Zug-Entführer

Nächster Halt - Knast!

David S. überfiel ICE von Berlin nach Hamburg. Vor Gericht sagte er: „Ich tat es für Israel!“

Claudia Wilms
Lesezeit 2 Min
David S. entführte einen Intercity-Express. Angeblich um auf die Lage Israels im kriegerischen Konflikt mit der Hamas aufmerksam zu machen.

David S. entführte einen Intercity-Express. Angeblich um auf die Lage Israels im kriegerischen Konflikt mit der Hamas aufmerksam zu machen.

© Julian Stähle Lizenz

Ein Psycho, so dachten die Ermittler nach der Festnahme des Baden-Württembergers (kommt aus Künzelsau). Denn wer kommt auf die absurde Idee, einen Zug in Deutschland zu entführen? Deshalb landete David S. auch erst in einer Psychiatrie. Doch Psychiater Claus Simonn stellte fest, dass der Mann durchaus im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Er hat die Tat geplant und einen Erpresserbrief dabei, als er am 21. November, früh am Morgen, in den Schnellzug stieg.

Gegen 5.30 Uhr will der Schaffner die Tickets der gut 25 Passagiere sehen, auch David S. ist an der Reihe. Statt einen Fahrschein reißt der Süddeutsche eine Pistole aus seiner Tasche. Ohne Vorwarnung ballert er herum. Er brüllt: „Alle auf den Boden!“ Mindestens sechs Fahrgäste soll er zudem direkt bedroht haben. „Um mir Respekt zu verschaffen“, sagte er gestern.

Den Zugbegleiter will er zwingen, seine Forderungen am Telefon der Polizei zu verlesen. David S. fordert: Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sollen die Anerkennung Palästinas als eigenständigen Staat durch Spanien, Schweden und Großbritannien „auf das Schärfste“ missbilligen. Außerdem verlangt er 500.000 Euro.

Ein Passagier merkte jedoch schnell, dass die Pistole ein Fake, eine Schreckschusswaffe, war. Er handelte prompt, entwaffnete David S. in Sekunden und brachte ihn zu Boden. Am Bahnhof Nauen nahm die Polizei ihn fest.

„Ich wollte, dass das Thema in der Bevölkerung mehr Gehör findet. Ich bedauere, dass die Leute im Zug Angst hatten. Aber es ging für mich um die Sache“, gab David S. zu. Er sei ein Freund Israels. Richter Jörg Tiemann hatte gewisses Verständnis: „Sie machen auf mich nicht den Eindruck eines gewissenlosen Terroristen.“ Er prüft jetzt die Prozess-Verlegung an das zuständige Kammergericht Berlin.

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