Wohin mit meinem Kind? Tage der Entscheidung: Experte Siegfried Arnz erklärt die 15 wichtigsten Fragen zur Schulwahl

Gymnasium oder Sekundarschule

Sascha Langenbach
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Berlin - Gymnasium oder Integrierte Sekundarschule (ISS)? Von heute an bis zum 18. Februar haben Berlins Eltern die Wahl, an welcher Schule sie ihr Kind anmelden. Siegfried Arnz (60) leitet in der Senatsbildungsverwaltung die zuständige Gruppe für die Schulreform und gibt Antworten zu den wichtigsten Fragen.1 Gymnasium oder Sekundarschule - wo bestehen die wesentlichen Unterschiede?Am Gymnasium lernen im Schnitt 30 bis 32 Schüler pro Klasse, in der ISS sind es 25. Beide Schularten führen zum Abitur, das Gymnasium in zwölf Schuljahren, die Sekundarschule in der Regel in 13 Jahren. In Kooperation mit Oberstufenzentren kann neben dem Abitur auch die Fachhochschulreife erworben, eine qualifizierte Ausbildung oder eine berufsvorbereitende Maßnahme begonnen werden. Sekundarschulen sind immer Ganztagsschulen.2 Wann sollte ein Kind ein Gymnasium oder eine Sekundarschule besuchen?Eltern sollten sich fragen: Was ist wirklich gut für mein Kind? Hält es einen dichten Schultag eines Gymnasiums, meistens ohne Ganztagsbetreuung und Freizeitangebote, aus und macht danach noch zwei Stunden Hausaufgaben - ohne Dauerstress zu Hause? Oder bietet eine Sekundarschule mit Schülerarbeitsstunden und vielen kreativen Angeboten im Ganztag die besseren Bedingungen?3 Wie wichtig ist die Förderprognose der Schule?Wenn die Grundschullehrer die Prognose für die Sekundarschule geben, sollten sich die Eltern danach richten. Schließlich kennen die Pädagogen die Leistungsfähigkeit des Kindes sehr gut. Lautet die Empfehlung Gymnasium oder ISS, dann muss man überlegen, welcher Weg für das Kind der bessere ist.4 Wie gehen Familien denn am geschicktesten bei der Bewerbung vor?Jeder Schüler hat drei Wahlmöglichkeiten: Wenn die Wunschschule auf Platz 1 zu stark nachgefragt ist, wäre es ungeschickt, weitere stark nachgefragte Schulen auf den Plätzen 2 und 3 anzugeben, denn nach der ersten Auswahlrunde wird es dort kaum freie Plätze geben. Besser ist es, auf Platz 2 oder 3 weniger nachgefragte Schulen anzugeben. Es muss auch nicht die vermeintliche Eliteschule sein. In Berlin gibt es viele Schulen, in denen die Lehrer unauffällig gute Arbeit machen.5 Woher wissen die Eltern, ob eine Schule stark nachgefragt ist?Drei Möglichkeiten: Die Schule selbst kann über die Erfahrung der letzten Jahre Auskunft geben, außerdem das bezirkliche Schulamt. Auch die Schulräte geben kompetent Auskunft.6 Stimmt es, dass man sein Kind an manchen populären Gymnasien und Sekundarschulen gar nicht erst anzumelden braucht, weil der benötigte Notenschnitt so niedrig ist?Nein, das stimmt nicht: Über den nötigen Notenschnitt kann man jetzt noch gar nichts sagen, weil niemand die Bewerber kennt! Der Durchschnitt ist im Fall der Übernachfrage nur für 60 % der Plätze entscheidend. 30 Prozent der Plätze werden durch Los entschieden, 10 Prozent sind für Härtefälle reserviert, zum Beispiel für Schüler mit Einschränkungen. So können reine Eliteschulen gar nicht entstehen.7 Wie wichtig sind Aufnahmegespräche für die Schulkarriere?Die spielen insgesamt keine Rolle bei der Aufnahmeentscheidung. Es geht nach den festgelegten Kriterien, die für jede Schule veröffentlicht sind.8 Woher erfahre ich, welche Aufnahmekriterien angewendet werden? Und sind diese überall gleich?Die Schulen haben sich für Aufnahmekriterien entschieden, die von der Schulaufsicht auf die Rechtssicherheit geprüft und dann genehmigt wurden. Sie stehen im Online-Schulverzeichnis der Senatsbildungsverwaltung (www.berlin.de/schulvz) und können auch bei jeder Schule erfragt werden.9 Kann mein Kind davon ausgehen, dass es eine wohnortnahe Schule besuchen darf?Solange nicht mehr Anmeldungen als Plätze an einer Schule sind, wird jedes Kind sofort aufgenommen. Bei übernachgefragten Schulen gilt das Prinzip der Erreichbarkeit nach dem Fahrplan der BVG nicht mehr. Daher sind auch weitere Fahrwege nicht auszuschließen.10 Wann erfährt man, ob es mit der Wunschschule geklappt hat?Bis zum 8. April, also noch vor den Osterferien, müssen alle Bescheide zugestellt sein. Dann ist auch geklärt, ob Platz in der Zweit- oder Drittwunsch-Schule ist.11 Und was, wenn der Bescheid negativ ist?Die Schulplaner der Bezirke informieren sich untereinander, wo es noch freie Kapazitäten gibt. Bis zum 13. Mai wird dem Kind vom Bezirk eine Einrichtung der gewünschten Schulform in Berlin genannt, die es auf alle Fälle besuchen kann.12 Heißt das nicht, dass bei einer zugeteilten Schule im Stadtgebiet lange Fahrzeiten drohen?Es können im Stadtgebiet schon mal 45 Minuten zusammenkommen. Eine Zeit übrigens, die viele Eltern gerne akzeptieren, um die Wunschschule zu erreichen.13 Haben die Eltern denn gar keinen Einfluss mehr?Doch! In den fünf Wochen vom 8. April bis 13. Mai können sie auch selbst eine Schule suchen, in der noch freie Plätze sind.14 Viele Eltern befürchten, dass schwächere Schüler in den Sekundarschulen ihre Kinder leistungsmäßig runterziehen. Kann man das verhindern?Diese Befürchtung teile ich nicht. Lehrer, die an der Hauptschule gearbeitet haben, wissen, wie man diese Schüler motiviert. Außerdem gibt es an den Sekundarschulen Erzieher, Sozialpädagogen und eine enge Zusammenarbeit mit den Jugendämtern und auch der Schulpsychologie. Da gibt es sehr viel Kompetenz.15 Erwarten Sie einen Ansturm auf die Gymnasien?Ich gehe davon aus, dass die meisten Eltern gute Entscheidungen im Interesse ihrer Kinder treffen und die Chancen der neuen Sekundarschule erkennen. In Pankow zum Beispiel haben auch alle ehemaligen Hauptschulen aktuell mehr Kinder mit Realschul- und Gymnasialempfehlung.------------------------------BU: Jannis Neddermeyer ist stolz auf sein gutes Zeugnis. Er möchte auf das Max-Delbrück-Gymnasium in Pankow.

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