Zoff im Strandbad Weißensee

Dieses kaputte Rohr gefährdet 46 Jobs

Pächter rechnet mit 125.000 Euro Schaden, ihm droht Insolvenz

Silvia Perdoni
Lesezeit 3 Min
Das ist die Schadensursache: Wer das gekappte Rohr und die Folgen zahlt, ist bisher noch unklar.  

Das ist die Schadensursache: Wer das gekappte Rohr und die Folgen zahlt, ist bisher noch unklar.  

© Bernd Friedel

Das Rohr ragt so auffällig aus dem Sand, dass Alexander Schüller sagt, ihm fielen beim ersten Anblick die Augen aus dem Kopf. Die Ursache des Problems, nach der der Pächter des Strandbads Weißensee lang gesucht hatte, lag gut sichtbar nur hundert Meter weiter in einer Baugrube.

Das faustdicke Rohr dort ist durchgebrochen. Eine Baggerschaufel entzweite das Eisen – und zerstörte damit die Vorfreude tausender Berliner auf baldige Feierabende auf den Bierbänken am Weißensee. Das Strandbad bleibt vorerst geschlossen. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, ist unklar.

„Die Firmen von der Baustelle schieben sich den schwarzen Peter gegenseitig zu“, sagt Schüller. „Wir haben Architekten, Bauherren und der Baufirma eine 48-Stunden-Frist gesetzt.“ Sichere bis dahin niemand zu, für die Kosten aufzukommen, werde die Strandbad-Gesellschaft Insolvenz anmelden. Dies sei der einzige Weg, die 46 Mitarbeiter weiter zu bezahlen.

Strandbad-Geschäftsführer Alexander Schüller ist stinksauer.

Strandbad-Geschäftsführer Alexander Schüller ist stinksauer.

© Bernd Friedel

Das Gesundheitsamt hatte das Bad geschlossen, weil das Abwassersystem im Gebäude nicht funktioniert. Aus Lageplänen rekonstruierte Schüller, dass das beim Ausheben der Erde beschädigte Rohr zum Strandbad gehörte.

An der Berliner Allee 173 sollen teure Eigentumswohnungen mit Seeblick entstehen. Bauherr ist die Alpha Invest Projektgesellschaft. Doch Anwohner berichten, seit Monaten keine Arbeiter mehr auf der Baustelle gesehen zu haben. Deswegen fiel wohl auch erst jetzt auf, dass das Abwasser des Seebads in dem Sandloch landet. „Bis zu einem Volumen von 2500 Litern sammelt unser System das Wasser in einem Speicher“, erklärt Schüller.

Erst wenn die Marke überschritten ist, was nach der Eröffnung am 1. April eine Weile dauerte, pumpe die Anlage die Flüssigkeit durch das Rohr. Nun steht die Frage im Raum, wer dafür haftet. Alpha Invest gibt an, erst Ende April durch Alexander Schüller von dem Problem erfahren zu haben.

Hier sollen Wohnungen entstehen.

Hier sollen Wohnungen entstehen.

© Bernd Friedel

Aus dem Protokoll einer Krisensitzung mit dem Bezirk Pankow und den Bauverantwortlichen, das dem KURIER vorliegt, geht hervor, dass möglicherweise die Bauherrenhaftpflichtversicherung greift. Eine Zusage hat Schüller aber noch nicht.

„Wir rechnen damit, dass es 125.000 Euro kostet, alles zu reparieren“, sagt Alexander Schüller. Die Arbeiten könnten bis zu einem Jahr dauern, möglicherweise müsse dafür die Berliner Allee aufgerissen werden. Auch eine Übergangslösung würde acht Wochen brauchen und etwa 35.000 Euro kosten. „Dazu kommt unser Verlustausfall von etwa 100.000 Euro pro Monat.“

Um den Berlinern möglichst schnell ihr Strandbad zurück zu bringen, könnten Toiletten- und Ausschankwagen zum Einsatz kommen. Der Bezirk verhandelt dies gerade. „Die Wagen ließen sich über Nacht aufstellen – vorausgesetzt, jemand zahlt.“

Mitarbeit: Norbert Koch-Klaucke

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