Berlin - Diese Reform ist ein Schock für alle Kassenpatienten: Um das Mega-Finanzloch im Gesundheitssystem (allein 11 Milliarden Euro zu wenig in 2011) in den Griff zu bekommen, werden ab dem nächsten Jahr wieder die Beiträge angehoben, hat Schwarz-Gelb gestern beschlossen. Außerdem sollen die Kassen die Zusatzbeiträge unbegrenzt festsetzen können. KURIER erklärt den Gesundheitshammer.Mehr Abzug vom Lohnzettel: ab der ersten Gehaltsabrechnung in 2011 wird die von FDP und Union beschlossene Reform für jeden Versicherten spürbar. Die Arbeitnehmerbeiträge steigen um 0,3 Prozent auf 8,2 Prozent. Macht z. B: bei einem Einkommen von 2000 Euro 6 Euro im Monat mehr (von 158 auf 164Euro).Weitere Steigerung denkbar: Muss der Satz wegen der steigenden Gesundheitskosten in Zukunft weiter angehoben werden, sollen nur noch die Versicherten (Arbeitnehmer und Rentner) belastet werden. "Das ist eine Bankrotterklärung für den Gesundheitsminister und eine verschärfte Fortsetzung der bisherigen Politik", schimpft Ulrike Mascher, Chefin des Sozialverbandes VdK, gegenüber KURIER.Mehrkosten für Arbeitgeber: Auch ihr Beitrag wird angehoben, ebenfalls um 0,3 Prozent - allerdings nur einmalig. Dann wird er bei 7,3 Prozent (von insgesamt 15,5 Prozent) eingefroren. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP): "So werden die Gesundheitskosten von den Arbeitskosten abgekoppelt."Müssen nur die Versicherten bluten? Nein, aber in erster Linie. Rösler kündigte an, auch bei Krankenhäusern, Verwaltungskosten der Kassen, Zahnärzten, Impfstoff-Preisen und Hausarztverträgen zu kürzen, insgesamt 3,5 Milliarden Euro in 2011 und 4 Milliarden Euro in 2012.Zusatzbeiträge: Erst in diesem Jahr hatte Schwarz-Gelb eingeführt, dass die Kassen bis zu 37,50 Euro bzw. maximal 1 Prozent des Einkommens als zusätzlichen Beitrag erheben können. Jetzt sollen sie ihre Beiträge völlig frei wählen dürfen. Es gibt keine Grenze mehr.Wird auch tatsächlich erhöht? Unklar. "Das wird sich jede Kasse zweimal überlegen, weil sie Angst hat, dass es erneut zu einer Versichertenflucht kommt", so Christian Zimmermann,. Präsident des Allgemeinen Patienten-Verbandes, zu KURIER:Sozialausgleich: Die einzige Schranke wird ein Sozialausgleich aus Steuermitteln sein. Übersteigt der Durchschnittswert der Zusatzbeiträge (2011 voraussichtlich 11 Euro) zwei Prozent des Einkommens, gibt es für sozial Schwache einen Ausgleich über die monatliche Lohnabrechnung. Heißt (für 2011): Wer weniger als 550 Euro verdient, dem hilft der Staat aus. Ulrike Mascher klagt: "Das betrifft eine viel zu kleine Gruppe."Weitere Kritik: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte gestern sogar Röslers Rücktritt.------------------------------Zwischenzeile: EIN AUSGLEICH FÜR SOZIAL SCHWACHEZwischenzeile: KASSEN HABEN FREIES SPIEL BEI ZUSATZBEITRÄGEN
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