Zoff bei Plasberg

Multimillionär fetzt sich mit Juso-Chef

Nach dem Streit in der Sendung „Hart aber fair“ debattiert nun ganz Deutschland.

Markus Krücken
Lesezeit 3 Min
Christoph Gröner, Bettina Weiguny, Hermann Otto Solms, Kevin Kühnert und Michael Hartmann (v. l.) in der ARD-Talkshow "hart aber fair" 

Christoph Gröner, Bettina Weiguny, Hermann Otto Solms, Kevin Kühnert und Michael Hartmann (v. l.) in der ARD-Talkshow "hart aber fair" 

© imago/Future Image

Die große Ungleich-Debatte war das Thema der ARD-Sendung – und wird tags darauf in ganz Deutschland diskutiert. „Deutschland ist in der Vermögenskonzentration weit vorne, weil wir zwei Faktoren haben: erstens einen hohen Anteil von Familienunternehmen, zweitens haben Steuerbeschlüsse in den letzten zwei Jahrzehnten die Reichen sehr begünstigt“, leitete Soziologe Hartmann ein.

Doch wie kann man Deutschland, in dem doppelt so viele Milliardäre wie etwa in Frankreich oder Großbritannien leben, gerechter machen? Einen Konsens fanden die Teilnehmer bei Moderator Frank Plasberg nicht wirklich. Die Meinungen gingen weit auseinander.

Multimillionär Christoph Gröner

Multimillionär Christoph Gröner

© imago/Future Image

Im Fokus der Auseinandersetzung: Multimillionär Christoph Gröner (50). Das Vermögen des „CG“-Baulöwen wird auf 80 Millionen Euro geschätzt. Der Hobbyboxer und Karnevalist macht aus seinem Reichtum kein Geheimnis. Er möchte mitgestalten, gibt sich total offen, sucht bewusst die Öffentlichkeit und Diskussion: „Ich kenne viele Reiche. Es ist wichtig, wenn sie jetzt nach vorne gehen. Wer sich versteckt, wird am Ende noch mehr verteufelt. Wir müssen diese Neiddebatte ein für alle Mal beenden. Die Bevölkerung muss lernen, dass Reichtum keine Sünde ist, und Armut keine Schande“, wiederholte der gebürtige Karlsruher auch gestern im Gespräch mit dem KURIER, „Im Moment läuft es ungerecht. Das Vermögen ist falsch verteilt. Das kriegen wir nur durch Bildung hin. Es wird zu wenig in Bildung investiert. Ich möchte wissen was mit dem Steuergeld passiert. Das Vermögen gehört in einen Staatsfond, um Kindern zu helfen. Ich hätte in der Diskussionsrunde gerne davon berichtet, was wir Unternehmer allein in Berlin für Projekte für Kinder ins Leben gerufen haben.“

Kevin Kühnert

Kevin Kühnert

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Juso-Chef Kevin Kühnert lieferte sich beim Talk ein Verbal-Scharmützel mit dem Selfmade-Mann, den er für einen „Oligarchen“ hält. Der SPD-Politiker sprach sich für die Wiedereinführung der ausgesetzten Unternehmenssteuer aus. Tenor: Die Reichen müssen mehr zurückgeben. „Ich gönne Herr Gröner seinen Reichtum“, meinte Kühnert, „Aber seine Häuser hat er nicht alle selbst renoviert.“

Gröner sei der Nutznießer davon, dass es der deutschen Gesellschaft insgesamt gut gehe, er profitiere von der guten Schulbildung der deutschen Arbeitnehmer und der hiesigen Infrastruktur. „Da ist es nur gerecht, dass er einen ordentlichen Teil zurückgibt.“

Hermann Otto Solms sieht das anders. Der frühere Vize-Präsident des Bundestags sprang Gröner mehrfach zur Seite. „Was der Staat mit dem Geld macht, darauf kommt es an“, sagte der FDP-Mann, „Familienunternehmer haften und investieren. Die Erfolgreichen investieren, investieren, investieren.“

Die große Ungleichdiskussion. Begonnen hat sie nach der deutschen Einheit. Seit Mitte der 90er Jahre, so hatten Forscher um den französischen Ökonomen Thomas Piketty im „World Inequality Report“ bereits ermittelt, ging die soziale Schere in Deutschland auseinander. Während die untere Bevölkerungshälfte fünf Jahre nach der Wiedervereinigung noch über gut 25 Prozent des Nationaleinkommens verfügte, waren es 2013 acht Prozentpunkte weniger. Dagegen konnten die oberen zehn Prozent ihr Vermögen im gleichen Zeitraum merklich steigern.

Das gleiche Gefälle wie im Jahr 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs ...

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