Wir sind Papst!“ „Wir sind Weltmeister!“ Normalerweise ist man als Deutscher sehr stolz auf die Leistungen seiner Landsleute, denkt gern in Superlativen und ergötzt sich am identitätsübertragenden „Wir“-Gefühl. Deshalb erstaunt es, wenn eine Deutsche europäisches Oberhaupt wird, aber niemand titelt: „Wir sind Königin von Europa!“
Denn es war ja, wie es vielerorts heißt, nur ein „Hinterzimmer-Deal“. Das klingt nach heimlichen Absprachen in vornehmen Hotelzimmern, wo Macron zu Merkel sagt: „Wie wäre es denn mit der Uschi?“
Und Merkel erwidert: „Warum – bist du wieder auf Brautschau?“ Wozu er sagt: „Nein, nur so für Europa halt!“ Was sie kontert mit: „Also für Europa stellen wir die gern ab – das bekämpft ja auch die Arbeitslosigkeit in der Berater-Branche!“
Die Kritik am Hinterzimmer-Deal blendet aus, dass das System der „Spitzenkandidaten“ vorher gescheitert war. Anscheinend war keiner „Spitze“ genug.
Demokratie hat leider auch den Aspekt der Urlaubsplanung einer fünfköpfigen Familie, in der Papa wandern, Mama an die Ostsee, der 16-jährige Sohn daheim vorm Computer spielen, die 15-jährige Tochter nach London und die Dreijährige ins Legoland möchte.
Dann ziehen sich Mama und Papa in ein Hinterzimmer zu intimer Konferenz zurück und buchen anschließend den Usedom-Urlaub.
Die meisten Entscheidungen werden nicht öffentlich getroffen. Sogar unser eigenes Leben beginnt meist als „Hinterzimmer-Deal“.
Schlimm wird es, wenn das Hinterzimmer unterbesetzt ist. Viele Menschen wollen etwa eine Entscheidung im eigenen Hinterstübchen treffen – nur um enttäuscht festzustellen, dass niemand zu Hause ist!
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