Zu viele Dieselabgase

Luftverpestung kann Berlin Millionen kosten

Es ist unsichtbar, aber gefährlich für die Gesundheit. Und es kann teuer werden: Stickstoffdioxid.

GERHARD LEHRKE
Lesezeit 4 Min

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Das wären übers Jahr 255 Millionen Euro, die fällig wären, falls das „Vertragsverletzungsverfahren“ zu einem Erfolg der EU-Kommission wird. An vielen Messstellen vor allem in der City werden die Grenzwerte von Stickstoffdioxid (NO2) täglich überschritten. Es entsteht im Gegensatz zum vorwiegend in die Stadt gewehten Feinstaub zu knapp drei Vierteln in Berlin – vor allem kommt es aus Diesel-Pkw.

Neukölln, Silbersteinstraße - Das ist Deutschlands giftigste Straße

Neukölln, Silbersteinstraße - Das ist Deutschlands giftigste Straße

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Das überleben nicht mal die Tomaten: Oktay Sakar (43) verkauft im Kiosk gegenüber nur noch Abgepacktes. „Ich hatte ein Lebensmittel-Geschäft an der Straße. Die Tomaten von morgens waren abends wie gekocht.“ Das ist nicht nur schlecht fürs Geschäft. „Auch für die Gesundheit!“

Das überleben nicht mal die Tomaten: Oktay Sakar (43) verkauft im Kiosk gegenüber nur noch Abgepacktes. „Ich hatte ein Lebensmittel-Geschäft an der Straße. Die Tomaten von morgens waren abends wie gekocht.“ Das ist nicht nur schlecht fürs Geschäft. „Auch für die Gesundheit!“

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Wie ein Flaschenhals, in dem es sich staut: Martin Klee (51) wohnt nahe der Messstelle und weiß, woher die hohe Belastung kommt:. „Die Karl-Marx-Straße ist so eng wie ein Flaschenhals“, sagt der Elektroniker. „Die Autos strömen zwar in alle Richtungen, aber ihre Abgase stauen sich hier.“

Wie ein Flaschenhals, in dem es sich staut: Martin Klee (51) wohnt nahe der Messstelle und weiß, woher die hohe Belastung kommt:. „Die Karl-Marx-Straße ist so eng wie ein Flaschenhals“, sagt der Elektroniker. „Die Autos strömen zwar in alle Richtungen, aber ihre Abgase stauen sich hier.“

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Schlimmer als Rauchen auf engstem Raum: „Unsere Gäste spüren die Belastung“, sagt Marion Eisenhart (48), Kellnerin in einer Kneipe an der Kreuzung. „Drinnen darf nur in einem stickigen Extra-Raum geraucht werden.“ Also gehen die Gäste vor die Tür und fragen sich: „Was ist nun schlimmer?“

Schlimmer als Rauchen auf engstem Raum: „Unsere Gäste spüren die Belastung“, sagt Marion Eisenhart (48), Kellnerin in einer Kneipe an der Kreuzung. „Drinnen darf nur in einem stickigen Extra-Raum geraucht werden.“ Also gehen die Gäste vor die Tür und fragen sich: „Was ist nun schlimmer?“

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Im Sommer müssen wir die Fenster schließen: „Im Sommer ist es so schlimm, dass wir die Fenster schließen müssen“, sagt Sakine Demir (41) und zeigt auf ihre Wohnung über dem Mess-Container. Die Pharmazeutin ist sich der Gefahr bewusst. „Und ich habe zwei Kinder, das dritte ist unterwegs!“

Im Sommer müssen wir die Fenster schließen: „Im Sommer ist es so schlimm, dass wir die Fenster schließen müssen“, sagt Sakine Demir (41) und zeigt auf ihre Wohnung über dem Mess-Container. Die Pharmazeutin ist sich der Gefahr bewusst. „Und ich habe zwei Kinder, das dritte ist unterwegs!“

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Hier hatte ich als Kind schon Kopfschmerzen: „Man merkt einfach, dass die Luft hier besonders dick ist“, sagt Markus Wilka (38). Der Transportsanitäter weiß, was die schlechte Luft auslösen kann. „Schon als Kind hab hier ich Kopfschmerzen bekommen“, sagt der Neuköllner.

Hier hatte ich als Kind schon Kopfschmerzen: „Man merkt einfach, dass die Luft hier besonders dick ist“, sagt Markus Wilka (38). Der Transportsanitäter weiß, was die schlechte Luft auslösen kann. „Schon als Kind hab hier ich Kopfschmerzen bekommen“, sagt der Neuköllner.

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Die Luft ist hier einfach nur furchtbar: „Für meine Kinder ist die Luft einfach nur furchtbar. Sie sind Allergiker, husten so schon ständig“, sagt Madlen Polack (28). Die Mutter aus Kreuzberg passiert die Silbersteinstraße auf ihrem Einkaufsweg: „Notgedrungen. Freiwillig würde ich nicht kommen.“

Die Luft ist hier einfach nur furchtbar: „Für meine Kinder ist die Luft einfach nur furchtbar. Sie sind Allergiker, husten so schon ständig“, sagt Madlen Polack (28). Die Mutter aus Kreuzberg passiert die Silbersteinstraße auf ihrem Einkaufsweg: „Notgedrungen. Freiwillig würde ich nicht kommen.“

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In der Silbersteinstraße ist dicke Luft, zeigen die Werte der Messstelle.

In der Silbersteinstraße ist dicke Luft, zeigen die Werte der Messstelle.

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An der Ampel-Kreuzung zur Karl-Marx-Straße: Hier staut sich nicht nur der Verkehr.

An der Ampel-Kreuzung zur Karl-Marx-Straße: Hier staut sich nicht nur der Verkehr.

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Die werden immer mehr: Sank die Zahl der Benziner in Berlin seit 2009 um 1,48 Prozent auf 866.000 (2014), stieg die der Diesel um 32,7 Prozent auf 264.000. Deren Motoren sind so eingestellt, dass sie bei hohen Temperaturen Dieselruß verbrennen. Leider entsteht dabei mehr NO2 aus dem Stickstoff der Luft.

Zwar gibt es Methoden, NO2 aus dem Abgas herauszubekommen. Aber eine Studie der unabhängigen „Denkfabrik“ ICCT zeigt: Die Abgaswerte, die Hersteller ihren Fahrzeugen zuschreiben, werden in der Realität nicht erreicht. „Sie werden im Labor ermittelt – mit sehr moderater Beschleunigung, nur bis 120 Stundenkilometer und ohne Steigungen“, sagt Peter Mock von ICCT. Bis zum über Siebenfachen werden die erlaubten Emissionen im „echten“ Leben überschritten. Hilfe könnte die „AdBlue“-Technik bieten, wie sie zum Beispiel in Pkw von Mercedes, in Lkw und Bussen eingesetzt wird: Hier wird Harnstoff ins Abgas gespritzt, zersetzt das NO2 in Wasserdampf und Stickstoff.

Die Senatsumweltverwaltung von Andreas Geisel (SPD) fordert deshalb von der EU, dass sie die Bedingungen für die Zulassung von Dieseln überarbeitet: Und zwar so, dass nicht Laborwerte, sondern der echte Stickoxid-Wert herangezogen wird.
Denn um die Grenzwerte einhalten zu können, müsste der Ausstoß der gesamten Fahrzeugflotte mehr als halbiert werden – mit der Umweltzone hat man nur ein Fünftel geschafft.

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