Wetter extrem

Nach Frost-Start bringt Hoch "Quinlan" uns den Mai-Sommer

Bodenfrost in Berlins Randbezirken: Waren das schon die Eisheiligen?

Jo Studnik
Lesezeit 3 Min
Der Raps steht schon in voller Pracht, doch empfindlicheren Pflanzen kann der Bodenfrost stark zusetzen.

Der Raps steht schon in voller Pracht, doch empfindlicheren Pflanzen kann der Bodenfrost stark zusetzen.

© dpa

Nirgenwo in Deutschland war der April so warm wie in Berlin.

Nirgenwo in Deutschland war der April so warm wie in Berlin.

© statista.com

Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) geht noch weiter zurück und greift bis zum Jahr 1761 zurück: Schon damals wurden Temperaturen festgehalten, nach einem anderen System, das sich nicht durchgesetzt hat. Und auch in diesen früheren Messreihen ist seitdem ist kein wärmerer April überliefert.

Bodenfrost - haben die Eisheiligen schon zugeschlagen?

Wie geht es nun weiter? Der Mai ist zunächst mit einer deutlichen Abkühlung gestartet. Stürmische Böen und eher herbstlich-kühle Temperaturen weit unter 20 Grad am Mai-Feiertag, und am Mittwochmorgen staunten die Anwohner in Berlins Randbezirken und Teilen Brandenburgs über Bodenfrost. Für Hobbygärtner, die bei sommerlichen Apriltemperaturen bereits empfindliche Pflanzen in die Erde gesetzt haben, könnte es heute zu schmerzlichen Verlusten kommen, wenn die Gewächse sich von Erfrierungen nicht mehr erholen.

Was ist da los mit dem Wetter, hat der Frühsommer sozusagen sein Pulver nach dem zu warmen April bereits verschossen? Wetterexperte Jung hat eine andere Vermutung: „Vielleicht waren das ja schon die vorgezogenen Eisheiligen."

Diese wären kalendarisch Ende kommender Woche zu erwarten - wegen einer historischen Kalenderreform tatsächlich aber erst in der zweiten Maihälfte. Um diese Zeit herum beobachten Meteorologen häufiger, dass trotz hoher Temperaturen immer wieder mal kalte Polarluft zu uns strömt. Im Extremfall kann Bodenfrost um die Zeit bittere Ernteausfälle verursachen.

Azorenhoch 'Quinlan' heizt uns bald ein

Aber genau dies erwartet Jung trotz des frostigen Monatsstarts nicht: Vielmehr macht sich ab Freitag vom Atlantik her ein neues Sommerhoch auf den Weg zu uns. „Das Azorenhoch 'Quinlan'" bringt dann erstmal Sonne satt und Temperaturen bis über 25 Grad im Schatten."

Von den Eisheiligen ist am Horizont nichts zu erblicken, vielmehr erwartet Jung einen nahezu nahtlosen Übergang vom April-Sommer zu einem kommenden Mai-Sommer. „Besonders schön wird das kommende Wochenende. Dann erwarten wir an beiden Tagen im ganzen Land jeweils täglich 13 bis 14 Sonnenstunden."

Seit Monaten zu trocken: höchste Waldbrandgefahr

Und wie es im Moment ausschaut, spricht nichts gegen eine Fortdauer des Sommerwetters auch in der kommenden Woche. Damit verschärft sich allerdings ein Problem, das sich seit Februar ankündigt: Sämtliche Monate seitdem waren zu trocken. „Der Februar brachte 60 Prozent zu wenig Niederschlag, der März immerhin 15 Prozent zu wenig und der April brachte wieder ein Defizit von 30 Prozent.

Eine der Folgen: Die Waldbrandgefahr erreicht bereits vielerorts die Stufe 4 bis 5 - das sind die beiden höchsten Stufen! Für die Landwirte waren die einzelnen Unwetter, die unsere Region erreicht haben, auch nur Tropfen auf dem heißen Stein - im Gegenteil: „Sie haben mehr Schaden als Nutzen gebracht“ erklärt Wetterexperte Jung. 

Weit und breit ist in den kommenden Tagen kein flächendeckender Landregen in Sicht - doch diesen bräuchten die Pflanzen gerade jetzt im Frühjahr besonders, um zu wachsen. 

Horrortage für Allergiker

Auch für Pollenallergiker ist das trockene Wetter ebenfalls ein Graus: „Denn ohne Regen werden die Pollen nicht aus der Atmosphäre ausgewaschen, und somit bleibt die Pollenkonzentration durchweg recht hoch", so Jung. Allergiker müssten sich jetzt auf leidvolle Tage einstellen: Denn neben den sehr allergenen Birkenpollen sind inzwischen auch Pollen von Buche, Ulme, Ampfer und Weide unterwegs. JSt

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