Zuckersammlerin

Barbara, die Süße von Schöneiche

KURIER ließ sich von ihr das süße Hobby erklären.

Florian Thalmann
Lesezeit 3 Min
Barbara Borck aus Schöneiche sammelt Zucker aus der ganzen Welt.

Barbara Borck aus Schöneiche sammelt Zucker aus der ganzen Welt.

© Gerd Engelsmann

100.000 Zucker-Päckchen sind eine ganze Menge – grob überschlagen lagert Barbara Borck in ihrer Wohnung mehr als eine Tonne Zucker. „Und auf dem Dachboden habe ich weitere 20.000 Exemplare, die ich noch einsortieren muss“, sagt sie. Hinzu kommen Exponate, die eigentlich nicht zur Sammlung gehören: Zuckerhüte, Zuckerdosen und Zuckerzangen.

Borcks Leben dreht sich um den Zucker, der Anstoß für die Leidenschaft kam 1984. „Damals arbeitete ich als Ausbilderin bei Gamat. Ich musste auf Krankenbesuch zu einem Mitarbeiter – und sah bei ihm eine Glasvase, die mit eingepackten Zuckerwürfeln gefüllt war. Das gefiel mir so, dass ich auch mit dem Sammeln begann, aber nur, weil ich es dekorativ fand.“ Erst Jahre später, lange nach der Wende, las sie in der Zeitung von einer Zuckersammlerin und von einem Klub – 2007 wurde die Leidenschaft fürs Sammeln erst richtig entfacht.

Barbara Borcks Zuckersammlung: Allein die Berliner Exemplare umfassen Hunderte Würfel. 

Barbara Borcks Zuckersammlung: Allein die Berliner Exemplare umfassen Hunderte Würfel. 

© Gerd Engelsmann

Zuckersammlerin Barbara Borck bat Freunde und Bekannte um Hilfe

Immer mehr Fachwissen eignete Borck sich an. „Ich wusste am Anfang ja gar nicht, was Zucker in verschiedenen Landessprachen heißt“, sagt sie. „Ich begann, mir Zucker von Reisen mitzubringen, alle Freunde und Bekannten wurden gebeten, im Urlaub danach zu gucken.“ Borck ließ sich gern davon überraschen, wie vielfältig die Motive auf den Packungen sind.

Die Rentnerin reist sehr viel, zieht in jedem Urlaub durch Cafés. „Wenn ich auf dem Tisch eine Streudose stehen sehe, gehe ich gar nicht rein.“ Findet sie Zucker, erzählt sie von ihrer Sammlung und fragt, ob sie sich Tütchen mitnehmen darf. „Manche haben sich da sehr affig – sie sagen, dass ich erst einen Kaffee kaufen muss. Aber ich kann ja nicht den ganzen Tag Kaffee trinken! Wenn ich fünf Euro auf den Tisch lege, geht es meistens auch so.“

Zuckersammlerin Barbara Borck: „In Kanada musste ich am Flughafen sogar 50 Euro für Übergepäck bezahlen“

100.000 Zucker-Päckchen hat sie in Ordnern und Schubladen einsortiert, geordnet nach Ländern, Themengebieten und Abbildungen. „Und damit habe ich wenig – es gibt Kollegen, die mehr als 200.000 Stück gesammelt haben.“ Ihr Zucker kommt aus 151 Ländern auf der Welt. „In Kanada musste ich am Flughafen sogar 50 Euro für Übergepäck bezahlen“, sagt sie und lächelt. Die Tütchen und Würfelchen, die sie doppelt hat, tauscht sie auf Zuckersammler-Treffen. „Es ist schade, dass ich mit meinen 72 Jahren noch zu den jüngsten Sammlern gehöre, es kommt nur sehr wenig Nachwuchs.“ Aktuell gebe es in Berlin rund 100 Sammler, sagt sie.

In ihrem Haus in Schöneiche hat Borck sogar ein Zucker-Zimmer eingerichtet. Wer aber denkt, dass sie hier sitzt, um ihre Würfel anzuschauen, der irrt: „Dafür habe ich keine Zeit.“ Denn sie ist auch sonst aktiv, betreibt Nordic Walking und nimmt an Frauengruppen teil. „Den Zucker, den ich überhaupt nicht brauche, weil ich ihn schon habe, nehme ich mit dorthin.“ Dann kommt er hin, wo er hingehört: In den Kaffee. Aber nur bei den anderen. „Ich mag keinen Zucker im Kaffee.“

Infos zu den Zuckersammlern gibt es hier.

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