„Wünschewagen“

Er macht letzte Wünsche wahr

Stefan Panther fährt Todkranke: Noch einmal die Katze streicheln, an die Ostsee.

Stefanie Hildebrandt
Lesezeit 2 Min
Stefan Panther und seine Kollegen fahren ehrenamtlich. Das Angebot ist kostenlos.

Stefan Panther und seine Kollegen fahren ehrenamtlich. Das Angebot ist kostenlos.

© Thomas Uhlemann

„Man kann Menschen ganz, viel zurückgeben und mit wenig Aufwand große Wünsche erfüllen“, beschreibt Stefan Panther seine Arbeit. „Was uns von den Fahrgästen zurückgegeben wird, ist eine ehrliche Dankbarkeit“, sagt er. Keine seiner Fahrten hat er bisher vergessen.

Der Wünschewagen des ASB ist für Schwerkranke eingerichtet. 

Der Wünschewagen des ASB ist für Schwerkranke eingerichtet. 

© Thomas Uhlemann

Da ist die lungenkranke Frau, die zum Grab ihres Mannes auf dem Waldfriedhof in Stahnsdorf möchte. Nachdem sie lange an seinem Baum gesessen hat, ist sie sichtlich gelöst, erinnert sich Panther. Auch den krebskranken Vater, der seinen Kindern versprochen hat, noch einmal gemeinsam an die Ostsee zu fahren, vergisst der 42-Jährige nicht. Ausbrechen aus einem Alltag, der viel zu lange aus Schule, Hospiz, Zuhause bestanden hat, das wollte er der Familie gern ermöglichen. Papas Lächeln, als er seine Kinder am Strand spielen sieht, ist noch da, als der Vater nur zwei Tage nach der Reise stirbt. Sein Versprechen hat er gehalten.

Es sind selten große Wünsche, die kranke Menschen äußern. Noch einmal aus dem Hospiz nach Hause, die Katze streicheln. Für ein paar Stunden die vertraute Umgebung genießen, ein letzter Kaffee an dem Ort, an dem sich das Ehepaar vor Jahrzehnten kennengelernt hat. 

Bei der Hochzeit der Tochter an einem See in Brandenburg kommt sie für eine seiner Patientinnen doch mit auf die Reise: die Angst vor dem Sterben. Panther weint mit der Frau. Nimmt sie in den Arm, lacht mit ihr gegen die Angst. „Man muss Gefühle zulassen, keiner kann immer nur stark sein“, sagt er.
Die Arbeit im Wünschewagen erde ihn, Alltagsprobleme verblassen. „Meine Freundin sagt, man könne sich nicht mit mir streiten. Wozu auch?“

Manchen Menschen denken, der letzte Wunsch muss etwas Besonderes sein. Doch das stimmt nicht. Die zwei Männer, die sich todkrank im Hospiz kennengelernt haben, haben mit ihren Familien einen wunderbaren Tag im Tierpark verbracht. Auch wenn die Liebste entsetzt guckt: Heute spült einer der ziemlich besten Freunde seine Tabletten mit einem Bier runter. Er weiß, was bis zuletzt im Leben zählt – die guten Momente. 

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