Zurück aus dem Ruhestand

Ex-Polizeipräsident Dieter Glietsch ist neuer Flüchtlings-Staatssekretär

„Ich hatte vier Jahre Zeit, mich von den Strapazen zu erholen.“ Jetzt kann Berlins Ex-Polizeipräsident Dieter Glietsch als neuer Staatssekretär sich ganz der Aufgabe widmen, die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in Berlin zu organisieren.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min
Dieter Glietsch und Dirk Gerstle sollen das Flüchtligns-Chaos gemeinsam ordnen.

Dieter Glietsch und Dirk Gerstle sollen das Flüchtligns-Chaos gemeinsam ordnen.

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Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatten den Mann, der in Berlin den 1. Mai immer gut gewuppt hatte, aus dem oberbergischen Ruhestand zurückgeholt – und booteten Innensenator Frank Henkel (CDU) aus, der Glietsch nicht gewollt hatte.

Glietsch sagte erst nach einem Gespräch mit Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle zu, bei dem er feststellte: Mit dem kann ich zusammenarbeiten. Gerstle ist für die fachlichen Vorgaben zuständig, Glietsch wird organisieren. Er begründete seine Entscheidung, aus dem Ruhestand zurückzukehren: „Es ist eine überwältigend wichtige Aufgabe, es wird auf Monate, wenn nicht Jahre die wichtigste für Staat und Gesellschaft sein.“

Er mahnte an, dass der im August eingesetzte Krisenstab von knapp 45 Leuten, der rund um die Uhr mit den Flüchtlingen befasst ist, wachsen muss: Die überlasteten Mitarbeiter könnten sich nur mit Sofortmaßnahmen befassen. Aber der Winter stehe vor der Tür.

Wie viele Flüchtlinge Berlin noch aufnehmen kann, wollte er nicht beantworten – da fehle ihm noch der Überblick, so Glietsch. 32 000 hat Berlin 2015 schon aufgenommen. Seit 5. September, mit Beginn der „Ungarn-Welle“, über 9100. Das sind 400 weniger als 2012 und 2013 zusammen.

Am 15. September waren 2200 in den sechs Erstaufnahmeeinrichtungen, 10300 in 39 Gemeinschafts-, 9300 in 29 Notunterkünften (Zelte, Sporthallen) untergebracht. 10000 Asylbewerber auch der vergangenen Jahre leben in Wohnungen. Czaja erwartet, dass in der nächsten Zeit rund 1000 am Tag hier eintreffen – neue Unterkünfte sind nötig. Wann aber z.B. das Flughafengebäude Tempelhof dafür hergerichtet ist, ist noch unklar.

Auch hier soll ein Ex-Polizist Organisator sein: Klaus Keese (64), früherer Chef der Polizeidirektion 1. Müller mahnte weitere Hilfen des Bundes an. 450 Millionen Euro muss Berlin 2015 für die Flüchtlinge ausgeben – der Bund gebe nur 27 Millionen davon. Wenn sich die Länder-Ministerpräsidenten morgen mit der Bundesregierung treffen, müsse der Bund seine Hilfsangebote zum Beispiel beim Personal dringend konkretisieren. GL

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