Wimbledon, 7.Juli 1985: Geburt eines Tennisstars

Spiel, Satz und Sieg: Boris Becker!

BK
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Aufschlag Boris Becker - Matchball! Der 17-jährige Deutsche holt tief Luft. Zwei Mal prallt er den Tennisball auf den Boden. Für einen Augenblick vergisst der Rotschopf, wo er ist. In Wimbledon, im Finale...Es herrscht Totenstille auf dem Centre Court. Jetzt, nach drei Stunden und 18 Minuten, kann Becker die Partie beenden. Sein verschmitztes Lächeln weicht der puren Konzentration. Er wirft den Ball, schlägt auf. Spiel, Satz und Sieg - Boris Becker, Deutschland!Noch ahnt der Junge nicht, was er dem kleinen gelben Filzball am 7.Juli 1985 um 17.26 Uhr Ortszeit mit auf seinen Weg in das Quadrat von Final-Gegner Kevin Curren gegeben hat. Erst einige Jahre später wird er erkennen: "Boris aus Leimen ist in Wimbledon 1985 gestorben und in neuer Gestalt wieder auferstanden."Im Moment seines größten Triumphes plagen Becker ganz andere Sorgen: Champions-Dinner, Ehrentanz, ein Walzer mit der Siegerin Martina Navratilova. "Ich würde ihr auf die Lack-schuhe treten und so ihre Abneigung gegen Männer noch verstärken. Der Gedanke macht mich fertig."Und das, obwohl seine Mutter und Manager Ion Tiriac bestens vorgesorgt hatten: Ein paar Tanzschritte haben sie ihm beigebracht, ein Smoking für ihn ausgeliehen - da war nicht einmal das Halbfinale gespielt.Erst als Wimbledon-Chef Reginald Hadingham Boris die erlösenden Worte sagt: "Es gibt keinen Walzer mit Martina, diese Ehrenrunde wurde vor einigen Jahren abgeschafft", kann der strahlende Sieger aufatmen.17 Jahre und 227 Tage ist Boris Becker an jenem Sonntag alt. Der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten, der erste Deutsche, der diesen Tennisthron besteigt. Er katapultiert sich nicht über Nacht, nein, binnen Minuten zum Weltstar. Von "Boris, dem Wunderkind" hört und liest man fortan überall.Von wegen! Der Triumph, von Anfang bis Ende, war hart erkämpft. Beckers Willenskraft hat den Erfolg gebracht und - "bumm, bumm" - sein Aufschlag. Kein Spiel hatte der Ungesetzte mal eben so mit links gewonnen. Noch ein Wimbledon-Rekord: Nur ein weiterer Sieger hatte jemals so viele Sätze auf dem Weg zum Titel verloren wie er - Ted Schroeder 1949.Die Herzen der Zuschauer hatte der Leimener im Sturm erobert. Es war dieser unbändige Siegeswille, der Kampfgeist bis zur völligen Erschöpfung, der den Jungen Runde um Runde weiterbrachte.Wie ein Fußballtorwart war er nach verloren geglaubten Bällen gehechtet und hatte sie meistens auch noch bekommen. Der rechte Arm nach vorn gewinkelt, den Oberkörper leicht nach hinten gebeugt - so jubelte Boris, wenn ihm etwas besonders gut gelang. Der Becker-Hecht, die Becker-Faust - beides sollte in die Tennisgeschichte eingehen. Boris hatte diese unbändige Selbstsicherheit. Zu seinem Spiegelbild sprach er: "Ich bin der Größte! Keiner kann mich schlagen! Ich werde die Nummer eins!" Im Finale sagte er immer und immer wieder zu sich selbst: "Ich will, will, will den Sieg." Und diesem "will" konnteman noch Hunderte hinzufügen.Mit dem Sieg in Wimbledon wird Boris zum Helden einer ganzen Nation. Weil er alles vereint, was einen modernen Helden ausmacht. Er ist unkalkulierbar. Das machte ihn interessant und menschlich. Er ist ein Siegertyp und hat doch Fehler. Die perfekte Identifikations-Figur.Eine Umfrage ergibt, dass 91 Prozent der Deutschen den Tennisstar kennen. Und fast genauso viele finden ihn sympathisch.Nur das neugeborene Idol selbst war zu dieser Aufgabe eigentlich nicht bereit: "Es war beschissen, ich habe ja selbst noch nach Idolen gesucht."Die Kehrseite der Medaille erkennt Becker schnell: "Plötzlich macht es rums, und von einem Tag auf den anderen kannst du nicht mehr so leben wie noch vierundzwanzig Stunden vorher. Auf einmal ist alles, was du sagst, unglaublich wichtig. Dich erkennen Millionen Leute, überall, und schreien, wenn sie dich sehen. Und du denkst: Ja sind die denn alle bescheuert? Die haben doch vorige Woche noch nicht geschrien."Adieu, Freiheit!------------------------------BU: Die Sensation ist perfekt! Becker bejubelt seinen Sieg.Zwischenzeile: HORROR EHRENTANZZwischenzeile: "ICH BIN DER GRÖßTE!"

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