Der Autor Norman Ohler (45) wurde durch einen Freund auf die Buch-Idee gebracht. Der sagte, Aufputschmittel haben schon die Nazis gehabt. Ohler zum KURIER: „Das klang gleich plausibel, passte ins Bild.“ Er recherchierte im Koblenzer Bundesarchiv, im Freiburger Militärarchiv, in Washington. „Ich bin immer wieder in die Archive gegangen, um alles besser zu verstehen“, sagt Ohler.
Herausgekommen ist das 350-Seiten-Buch „Der totale Rausch“. Es zeigt die Rolle von Drogen im Nazi-Reich. Der frühere KURIER-Redakteur Ohler: „Der Nationalsozialismus nutzte die Mittel der Moderne, also auch der Pharmazie und der Drogen.“ Und die hätten wie die Faust aufs Auge gepasst. „Viele wurden so zu funktionstüchtigen Mitgliedern. Zu einer Leistungsgesellschaft passen Drogen.“
Und sie passten zum Krieg. Als Deutschland 1940 seinen West-Feldzug durch Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich begann, waren die Soldaten scheinbar nicht zu stoppen. Unerschütterlich marschierten Infanteristen bis zu 60 Kilometer am Tag, rollten die Panzer Tag und Nacht. „Die Deutschen benutzen eine Wunderpille“ titelte die britische Presse. Die Wunderpille heißt Pervitin, ein Metamphetamin. Heute und in stärkerer Form heißt es: Crystal Meth.
Pervitin wurde seit 1938 von den Temmlerwerken in Berlin hergestellt – der Drogenküche des Dritten Reichs. Es war in jeder Apotheke zu haben. Pervitin fördert Ausdauer und Konzentration, hebt die Stimmung. Für Mütter gab es die Droge sogar als Pralinen. Auch die Wehrmacht erkannte den Nutzen. Sie dopten die deutschen Soldaten mit Pervitin (auch Panzerschokolade oder Stuka-Tabletten genannt), damit die Angst im Kampfeinsatz gedämpft, die Ausdauer gestärkt wurde.
Die Grenzen vom süchtig machenden Pervitin wurden im Russland-Feldzug offensichtlich. Allein schon die Größe des Landes ließen den Drogen-Trick scheitern. Kommandeure beklagten sich, dass Soldaten die dreifache Menge Schlaf brauchen, wenn die Pervitin-Wirkung nachlässt. Viele wurden depressiv. Andere litten unter schweren Psychosen.
Adolf Hitler könnte einer der ersten Abhängigen jener Droge gewesen sein, die heute unter dem Namen Crystal Meth Karriere macht. Ohne morgendliche Spritze durch seinen Leibarzt Dr. Theodor Morell kam der Diktator nicht aus dem Bett.
Angeblich verabreichte Morell nur „Vitamultin A“, ein vitaminreiches Präparat. Was Hitler aber wirklich munter gemacht haben soll, war eine Mischung aus Pervitin und Koffein.
Und aus chemischer Sicht ist Pervitin, das es damals in jeder Berliner Apotheke zu kaufen gab, nichts anderes als Methamphetamin – Crystal Meth.
Mit Pervitin (auch Panzerschokolade oder Stuka-Tabletten genannt) dopten sich deutsche Soldaten im Kampfeinsatz, um Angst zu dämpfen, Piloten wollten damit ihre Konzentrationsfähigkeit erhöhen.
Auch in der DDR florierte der Handel mit dem Mittel. Am 4. Januar 1950 entdeckten Kinder in der Nähe des Alexanderplatzes die Überreste einer erdrosselten und zerstückelten Leiche. Die Täterin: Krankenschwester Elisabeth Kusian, Pervitin-abhängig.
In den 60ern verlor das Mittel seine Bedeutung. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks drängte Methamphetamin zurück auf den mitteleuropäischen Markt.
In den damals angesagten Berliner Techno-Clubs kam es unter dem Namen „Tscheko“ in Umlauf, ohne jedoch seine heutige Bedeutung zu erreichen.
Bei der Drogen-Geschichte des Dritten Reichs stößt man auch auf Theo Morell, den Leibarzt Hitlers. Göring nannte ihn den Reichsspritzenmeister. In wechselnden Mischung gab Morell dem Führer Steroide, Vitamine und Drogen, wie zum Beispiel Eukodal. Es puscht die Stimmung noch schneller und höher als Heroin. Adolf Hitler, der Junkie.
Norman Ohler: „Das macht seine Schuld nicht geringer. Das Gefühl- und Gewissenlose das hasserfüllte, starre Weltbild – das hatte Hitler, schon bevor er die erste Spritze bekam.“
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