Wie werfen wir die Jobmaschine wieder an? Die IHK fordert mehr Niedriglohnjobs und eine bessere Bildungspolitik

Berlin, die traurige Hauptstadt der Arbeitslosen

MOW
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Berlin - Die Jobmaschine der Hauptstadt stottert! 232 655 Menschen hatten im Juli keine Arbeit. Das waren 4062 mehr als im Vormonat. So landete Berlin wieder einmal auf dem letzten Platz im Bundesvergleich der Arbeitslosenzahlen - mit einer Quote von 13,6 Prozent. Wie kann das ausgerechnet so einer pulsierenden Metropole passieren? Klar ist: Politik und Wirtschaft fällt es schwer, das Elend zu stoppen.Es ist ein trübes Bild, dass viele Experten vom Berliner Arbeitsmarkt zeichnen. Das Problem: "Die Stadt hinkte bei der Wirtschafts-Leistung lange dem Bundesgebiet hinterher", sagt Karl Brenke (57), Experte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Und selbst der Aufschwung ab 2005 ging an einem Großteil der Arbeitslosen vorbei: An den ALG-II-Empfängern, die lange keinen Job hatten. "Aber die machen 80 Prozent der Arbeitslosen aus", sagt Brenke.Hier habe sich eine hartnäckige "Sockel-Arbeitslosigkeit" gebildet, gegen die politische Maßnahmen nur schwer ankommen. Für Betroffene ist es hart, wenn sie dann hören: In Berlin sind seit Januar 2010, trotz weltweiter Finanzkrise, zwar 11 000 Jobs entstanden. Aber Zugezogene und Pendler schnappen Alteingesessenen oft die Chancen weg. Am Arbeitsmarkt gewinnt eben, wer die bessere Ausbildung vorweist.Um das Job-Problem zu lösen, macht die IHK Berlin zwei Vorschläge: "Wir müssen die Zahl der jungen Leute ohne Schulabschluss und Lehre reduzieren", sagt IHK-Sprecher Holger Lunau (48). Er wirbt auch für "mehr gesellschaftliche Akzeptanz" des Niedriglohn-Sektors. Lieber ein schlecht bezahlter Job als keiner.Davon hält Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) wenig: Er setzt sich für einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ein. Auch die Chance, den Jobmotor auf Turbo zu trimmen, bewertet er positiv. Berlin müsse seinen international erfolgreichen Firmen gute Entwicklungs-Chancen bieten und die bezirkliche Wirtschafts-Förderung stärken. Wolf betont auch: "Das A und O einer sinnvollen Arbeitsmarktpolitik ist Qualifikation!"------------------------------Was sich Arbeitslose wünschenBeratung muss besser werdenMatthias Knybba (47) aus Prenzlauer Berg, seit 2002 arbeitslos: "Nach der Wende brach ich mein Lehrer-Studium ab, sah da meine persönlichen Lebensziele nicht mehr. Dann war ichIllustrator, das war zuerfolgsorientiert. Jetzt kommt hoffentlich eine Umschulung. Aber da muss mein Fallmanager bei der Arbeitsagentur mitmachen. Leider sind die total überlastet, müssen mehrere Dutzend Kunden betreuen. Mit mehr Zeit könnten sie uns Arbeitslose besser beraten."Mehr Praktika für SchülerJonas Schröder (24) aus Pankow, abgebrochenes Studium: "Hätte ich doch zu Schulzeiten mehr Praktika machen können! Bei uns war nur eins möglich. Wenn ich mehr Praxis im Berufsleben gehabt hätte, wäre mir früher klar geworden, dass ein Studium in Wirtschaftsinformatik nichts für mich ist. So habe ich zwei Jahre in den Sand gesetzt. Nun bewerbe ich mich für eine Lehrstelle als Fachinformatiker. Leider bisher vergeblich. Kein Wunder, denn die Konkurrenz ist groß."Fördermaßnahmen oft sinnlosNancy Lindström (27) aus Pankow, ohne Ausbildung; seit Juni ohne Job: "Zuletzt war ich in einem Drogeriemarkt tätig. Der Zeitvertrag lief aus und ich wurde nicht übernommen. Das passiert mir öfter, irgendwie kann ich in den Läden nicht bleiben. ABMs hatte ich auch schon, aber in solchen Projekten hat man nichts gelernt, wurde nur beschäftigt mit Unnützem wie Spielzeug reparieren. Wenn da mal ein ordentliches System reinkäme, das würde Arbeitslosen viel mehr bringen."------------------------------BU: Senator Harald Wolf glaubt fest an Berlins Chancen.

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