Trends für den Herbst

Die Rückkehr der Wohnlichkeit: Trends für Platte und Altbauwohnung

Die perfekte Instagram-Wohnung ist tot. Statt steriler Designer-Welten mit weißen Wänden und beigen Kissen wollen die Menschen 2026 wieder echte Wohnungen.

Foto von Autor/Autorin: Stefanie Hildebrandt
Lesezeit 4 Min
Neuanfang in der eigenen Wohnung: Gemütliche und authentische Einrichtung  löst weißen Hochglanz-Chick ab.

Neuanfang in der eigenen Wohnung: Gemütliche und authentische Einrichtung  löst weißen Hochglanz-Chick ab.

© imageBROKER/Unai Huizi/Imago

Weiße Wände, beigefarbene Sofas, ein einzelner Kaffeetisch-Bildband und bloß kein Kabel in Sicht: Jahrelang sahen Wohnungen auf Instagram aus wie Möbelhaus-Kataloge. Schön fürs Foto, aber oft steril im Alltag. Jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Der große Wohntrend im Herbst 2026 heißt: Wohnlichkeit statt Hochglanz-Perfektion.

Kleine Wohungen verlangen gute Ideen

Vor allem in Berlin kommt dieser Trend wie gerufen. Denn während die Mieten steigen und die Wohnungen kleiner werden, brauchen viele Menschen keine Design-Kulisse, sondern ein Zuhause, das im Alltag funktioniert. Die neue Devise: Nicht die Wohnung soll dem Trend folgen – sondern der Trend dem echten Leben.

„Ich habe in den sozialen Medien ein wachsendes Bewusstsein dafür festgestellt, dass Dekoration niemals nur für das Foto gedacht sein sollte“, sagt die britische Inneneinrichterin Lucy Hammond Giles. „Es gibt einen regelrechten Boom an Menschen, die ihre Räume so zeigen, wie sie tatsächlich genutzt und bewohnt werden.“

Genau das zeigt sich auch bei den aktuellen Wohntrends. Wohnungen dürfen wieder Persönlichkeit haben. Bücher liegen sichtbar im Regal statt farblich sortiert im Hintergrund. Familienfotos müssen nicht mehr versteckt werden. Flohmarkt-Funde, Erbstücke und Lieblingsmöbel sind ausdrücklich erwünscht. Besonders spannend wird das für die vielen Berliner, die auf 30, 40 oder 50 Quadratmetern leben.

Eine Wohung darf wieder bewohnt aussehen. Kleine Stücke vom Flohmarkt und Erinnerungen inklusive. Grünpflanzen sind weiter ein Hit.

Eine Wohung darf wieder bewohnt aussehen. Kleine Stücke vom Flohmarkt und Erinnerungen inklusive. Grünpflanzen sind weiter ein Hit.

© Imago

Trend: Möbel mit vielen Funktionen

Denn die Einrichtung der Zukunft setzt nicht auf mehr Platz, sondern auf mehr Ideen. Multifunktionale Möbel gehören zu den wichtigsten Trends des Jahres. Sofas mit Stauraum, ausziehbare Tische, klappbare Schreibtische oder Regale, die gleichzeitig als Raumteiler dienen, schaffen zusätzlichen Nutzen auf engstem Raum.

Statt jeden Winkel mit kleinen Möbelstücken vollzustellen, empfehlen Experten wenige, aber durchdachte Elemente. Ein deckenhohes Regal nutzt die Raumhöhe optimal aus. Ein Bett mit Schubladen ersetzt eine Kommode. Ein großer Teppich unterteilt den Raum optisch in Wohn- und Arbeitsbereich. So lassen sich selbst Einzimmerwohnungen strukturieren, ohne neue Wände einzuziehen.

Warme Töne wie salbeigrüne Akzente machen ein Zimmer gemütlich. Clevere Einbauten und multifunktionale Möbel sorgen in kleinen Wohnungen für Wohnlichkeit.

Warme Töne wie salbeigrüne Akzente machen ein Zimmer gemütlich. Clevere Einbauten und multifunktionale Möbel sorgen in kleinen Wohnungen für Wohnlichkeit.

© Imago

Auch die Farbwelt verändert sich deutlich. Das kühle Grau der vergangenen Jahre verschwindet zunehmend aus den Wohnungen. Gefragt sind warme Naturtöne wie Terrakotta, Sand, Beige, Mocha oder Salbeigrün. Sie wirken gemütlich, beruhigend und lassen kleine Räume oft einladender erscheinen.

Diese Materialien sind in diesem Herbst gefragt

Dazu kommen natürliche Materialien. Holz, Leinen, Wolle und Keramik lösen die glatten Hochglanzflächen ab, die lange modern waren. Nachhaltigkeit spielt dabei eine immer größere Rolle. Viele Käufer setzen lieber auf langlebige Möbel oder Second-Hand-Stücke statt auf billige Wegwerf-Einrichtung.

Das eine oder andere Erbstück oder ein Flohmarktfund unterstreichen die persönliche Note  in der Wohnung.

Das eine oder andere Erbstück oder ein Flohmarktfund unterstreichen die persönliche Note  in der Wohnung.

© IMAGO/Wolfram Weber

Ein weiterer Trend: Weg mit den harten Kanten. Runde Esstische, geschwungene Sofas und organische Formen sollen Wohnungen weicher und wohnlicher wirken lassen. Gerade kleine Räume profitieren davon, weil sie weniger vollgestellt und optisch großzügiger erscheinen.

Die Einrichtungsexpertinnen Victoria Armour und Natalie Owens beschreiben ihre Arbeit deshalb inzwischen mit drei Begriffen: „Personal, Colourful, Lived-in“ – persönlich, farbenfroh und bewohnt. Genau das ist der Gegenentwurf zur makellosen Instagram-Wohnung. 

Für Berliner Mieter könnte darin die wichtigste Wohnbotschaft des Jahres liegen: Wer nur wenige Quadratmeter hat, muss nicht minimalistisch wie im Katalog leben. Eine kleine Wohnung darf gemütlich sein. Sie darf Geschichten erzählen. Und sie darf vor allem zeigen, dass dort echte Menschen wohnen.

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