Das Vorhaben von Bausenator Andreas Geisel (SPD) lehnen viele Anwohner aber strikt ab. Geisel kontert, sie würden nur bequem dem Sankt-Florian-Prinzip folgen. Es lautet: „Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“
Der alte Spruch, den Historiker auf ein Spottlied zurückführen, ist wieder aktuell. Heute könnte man es so sagen: „Neubau, ja bitte – aber nicht vor meiner Haustür!“
Wie schon 2014 bei der geplatzten Bebauung am Tempelhofer Feld mit 4.700 Wohnungen regt sich massiver Widerstand.
Mit einer Demo machte die „Bürgerinitiative Elisabeth Aue“ gestern ihrer Besorgnis Luft. Der Senat plant auf 73 Hektar zwischen Blankenfelder Chaussee, Schillingweg, Buchholzer Straße und Rosenthaler Weg binnen zehn Jahren 5.000 Wohnungen in Vier- bis Sieben-Geschossern. Gesobau und Howoge sollen ab 6,50 Euro/Quadratmeter bauen.
Landwirt André Neuendorf (49) beackert seit Jahren 30 Hektar auf dem Areal, sein Namensvetter Michael Neuendorf (42) rund 17 Hektar westlich und nördlich der Aue.
André Neuendorf: „Abgesehen davon, dass ich mit Wegfall der Fläche erhebliche finanzielle Einbußen hätte, würde ein Neubau-Projekt die Fläche versiegeln. Das hätte Folgen für die Tierwelt, aber auch für die Berliner Innenstadt.“
Die Pankower Grünen-Abgeordnete Cordelia Koch erklärt: „Laut Klima-Bericht des Senats ist die Aue samt Landschaftsschutzgebieten drumherum ein Kaltluft-Entstehungsgebiet, das sich positiv aufs Klima in Berlins Innenstadt auswirkt. Zugebaut wäre diese Funktion verloren.“
Eine weitere Befürchtung: Das Projekt könnte ein Brennpunkt-Kiez wie das Märkische Viertel werden. Oskar Tschörner (72), Sprecher der Bürgerinitiative: „Dort leben 12 000 Menschen auf einem Quadratkilometer. In der Elisabeth-Aue wären es rund 17.500 Menschen pro Quadratkilometer. Da die Mieten günstig sind, fürchten wir, dass sich dort nur sozial Schwache ansiedeln.“
Die Gegner raten dem Senat: Dachgeschosse, leere Büros und illegale Ferienwohnungen zu legalem Wohnraum umbauen.
Anwohnerin Heindrun Kirscheis (59) findet: „Wenn hier schon gebaut wird, müssen sich Neubauten in bestehende Bauten und die Natur einfügen.“
Der Bau-Streit spaltet auch die Lokalpolitik: Obwohl Pankows Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) für das Projekt ist, durfte er eine entsprechende Willensbekundung nicht unterschreiben.
Die BVV verbat es. Senator Geisel verbreitet derweil Gelassenheit. Er sei sicher, dass es nicht wie in Tempelhof endet. Man habe mehrere Jahre Zeit für eine „verträgliche Lösung“.
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