Die 463.000 SPD-Mitglieder gehen jetzt ein zweites Mal zur Wahl. Im Gegensatz zu allen anderen Wählern können sie darüber abstimmen, ob es wirklich zu einer neuen Großen Koalition kommt.
Das ist zwar verfassungsrechtlich erlaubt, aber es hinterlässt ein ungutes Gefühl. Es gibt Wähler erster und zweiter Klasse.
Abgesehen davon, dass die SPD kaum kontrollieren kann, wer da alles neu eingetreten ist und mitbestimmt.
SPD und AfD gleich auf
Die SPD-Abstimmung findet statt vor dem Hintergrund der schwersten Krise der SPD der Nachkriegszeit. Identitätsverlust, Führungschaos, nur noch 16 Prozent in den Meinungsumfragen. Diese katastrophale Lage wird voraussichtlich dazu beitragen, dass das Votum ein Ja sein wird.
Denn die Alternative wären Neuwahlen – entweder sofort, wenn der Bundespräsident sie einleitet, oder nach einer kurzen Zeit einer Minderheitsregierung Merkel.
Neuwahlen aber hießen, dass SPD und AfD etwa gleichauf liegen würden. Aus der Krise würde der freie Fall.
Als zweite Volkspartei auf die Beine kommen
Das scheinen auch die Gegner der Großen Koalition in der SPD gemerkt zu haben. Ihre Kampagne läuft nur noch mit gebremstem Schaum. Mancher Gesichtsausdruck scheint zu signalisieren: Das haben wir nicht gewollt.
Das ist auch gut so. Denn es liegt im parteipolitischen und im staatspolitischen Interesse, dass die SPD wieder als zweite Volkspartei auf die Beine kommt. Sie wird gebraucht. Die SPD ist keine Todessekte, die kollektiv Selbstmord begeht.
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