Erst die Autos, dann die Zeitung

Attacken im Hassbrenner-Kiez

Bereits im Vorfeld gab es Drohungen.

Andreas Kopietz Eric Richard
Lesezeit 2 Min
Vor einigen Wochen brannten im Schillerkiez Autos. Die Lokalzeitung kritisierte den Anschlag.

Vor einigen Wochen brannten im Schillerkiez Autos. Die Lokalzeitung kritisierte den Anschlag.

© Pudwell

Die Kneipe Cafer Schiller´s in der Schillerpromenade 26.

Die Kneipe Cafer Schiller´s in der Schillerpromenade 26.

© Eric Richard

Bereits im Vorfeld gab es Drohungen. Unter anderem erklärte eine „Solidarische Aktion Neukölln“: „Es ist traurig, dass nach wie vor Demokrat*innen denken, es sei der Auseinandersetzung förderlich Rechtsradikalen eine Plattform zu bieten.“ Damit nicht genug. „Ein Anrufer drohte mir, ich solle aufpassen, dass ich nicht vom Fahrrad falle, sagt KuK-Herausgeberin und Chefredakteurin Petra Roß. Auch die Gaststätte, wo die Veranstaltung stattfinden sollte, bekam Besuch. „Eines Tages kamen Autonome und fragten mich, was ich von der AfD halte“, so Wirt Waldemar Schwienbacher (70). „Ich habe mit der AfD nichts am Hut. Aber in einer Demokratie muss man andere Meinungen aushalten.“

Bei Wirt Waldemar Schwienbacher sollte die Veranstaltung mit dem AfD-Kandidaten stattfinden. 

Bei Wirt Waldemar Schwienbacher sollte die Veranstaltung mit dem AfD-Kandidaten stattfinden. 

© Eric Richard

Zu der Veranstaltungsreihe hatte „Kiez und Kneipe“ Kandidaten von Parteien eingeladen, die einen Sitz in der Bezirksverordneten-Versammlung haben. „Es fiel uns nicht leicht, auch die AfD zu einem solchen Gespräch einzuladen, aber unser demokratisches Verständnis und unsere journalistische Überzeugung, dass die Bundestagskandidaten der in der BVV gewählten Parteien zu Wort kommen und sich den Bürgern des Bezirks stellen sollten, bewegte uns zu diesem Schritt“, so die Zeitung. 

Von den rassistischen Parolen des AfD-Bundestagskandidaten Andreas Wild distanziere man sich bekanntermaßen. „Kiez und Kneipe“ hat nun alle weiteren mit den Bundestagskandidaten geplanten Gespräche abgesagt. „Was nutzt es, wenn ich einen Kandidaten nicht befragen darf.“ Die Drohungen seien ein Angriff auf die Demokratie und Pressefreiheit. Der Gründer des Blattes, Peter Kaspar, vermutet, dass die Zeitung auch deshalb in den Fokus Linksradikaler kam, weil sie einen Anschlag auf das nahe gelegene Restaurant „Schillerburger“ anprangerte. Im April waren zwei Restaurant-Autos angezündet worden.

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