Mall of Berlin

Wie viel Wertheim steckt in der neuen Mall?

Gestern eröffnete das spektakuläre Einkaufszentrum am Leipziger Platz. Der KURIER testete den neuen Konsumtempel.

Lisa Steiner
Lesezeit 3 Min
Die Mall of Berlin glänzt. Doch hält sie dem Vergleich mit dem Wertheim-Kaufhaus stand?

Die Mall of Berlin glänzt. Doch hält sie dem Vergleich mit dem Wertheim-Kaufhaus stand?

© Sven Lambert Lizenz

Auch was Sichtachsen und „Kathedralengefühl“ angeht, hat sich der heutige König der Berliner Einkaufszentren vom Kaufhaus aus Kaiserzeiten inspirieren lassen. Kommt man über den Eingang am Leipziger Platz, öffnet sich die Mall als weiter, lichtdurchfluteter Komplex. Möglich machen das mehrere große Lichthöfe, die auch vom Erdgeschoss direkt in den Himmel blicken lassen. Davon nimmt die Masse, die gestern zum ersten Mal ins Center darf, aber wenig wahr. Kaum ist das rote Band durchschnitten, wollen Hunderte auf einmal rein. Sie wälzen sich auf die nächst gelegenen der insgesamt 50 Rolltreppen, um sich dann im Dschungel der 270 Geschäfte zu verlieren.

Wer Luxus will, überquert eine der gläsernen Brücken, die die zwei Teile des Gebäudekomplexes verbindet. Darunter liegt eine kleine Fußgängerzone. Auf der anderen Seite, Richtung Stadtmitte, reihen sich die Läden der namhaft-teuren Designer aneinander: Armani, Boss, Hilfiger, Strellson und – ganz neu in Berlin – Twin Set. Ob es Wertheim-Glanz ist, der sich da in den Schaufenstern anpreist?

Das Eröffnungsgehabe erinnert jedenfalls an alte Etikette: Begrüßungssekt, Brötchen, fürsorglich-höfliche Shopmitarbeiter. Die Preise sind aber nicht historisch, sondern oft eher jenseitig. Ein Kunstfaser-Tierprint-Mantel, made in China, von Armani-Jeans – 455 Euro. Aber es geht auch günstiger. Im 1. Obergeschoss steht die Jugend Schlange, vor einem mittelpreisigen Sneaker-Laden, der zur Eröffnung Gratis-Gummibären und Energydrinks verschenkt.

10 Uhr: Hunderte stürmen das Center.

10 Uhr: Hunderte stürmen das Center.

© Sven lambert Lizenz

Mai (30) kam sogar aus Vietnam – ihre Familie eröffnete einen Imbiss in der Mall.

Mai (30) kam sogar aus Vietnam – ihre Familie eröffnete einen Imbiss in der Mall.

© Sven lambert Lizenz

Im Untergeschoss gibt’s Maniküre für 12 Euro.

Im Untergeschoss gibt’s Maniküre für 12 Euro.

© Sven Lambert Lizenz

Bei Armani-Jeans kostet dieser Kunstfell-Mantel 455 Euro.

Bei Armani-Jeans kostet dieser Kunstfell-Mantel 455 Euro.

© Sven Lambert Lizenz

Günstiger: Der Flatscreen für 395 Euro, für den Horst (70) aus Westend angereist ist.

Günstiger: Der Flatscreen für 395 Euro, für den Horst (70) aus Westend angereist ist.

© Sven Lambert Lizenz

Auf Bänken mit Verzierungen im Original-Wertheim-Stil darf gechillt werden.

Auf Bänken mit Verzierungen im Original-Wertheim-Stil darf gechillt werden.

© Sven Lambert Lizenz

Fast wie geschenkt wirken nach dem Rundgang im Luxus-Segment auch jene Waren, die sich in den Läden ganz unten in der Mall finden. Von Wertheim-Glanz ist allerdings im Untergeschoss kaum was spürbar: Neben Handy-Läden aller Marken und einem Tabakladen gibt’s hier auch ein Nagel-Studio. Maniküre kostet 12 Euro – ein Dumpingpreis, nicht nur für Mitte.

Unter dem Dach, im zweiten Obergeschoss, sieht es ähnlich aus: Neben 15 Shops für Kids (von Plüschtier bis T-Shirt) finden sich hier Allerweltsmarken wie C&A, Deichmann und H&M.

Fazit: Die Mall of Berlin will ein Einkaufszentrum für alle sein. Ein Grundgedanke, der auch das Kaufhaus Wertheim prägte – und erfolgreich machte.

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