Betroffene wie Julika Stich wünschen sich mehr Hilfe von außen, finanziell und moralisch, einfach mehr Aufklärung, wie sie dem KURIER sagt. Der Name ihrer Selbsthilfegruppe lautet: „Young helping hands“.
„Wer anderen hilft, braucht manchmal selbst Hilfe“
Dass Minderjährige kranke Angehörige versorgen müssen, blieb lange im Verborgenen. Ein Grund dafür: Kinder reden nicht darüber, wenn sie Eltern oder Großeltern täglich helfen müssen. Aus Scham oder weil sie ihre Hilfe als selbstverständlich empfinden. Oder weil Familienprobleme nicht in die Öffentlichkeit gehören. Das soll sich nun ändern: Zu dieser Erkenntnis kamen Politiker und Experten gestern auf einem Fachtag der Krankenkasse AOK. Erst seit fünf Jahren wird das Problem angegangen.
Julika Stich musste beide Eltern bis zum Tod pflegen. Ihre Mutter erkrankte, als Julika Stich ein Kind war.
© Bernd Friedel
Der neuen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) blieb nur die Schadensbegrenzung. Die Dunkelziffer sei vielleicht noch höher als 230.000, so Giffey. „ Das Leben der Kinder besteht nicht aus Musik hören und Partys. Wir dürfen sie nicht alleinlassen“, sagte sie mehrfach. Sie stellte die Webseite www.pausentaste.de vor. „Wer anderen hilft, braucht manchmal selbst Hilfe“, heißt es dort eingangs. Mit wenigen Klicks gelangt man zu Beratungsangeboten. Auch die Telefonnummer gegen Kummer steht da: 116111.
Deutschland liegt im Mittelfeld
Rund fünf Prozent der Minderjährigen sind in Deutschland betroffen. Fünf Prozent sollen es auch in Berlin sein. Boris Velter, Staatssekretär für Gesundheit sprach am Montag von 11.500 Kindern und Jugendlichen. Der KURIER hatte einst über die Dunkelziffer berichtet: 29.000 !
Deutschland liegt europaweit etwa im Mittelfeld. Es gibt Länder, in denen prozentual weniger Kinder in die Pflege eingebunden sind. In Österreich liegt die Quote bei 4,5 Prozent. Krankenkassen wie die AOK haben seit Kurzem Kinderbeauftragte. Was der Fachtag auch zeigte: Immer mehr Kinder, die zu Hause einspringen, haben Mut zu reden.
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