Wie wir unsere Kliniken ruinieren

Schluss mit der Schmutz-Konkurrenz!

Verglichen mit den meisten Regionen dieser Welt können die Deutschen sagen, sie hätten in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine erfolgreiche Story geschrieben und auch fast alles richtig gemacht.

Heiner Geißler
Lesezeit 2 Min

Verglichen mit den meisten Regionen dieser Welt können die Deutschen sagen, sie hätten in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine erfolgreiche Story geschrieben und auch fast alles richtig gemacht. Und deswegen sollte man in diesem schönen Land nicht ständig auf etwas herumhacken. Aber manchmal bleibt einem nichts anderes übrig.

Am Wochenende gab es zwei Meldungen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben: Immer mehr Deutsche rutschen in die Armutsfalle und im Klinikum Kiel sterben Kranke an Krankenhauskeimen. Aber warum kommen diese Leute dort, wo sie geheilt werden sollen, zu Tode? Durch den Sparzwang, den unsere an der Gewinnmaximierung orientierte Gesellschaft unseren Krankenhäusern auferlegt, werden nicht nur ganze Krankenhäuser privatisiert, sondern vor allem überall die Hygiene, das heißt die Durchführung der peniblen Hygienevorschriften wird privaten Reinigungsfirmen übertragen, die ihrerseits unter Wettbewerbsdruck wieder an Personal und Zeit sparen.

Vor Kurzem hat sich dieser Skandal an der Charité in Berlin ereignet. Die ausgebildeten Krankenschwestern, miserabel bezahlt und zeitlich überlastet, können diese Lücken nicht mehr schließen. Die Reinigungskräfte, Zimmermädchen, Lieferanten, Taxifahrer, Arbeiter in Schlachthäusern und Fleischfabriken, deren hygienisch vermanschtes, versifftes und billiges Fleisch nur noch Dumme – und eben Arme – kaufen, sind diejenigen, die immer mehr in die Armutsfalle rutschen.

Den Mindestlohn hat die Regierung beschlossen. Bürokratieprobleme kann man lösen. Aber es muss endlich Schluss sein mit der Privatisierung des Gesundheitswesens, mit Lohndumping und Schmutzkonkurrenz.

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