wathosen angetan, stapfte der Nebenberufs-Fischer in vierter Generation also in das Fließ und entlarvte am einzigen Zufluss zum See den Schwarzbau des Biber. Bodo Rostin scheint ein besonnener Mann, zu sein. Dennoch fürchtet er Schlimmes: „Wenn das so weitergeht, haben wir im Hochsommer ein Problem.“
Schon jetzt fallen Uferzonen – Laichplätze für Fische und Kriechtiere – trocken. Auch ein Naturschutzgebiet ist in Gefahr. Dort, wo der Rahmer See in den Lubowsee abfließt, sitzen Otter, Kranich und Ringelnatter auf dem Trockenen. Auch die hier ansässigen Biber sind empört, weil ihnen die liebe Verwandtschaft den Saft abdreht.
Eine Lösung muss her: Was mit dem Guerilla-Biber geschehen soll, will die Naturschutzbehörde in vier Wochen entscheiden. Die Zwangsräumung droht. SHI
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