Wowi vorm BER-Ausschuss

Ick war doch der Jute!

Der Ex-Regierende Klaus Wowereit (61) setzte seine Rückkehr in den Politik-Betrieb gewohnt locker-lässig in Szene. Lachend schwang er einen Jute-Beutel, als er die Treppen zum BER-Ausschuss erklomm

MIKE WILMS
Lesezeit 2 Min
Lässig: Klaus Wowereit hat seine Papiere für den BER-Ausschuss in einer Jute-Tasche.

Lässig: Klaus Wowereit hat seine Papiere für den BER-Ausschuss in einer Jute-Tasche.

© dpa Lizenz

Sieben Monate und acht Tage nach seiner Amtsübergabe an Michael Müller (SPD) hatten die Volksvertreter noch ein paar Fragen: Wie viel Schuld trägt Klaus Wowereit am Fluchhafen-Debakel? Sah er das Fiasko der geplatzten Eröffnung kommen?

Wowereit nannte zwei streitbare Grundfragen des BER-Projekts: Die Vergabe des Terminal-Baus an viele Einzelfirmen statt einen Generalunternehmer und die hohe Komplexität der Technik. Der Abgeordnete Andreas Otto (Grüne) fragte Wowi, ob er überhaupt wusste, dass die tückische Entrauchungsanlage ein unkonventioneller „Experimentalbau“ sei. Nein, das hätten die Planer „so nicht herausgestellt“.

Noch bei einem Treffen mit der Geschäftsführung am 30. März 2012 sei nicht zu erkennen gewesen, dass die BER-Eröffnung am 3. Juni platzen würde – wegen der Brandschutzanlage. Alle seien „sehr willig“ gewesen, den BER zu vollenden. Deshalb fühle er sich auch nicht hinters Licht geführt. Diese Aussage bedeutet aber auch: An Wowereit als Aufsichtsratschef lag’s nicht, er hatte bloß nicht die richtigen Infos.

Der Ex-Regierende gab sich so entspannt wie abgebrüht: War es wieder ein dezenter Hinweis, dass auf seiner Jute-Tasche „The Rock“ (der Fels) stand? So hieß 2012 eine Show der Modemesse „Bread & Butter“ – übrigens auf dem Ex-Flughafen Tempelhof.

Immerhin eines gab Wowi zu: Im Rückblick hätte man schon Ende 2011 die Notbremse ziehen müssen. Die kurzfristige Absage nannte er „eine Peinlichkeit“.

Mit seinem Ausschuss-Auftritt wollen SPD und CDU die Beweisaufnahme beenden. Die Opposition fordert weitere Zeugen.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com