Zu unsicher!

Der große RaDAU um das Mauerprojekt

Die Veranstalter hoffen aber immer noch, im Oktober eine Mauer zu errichten.

Stefan Strauß
Lesezeit 4 Min
Stein für Stein: Wer eine neue Mauer in Berlin bauen will, benötigt Zeit und Muße.

Stein für Stein: Wer eine neue Mauer in Berlin bauen will, benötigt Zeit und Muße.

© Jörg Carstensen/dpa

Bisher hätten sie jedenfalls „keine formale Ablehnung“ erhalten, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Berliner Festspiele, die das Mauerprojekt organisiert. Die Veranstalter hoffen weiter auf eine Genehmigung, wenn sie fehlende Unterlagen nachreichen. „Das Projekt ist so weit gediehen, dass es mir das Herz bricht, wenn es ausgerechnet in Berlin nicht möglich sein sollte, das zu zeigen,“ sagte der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender dem KURIER.

Der ursprüngliche DAU-Plan sah vor, eine Mauer um dieses Viertel in der Mitte Berlins zu errichten. 

Der ursprüngliche DAU-Plan sah vor, eine Mauer um dieses Viertel in der Mitte Berlins zu errichten. 

© Berliner Festspiele

„Wir genehmigen nichts, was nicht sicher ist.“

Dabei hatten Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) und die zuständige Bezirksstadträtin von Berlin-Mitte, Sabine Weißler (Grüne), am Freitagmorgen ausführlich erklärt, warum sie das Projekt nicht genehmigt haben. Polizei und Feuerwehr hätten das Riesenprojekt als unsicher eingestuft. „Dem Veranstalter war es nicht möglich, einen sicheren Ablauf der Veranstaltung zu garantieren“, sagte die Senatorin. „Und wir genehmigen nichts, was nicht sicher ist.“

Die Senatsverkehrsverwaltung stellte klar, das offizielle Schreiben mit der Begründung der Ablehnung werde nächste Woche an die Veranstalter geschickt. Der Fall scheint erledigt, jedenfalls für dieses Jahr.

Filmvorführungen, Performances, Lesungen

Geplant war, vom 12. Oktober bis zum 9. November ein 3,5 Hektar großes Areal rund um das Kronprinzenpalais in Mitte mit einer etwa 800 Meter langen Mauer aus 420 tonnenschweren Betonteilen abzuriegeln. Unter dem Titel „DAU Freiheit“ wollten die Veranstalter bis zu 4000 Besucher am Tag mit kostenpflichtigem Besuchervisa ins ummauerte Stadtareal einladen, um ihnen dort die Auswirkungen eines totalitären Regimes nahezubringen.

Wohin damit? Die tonnenschwere Betonteile für den Mauer-Nachbau lagern an einem geheimen Ort. Unklar, was mit ihnen passiert. 

Wohin damit? Die tonnenschwere Betonteile für den Mauer-Nachbau lagern an einem geheimen Ort. Unklar, was mit ihnen passiert. 

© Mathias Schwerbrock/dpa

Geplant waren Filmvorführungen, Performances, Lesungen und Konzerte. Im Zentrum stand ein Spielfilmprojekt mit über 700 Stunden Material, das ursprünglich von Lev Landau, einem sowjetischen Atomphysiker, Spitzname „Dau“, erzählen sollte. Die Veranstalter sprachen vom einer „Weltpremiere“, verbunden mit einer „einzigartigen Stadtinstallation“.

Der Senat rechnete mit insgesamt 250.000 Besuchern. Bei solchen Großveranstaltungen sind die Behörden seit der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg 2010 und dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt 2016 besonders gründlich. In der Regel brauchen sie für das Bearbeiten solcher Anträge, sei es für Marathon, Fanmeile, Silvesterparty oder die Feier zum Tag der Deutschen Einheit, ein Jahr Zeit. Den DAU-Antrag, erklärte die Senatorin, hätten die Veranstalter erst am 13. August eingereicht, noch dazu unvollständig. Mitarbeiter im Senat und im Bezirksamt kümmern sich darum. „Wir können komplizierte Aufgaben lösen, aber dafür brauchen wir Zeit“, erklärte Stadträtin Weißler.

Kritik von allen Seiten

Kontrovers hatten Künstler und Politiker auf das Mega-Projekt reagiert. Die DAU-Mauer spaltete die Stadt. Und sie tut es auch nach der Entscheidung am Freitag. Die Schauspieler Lars Eidinger, Iris Berben, Veronica Ferres, Tom Schilling und Joachim Król sowie die Film- und Theaterregisseure Sönke Wortmann und Leander Haußmann unterstützten das Projekt, sie warnten davor, „dieses Experiment abzublasen“. „Das wäre eine paranoide Kleinmütigkeit, die nicht zu Berlin passt.“

Unterstützer und Veranstalter (v.l.): Kirsten Niehuus,  Geschäftsführerin Medienboard Berlin-Brandenburg), Jürgen Jürges (Kameramann), Nina Pohl (Kuratorin Schinkel Pavillon), Thomas Oberender (Intendant Berliner Festspiele), Susanne Marian (Phenomen Films) und Tom Tykwer (Regisseur). 

Unterstützer und Veranstalter (v.l.): Kirsten Niehuus,  Geschäftsführerin Medienboard Berlin-Brandenburg), Jürgen Jürges (Kameramann), Nina Pohl (Kuratorin Schinkel Pavillon), Thomas Oberender (Intendant Berliner Festspiele), Susanne Marian (Phenomen Films) und Tom Tykwer (Regisseur). 

© Jörg Carstensen/dpa

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) gehörten zu den Befürwortern. Müller hatte schon im vergangenen Jahr von einem „spannenden Projekt“ gesprochen. Da gab es noch den Plan, die Mauer an der Volksbühne zu errichten. Daraus wurde nichts. Nun scheitert das Projekt zum zweiten Mal.
Zu den DAU-Kritikern gehörten auch 60 Prominente wie die Publizistin Lea Rosh. Sie stellten klar: „Wir wollen keine Mauer mehr sehen. Sie war bitterer Ernst. Wer von ihr umgeben war, war gefangen, er kam nicht heraus. Sie war kein Eventspielzeug.“

„Das alles sieht nach Spielverderberei aus.“

Kultursenator Klaus Lederer sagte am Freitag. „Ich denke, dieses Projekt hätte gut in unsere Stadt gepasst.“ Aber offensichtlich war die Zeit zu knapp. „Das ist schade, aber es war klar, dass ein solches Projekt keine einfachen Hürden überwinden muss.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte, sie bedaure die Absage sehr. „Für Sicherheitsbedenken muss man Verständnis haben.“ Film- und Theaterregisseur Leander Haußmann sagte: „Das alles sieht nach Spielverderberei aus. Kunst will spielen, aber Berlin beißt um sich. Schade für Berlin.“ Der frühere Kulturstaatssekretär Tim Renner schrieb, die Absage von Dau sei eine Ansage. „Berlin will vernünftig sein. Schade.“

Senatorin Günther empfahl den Veranstaltern, sie könnten einen neuen Antrag für das kommende Jahr stellen. „Je früher, desto besser.“

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