Unfall-Opfer Charlott H. (24)

Wie sühnt man einen zerstörten Lebenstraum?

Als Chirurgin im OP stehen und Kranken helfen. Das ist ihr Traum. Dafür hat Charlott H. (24) hart gearbeitet. Doch ein Horror-Unfall überschattet ihr Leben.

Kerstin Rebien
Lesezeit 2 Min
Das Auto der Studentin stürzte von der A100.

Das Auto der Studentin stürzte von der A100.

© Guido Mentz Lizenz

Unglaublich: Über zweieinhalb Jahre musste die Studentin auf den Prozess warten – „weil die Ermittlungen recht lange gedauert haben“, so der Ankläger knapp. Nun steht Jurastudent Denis B. (23) als Verursacher vor Gericht. Hat er durch Fahrlässigkeit den Traum der Studentin zerstört?

Es kam zu einem „Domino-Effekt“, den Denis B. in einem BMW am 7. Januar 2012 auf der Rudolf-Wissell-Brücke (Charlottenburg) ausgelöst haben soll. Der Ankläger geht davon aus: „Er fuhr mit etwa Tempo 90.“ Erlaubt waren an der Stelle 80. Der Ankläger: „Unter günstigen Bedingungen.“ Die Straße sei aber nass gewesen.

B. auf der linken von drei Fahrspuren verlor die Kontrolle über das Auto seiner Eltern. Er prallte mit dem Hinterrad gegen eine Mauer, schleuderte nach rechts zurück, traf einen weißen Ford, der ebenfalls nach rechts ausbrach – und den Smart-Viersitzer der Studentin traf.

Der Kleinwagen wurde auf die Betonbrüstung geschoben, kippte dann in einen Kleingarten. Überall lagen Trümmer. Die Fahrerin eingeklemmt. Mehrere Halswirbel waren gebrochen, Frakturen im Gesicht, Hirnblutungen. Die Studentin: „Im April setzte ich das Studium fort, ich brauchte die Ablenkung.“

Ihr Leben ist nicht mehr das alte. Oft quälen sie Nacken- und Kopfschmerzen, beim Essen tut jeder Biss weh, das Gesicht ist halbseitig gelähmt, Bewegungen sind eingeschränkt. Ob sie über Stunden im OP stehen kann, weiß sie nicht.

Der Jurastudent bestreitet Fehler: „Ich fuhr 80 km/h.“ Seine Erklärung für den Kontroll-Verlust: „Ich glaube, es lag an dem Asphalt an der Stelle.“ Nach dem Unfall habe er gehört, es könne dort rutschig werden. Fortsetzung: 29. August. KE

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