Und von da oben, da kreischt etwas, wütend.
Hier, um das östliche Freitreppenhaus des Naturkundemuseums Berlin, vollzieht sich eine Evolution im Zeitraffer. Es ist eine an der Vergangenheit orientierte, der Zukunft zugewandte Entwicklung. Was ein Widerspruch scheint, liegt einem Konzept zugrunde, das in einem Streit wurzelt, der fast 145 Jahre tief liegt.
Der Streit um die Sammlung
Der Streit entzündete sich an der Frage, wie die drei eigenständigen Institutionen der Berliner Universität – das Geologisch-Paläontologische, das Mineralogisch-Petrografische und das Zoologische Museum – in einem Naturkundemuseum zu vereinen seien, das sowohl Forschungs- und Bildungseinrichtung für breitere Bevölkerungsschichten, aber auch Lehranstalt sein solle.
Architekt August Tiede schlug vor, die Sammlungen zu trennen, in eine Schausammlung, die je nur ein Männchen, ein Weibchen und den Nachwuchs einer Art zeigt, und eine Forschungssammlung, die in Magazinen eingerichtet ist.
Wilhelm Peters, Direktor des Zoologischen Museums, der das neue Haus leiten sollte, bestand darauf, die gesamte Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen; er setzte sich durch. Sechzehn Jahre lagen zwischen den ersten Planungen und der Fertigstellung 1889 (der Nordflügel entstand 1913 bis 1917). Peters erlebte die Eröffnung des Museums nicht mehr – er starb 1883.
Rückkehr zur ursprünglichen Idee
Sein Nachfolger Karl August Möbius bevorzugte, die Sammlungen zu trennen. Der Bau war aber schon zu weit fortgeschritten, um ihn zu verändern. Möbius ließ die Schausammlung im Erdgeschoss einrichten – eine repräsentative, systematisch angeordnete Auswahl an Exponaten – und die Forschungssammlung im zweiten und dritten Obergeschoss unterbringen, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Die Verantwortlichen von heute kehren zur Ur-Idee zurück. „Unser Auftrag ist es, ein offenes, integriertes Forschungsmuseum zu sein“, sagt Stephan Junker, Geschäftsführer des Museums. Heißt: „Wir betreiben sammlungsbasierte Forschung und machen forschungsorientierte Ausstellungen. Infrastruktur, Forschung und Wissenschaftskommunikation sind in enger Wechselwirkung zueinander.“
Aufklärung ist ein wichtiger Auftrag
Das ist in der heutigen Zeit dringlicher denn je, wie eine Umfrage des Museums im vorigen Jahr ergab: 75 Prozent der Befragten sehen den Klimawandel als großes Problem, aber nur 15 Prozent fürchten den Verlust der biologischen Vielfalt. „Das ist ein Widerspruch, beides gehört zusammen“, sagt Junker. „Wir haben also auch den Auftrag, Aufklärung zu betreiben.“
Erst sägen, dann setzen, schließlich schleifen: Mosaiksetzerin Doreen Warnecke erneuert einen Teil des Terrazzobodens im zweiten Obergeschoss des östlichen Freitreppenhauses.
© AKUD/Lars Reimann
Die selbst gestellten Aufträge sind gewaltig. Denn bis in die jüngere Vergangenheit tat sich wenig im „Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung“, wie das Haus offiziell heißt, das so viele Besucher hat wie kein zweites seiner Art in Deutschland – im vorigen Jahr waren es 632.454.
„Durch die Schäden des Zweiten Weltkrieges und Jahrzehnte der Ressourcen-Mangelbedingungen ist ein Sanierungsrückstand entstanden, der in vielen Teilen durch Platzmangel in den Sammlungsräumen, bauliche Sammlungsfehlanordnungen, veraltete haustechnische Anlagen, unzureichende konservatorische Bedingungen und Brandschutzeinrichtungen gekennzeichnet ist“, sagt Peter Bartsch, Kustos der Fischsammlung, in seiner Funktion als Bauherrenvertreter.
Seit Jahren in einer Metamorphose
Das Museum an der Invalidenstraße ist ein Füllhorn der Evolution, aus dem bislang 30 Millionen Zeugen der Geschichte der Erde und des Lebens gequollen sind, darunter das weltweit größte Dinosaurierskelett.
Das mehrflügelige Gebäude befindet sich seit Jahren in einer Metamorphose. Nach der Sanierung des Sauriersaals und angrenzender Räume sowie der Einbindung des westlichen Freitreppenhauses in den Ausstellungsbereich (2004–2007) und nach dem Wiederaufbau des Ostflügels (2005–2010) steht jetzt die weitere Öffnung des Museums für Besucher vor dem Abschluss (2012–2018).
Einzigartige Sammlungen
„Der erste große Akt war der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkriegs zerstörten Ostflügels“, sagt Peter Bartsch. Aus ihm hervor ging „ein hoch technisierter, bauteilgekühlter Neubau“ mit zum Teil erhaltenen Original-Fassaden aus Ziegelmauerwerk und Sichtbetonteilen des Architektenbüros Diener & Diener: Einst zeigte das Museum hier die Anatomische Sammlung der großen Säugetiere, seit 2010 präsentiert es die Nass-Sammlung, wie Naturkundler eingelegte Präparate nennen.
Die Berliner Nass-Sammlung ist einzigartig: Eine Million Objekte aus allen Tiergruppen, eingelegt in 80 Tonnen Alkohol, füllen 276.000 Gläser, 12,6 Kilometer Regalfläche und drei Etagen in zweigeschossigen Regalanlagen.
Grenzen werden weiter aufgehoben
Es entstanden dazu moderne Labore und Arbeitsräume für die Forschung sowie ein Präparatorium für die Herstellung und die Pflege von Sammlungs- und Ausstellungsobjekten.
Der zweite große Akt spielt im Zentrum des Hauptgebäudes um das östliche Freitreppenhaus. Entsprechend der ursprünglichen, aber bisher nicht verwirklichten Bestimmung des Bauwerkes werden sechs Säle des Mittel- und des Querflügels sowie ein Saal im Hauptbau Ost für die Öffentlichkeit erschlossen.
Wilhelm Peters’ altem Plan, alle Schätze Besuchern zugänglich zu machen, kommt das Museum wieder ein Stück näher; die Grenzen zwischen Ausstellung und Sammlung werden weiter aufgehoben.
Weitere Verbesserungen
Das Museum für Besucher weiter zu öffnen und Forschung transparent zu machen, sei nur ein Schwerpunkt der Bauarbeiten, sagt Bauherrenvertreter Peter Bartsch. Der zweite liege auf „der Optimierung der Lagerung der Trockensammlungen, der Verbesserung der Logistik für Sammlungsbear- beitung und Einrichtung von Gastarbeitsplätzen sowie der Optimierung des sparsamen Verbrauchs von Betriebs- und Energiekosten“.
Irgendwo im östlichen Freitreppenhaus kreischt immer noch etwas, nach wie vor ist niemand zu sehen. Über breite Stufen geht es ins Obergeschoss, über mit Papier und Vlies abgedeckte Böden rechts in den Querflügel und gleich wieder rechts in einen Saal. Staub kitzelt die Nase.
Melange von Sanierung und Neubau
Früher war dieser Raum ein Hörsaal, künftig ist er ein Veranstaltungssaal. Das Sonnenlicht wirft die Schatten von vier großen Kastendoppelfenstern auf den steinernen, blaugrau gesprenkelten Boden. Drei dunkelgraue Säulen verbinden ihn mit der beigefarbenen Decke. Blaue Vorhänge, in Folie gehüllt, hängen neben den Fenstern, zwei Lautsprecherboxen dazwischen und zwei weitere an der Wand gegenüber. Die Wände sind mittelbraun und mittelblau, mit Stoff bespannt, um die Akustik zu verbessern.
Architektin Selina Schultze blickt sich um; sie versteht ihre Arbeit hier als „eine Melange von Sanierung und Neubau unter dem Fokus, den Standard der Technik in altem Gewand gut zu verpacken und die klimatischen Anforderungen von Sammlungsbeständen optimal zu erfüllen“.
Restauration und Modernisierung
Vor der Vermischung stand die Trennung: Es galt, schadstoffbelastete Farben, Lacke, Deckenbalken und Fußbodenbeläge sowie Dämmstoffe zu entsorgen; Decken und Böden zu erneuern, auch weil sie sich verformt hatten durch die Schwere ihres Materials und der Sammlungsstücke, die sie tragen mussten; Türen so nachzubauen, dass sie den Bestimmungen des Brandschutzes entsprechen.
Nicht nur im alten Hörsaal wurden die Kastendoppelfenster restauriert und abgedichtet, die Scheiben mit Alarmspinnen versehen, der schwere Ortsterrazzoboden – vor Ort fugenlos gegossener Terrazzo – entfernt und durch leichteren Gussasphalt ersetzt.
Viele Herausforderungen und ein strikter Kostendeckel
„Eine Herausforderung war, modernste Gebäudetechnik in die alte Saalstruktur in den Obergeschossen zu integrieren“, sagt Selina Schultze. So wurden die Wände mit feuchtigkeitsregulierendem Lehm verputzt und dahinter wurde ein geothermisch betriebenes Heiz- und Kühlschleifensystem installiert.
Um Erdwärme zu nutzen, habe man 16 geothermische Probebohrungen vorgenommen, 98 Meter tief, erzählt Bauherrenvertreter Peter Bartsch. Dabei sei man auf ein Braunkohlelager gestoßen. „Da dachte ich: Jetzt sind unsere Geldprobleme gelöst!“ Er macht eine Pause, sagt dann „Es war aber nicht abbauwürdig“ und schmunzelt.
So sieht Fellsaal im Mittelflügel des ersten Obergeschosses heute aus. Hinter den lehmverputzten Wänden steckt ein Heiz- und Kühlsystem.
© AKUD/Lars Reimann
Allein die Kosten des zweiten Bauabschnittes sind nach Angaben von Bartsch auf 32,1 Millionen Euro bemessen, „mit einem strikten Kostendeckel“. Die Finanzierung erfolgt durch den Bund und das Land Berlin.
Eine böse Überraschung
Da kreischt wieder dieses Etwas. Zu sehen ist nur ein Maler auf einem Gerüst im Freitreppenhaus; er streicht die Decke. Nach Farbe riecht es kaum, stattdessen nach Staub, der nicht mehr nur die Nase kitzelt. Allmählich kriecht er auf den Gaumen und kratzt im Hals.
Ganz oben, da wartete auf Bauherrenvertreter Bartsch und Architektin Schultze eine dieser bösen Überraschungen, die im Laufe von Sanierungen gerne auftauchen: Das Pyramidendach, durch das gleißendes Tageslicht stürzt, war so kaputt, dass es komplett erneuert werden musste.
Direkt am Treppenhaus, im Mittelflügel, liegt der einstige, nicht öffentlich zugängliche Fellsaal, sechs Fenster rechts, sechs Fenster links, fünf Säulen in der Mitte. Auch er ist saniert. Die Decke, stuckverziert, und die Wände, lehmverputzt, sind ockerfarben gestrichen.
Löcher im Boden
Aus einer Wand hängen Kabelrollen, auf dem Boden steht und liegt ein Sammelsurium an Handwerkszeug und Baumaterialien: eine Gasflasche und Gerüstelemente, Farbeimer, Mörtelkästen und Säcke mit Natursteinkörnung, mit der Risse und Löcher sowie Ecken und Kanten im Terrazzo geglättet werden.
Ein zwei Fuß langes und ein Fuß breites untiefes Loch klafft im Boden unter dem ersten Fenster rechts neben der braun lasierten Flügeltür aus Holz. „Das wurde absichtlich gemacht“, erklärt Peter Bartsch, „um den Boden- und Deckenzustand zu prüfen.“ Seine Stimme hallt durch den Saal.
Dem künftigen Ausstellungssaal gegenüber, über das Treppenhaus hinweg, liegt der ehemalige, inzwischen ebenfalls sanierte Saal für die Alkoholsammlung der Säugetiere, die sich jetzt als Nass-Sammlung im Ostflügel befindet. Die alten Vitrinen aus dem 19. Jahrhundert stehen noch, in vier Reihen. „Wir haben sie moderat restauriert“, sagt Peter Bartsch. Die Glasscheiben wurden mit Folien bruchsicher gemacht.
Ein weitläufiges Labyrinth
Von hier aus und vom Saal nebenan, in dem zwei Männer die Vitrinen für die Hauptsammlung fossiler wirbelloser Tiere mit Folien präparieren, können Besucher in die Saurierhalle hinabblicken.
Sowohl der Saal, der früher Felle aufbewahrte, als auch der Saal, der die Alkoholsammlung der Säugetiere beinhaltete, werden künftig Museumsbesuchern offen stehen. Was sie dort zu sehen bekommen, steht noch nicht fest.
Unklar ist auch, wann die sanierten Säle für den Publikumsverkehr freigegeben werden.
In der an ein Labyrinth erinnernden Weitläufigkeit des Museums aus Treppen und Fluren und Sälen verlieren sich die Bauarbeiter. Und wenn einer auftaucht, dann ist er schweigend in sein Schaffen vertieft.
Sanierungsbedürftige Bibliothek
Abseits der Säle befinden sich Räume mit Museumsallerlei: hier ein Raum mit Schränken, in denen Schaukästen mit Schmetterlingen stecken, dort einer, in dem zwei Krokodile und ein Elch posieren.
Vor der Öffentlichkeit verborgen liegt auch die Paläontologische Bibliothek. Fünf, sechs Meter hoch schmiegen sich Regale an die Wände unter dem Dach über dem Haupteingang.
Wie in vielen anderen Räumen herrscht auch hier größter Sanierungsbedarf. Irgendwann solle die Bibliothek woanders untergebracht werden, sagt Peter Bartsch. Vorstellen kann er sich, aus dem Raum ein Café für Museumsbesucher zu machen.
Skelette, Farne und Geweihe
Anders als im ersten Geschoss stehen im zweiten die künftigen Funktionen aller Säle fest: In einen Saal kommt die Sammlung Fossile Pflanzen – die Sammlungen der Paläobotanik umfassen 230.000 Einheiten mit 9100 Abbildungsbelegen und Typen –, in den zweiten kommen Skelette und in den dritten Gehörne und Geweihe.
Noch hängt die Gehörne- und Geweihesammlung im Keller des Museums.
© Carola Radke, MfN
Wo bald fossile Farne zu bestaunen sind, befand sich die geschlossene Karbonsammlung, schwere Objekte aus der Steinkohlenzeit, so schwer, „dass der Boden statisch grenzwertig belastet war“, sagt Bauherrenvertreter Bartsch, „sodass er durch einen neuen Aufbau aus Gussasphalt ersetzt werden musste und hier künftig eine leichtere Sammlung untergebracht wird“.
Vor fünf Jahren standen hier voll- und teilverglaste Vitrinen, stapelten sich große und kleine Schränke unter dem schadstoffbelasteten Gebälk des nach dem Krieg gebauten Notdachs, umgeben von nacktem Backstein.
Ein Wal an der Decke?
Jetzt sind die Dächer zurückgebaut und neu konstruiert. Die Decke des Karbonsaals ist durch eine neue Leichtbetondecke in Form alter Kappendecken nachgebildet.
„Die Lasten der neuen Konstruktionen werden auf das Außenmauerwerk abgeleitet“, sagt Architektin Selina Schultze, „um die Bestandsstruktur mit den gusseisernen Säulen nicht zusätzlich zu belasten.“
Außerdem sind auch diese Wände mit Lehm verputzt und einem dahinter liegenden Heiz- und Kühlsystem versehen.
Im künftigen Saal der Skelette stehen zwischen den zweimal vier Säulen mit Plastikfolien abgedeckte Vitrinen; dazu stapeln sich, ebenfalls mit Folien geschützt, Schubladen. Peter Bartsch blickt an die Decke und sagt: „Hier werden wir vermutlich ein größeres Skelett montieren, vielleicht einen Wal.“
Schatten des Krieges
In seinen Beständen hat das Museum einen Finnwal, einen Seiwal und einen Schwertwal, „komplett“, wie Bartsch betont. Selbstverständlich ist das nicht, wurde doch die Wal-Halle im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt.
Noch immer wirft der Krieg Schatten auf das Museum.
Im Jahr 1942 war es, da beschlossen die Verantwortlichen, als erstes die Saurierskelette, deren Rekonstruktion erst 1937 abgeschlossen worden war, vorsichtshalber in den Museumskeller zu bringen. Im April 1943 kamen große Teile der Sammlung ebenfalls in den Keller oder an andere, vermeintlich sichere Orte außerhalb des Hauses. Für ganz besonders wertvolle Objekte wie das Quagga, eine ausgestorbene Zebra-Form, wurde ein Banktresor angemietet.
Zerstörung durch Bombenangriffe
Die ersten Bomben schlugen in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 im Museum ein. Völlig zerstört wurden ein Raum mit Teilen der Tendaguru-Sammlung – eine Expedition hatte von 1909 bis 1913 an diesem Berg in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika 230 Tonnen Dinosaurierknochen freigelegt und nach Berlin transportieren lassen –, der Geologische Hörsaal, der Saal mit den Riesenschlangen und die Wirbeltiersammlung des benachbarten Zoologischen Instituts. Rund 100 Mineralienschränke im Mineralogischen Institut gingen in Flammen auf.
Ein Luftangriff am 3. Februar 1945 forderte in einem Schutzraum des Museums Tote und Verletzte. Eine Zehnzentnerbombe schlug in den Ostflügel, der daraufhin bis zum Kellergeschoss zusammenfiel. Die Wal-Halle wurde teilweise zerstört, Dachstühle brannten aus, Regale und Schränke wurden beschädigt, Fenster und Glasdächer zertrümmert, Sammlungen mit Schutt und Splittern bedeckt, die man heute noch in manchen Präparaten findet.
Devonsal, ein Relikt des Krieges
Im westlichen Querflügel des zweiten Obergeschosses liegt ein besonders großes Relikt des Krieges: der Devonsaal, der 360 bis 420 Millionen Jahre alte Fossilien aufbewahrt, in Schränken und Pappkartons, auf Schränken und auf dem Boden. Licht zwängt sich durch Löcher in den Wänden aus rotem Backstein.
Teile der Wände und der Decke, ebenfalls aus Ziegeln gemauert, sind geschwärzt; es riecht nach Ruß, wie in einem offenen, erkalteten Kamin, auch jetzt noch. Das Feuer, das hier nach einem Bombentreffer ausbrach, wütete so heftig, dass es eine der vier Säulen derart deformierte, dass ein Gerüst sie stützen muss.
Kriegslast: Das Gerüst stützt die durch Feuer deformierte Säule im Devonsaal.
© AKUD/Lars Reimann
Irgendwann soll auch dieser Saal umgebaut werden. Wann, kann Bauherrenvertreter Peter Bartsch nicht sagen, nur, dass es weitere Bauabschnitte geben wird, einen dritten und vierten, vielleicht sogar einen siebenten. Nach Beendigung der laufenden Maßnahmen im Herbst werden ihm zufolge 38 Prozent des Museums saniert sein.
Der dritte Bauabschnitt ist genehmigt, er soll 2019 beginnen und 2024 enden. Vorgesehen ist, ein Kommunikationszentrum und eine Bibliothek einzurichten; geplant ist auch ein Neubau für die konservatorisch optimale Lagerung von Sammlungen.
Steinchen für Steinchen, Körnchen für Körnchen
Selbst bei 500.000 Besuchern jährlich, bei einer Ausstellungskonzeption, die eine freie, selbstbestimmte Wahl des Interessensgebietes erlauben soll, sei der Platz „immer noch knapp bemessen“, sagt Bartsch. Bislang umfasst die begehbare Ausstellungsfläche 6490 Quadratmeter, künftig sind es 7880 Quadratmeter; die einsehbare Sammlungsfläche kommt noch dazu. „Tendenziell möchten wir das Gebäude gegen 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche entwickeln.“
Da kreischt es wieder. Auf dem Boden des Treppenhausflurs im zweiten Obergeschoss kniet eine Frau. Gierig frisst sich das Sägeblatt ihres Trennschleifers in den Terrazzo. Vor das vergleichsweise niedrige gusseiserne Geländer wird ein höheres gläsernes gesetzt. Dafür weicht ein Teil des Bodens. Was übrigbleibt, wird sorgfältig ausgebessert und angeglichen, Steinchen für Steinchen, Körnchen für Körnchen, ohne Ecken und Kanten.
Es gibt noch viel zu tun, nicht alles wird glattgehen.
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