Wer sind die Bösen im Berliner Verkehr?

Ein Radfahrer ärgert sich über Autofahrer

Auf den Straßen der Stadt prallen Weltsichten frontal aufeinander.

Peter Neumann
Lesezeit 2 Min
Christian Storbeck ist fast ausschließlich mit seinem Lasten-Fahrrad unterwegs.

Christian Storbeck ist fast ausschließlich mit seinem Lasten-Fahrrad unterwegs.

© Paulus Ponizak

Was ihn als Radfahrer ärgert: Rasen in Tempo-30-Bereichen. Autotüren werden aufgerissen. Rechts vor links wird nicht beachtet. Es wird ausgeparkt, als gäbe es kein Morgen. Ich fahre nicht  immer konform mit der Straßenverkehrsordnung. Ich fahre mitten auf der Spur, nicht in der Zone, wo mich Autotüren erwischen könnten. Wenn ich an einer Kreuzung bin, orientiere ich mich meist an der Fußgängerampel, weil Fußgänger etwas früher grün bekommen als Autos. Und ich warte darauf, dass das Rechtsabbiegen für Radfahrer bei Rot legalisiert wird.“

Freiheit geschenkt: „Niemanden wird etwas genommen, wenn Radfahrer in Berlin den Platz erhalten, der ihnen zusteht. Im Gegenteil: Die Berliner bekommen etwas geschenkt. Nämlich die Freiheit, ihr Leben zu bestimmen, wenn es um Mobilität geht. Wir wollen, dass die Berliner endlich wählen können, wie sie und ihre Kinder sich fortbewegen. Auch ich  will die Hauptstraßen nicht begrünen. Aber ich will, dass man angstfrei entscheiden kann, welches Verkehrsmittel  man sich aussucht.“

Keine Gefahr für andere: „Der Radfahrer gefährdet immer zuerst sich selbst, der Autofahrer gefährdet immer andere. Ich bin keine Gefahr für Fußgänger. Ich bin defensiv den Schwächeren gegenüber und heize nicht über  Gehwege. Vor Taxifahrern habe ich  keine Angst. Wir sind  Profis. Zögerliches Verhalten führt zu unberechenbaren Reaktionen. Autos sind wie Hunde – wenn du Angst hast, wird das bemerkt.“

Zeitenwende: „Die Ära des Autos ist vorbei. Wenn es um die Zukunft des Verkehrs geht, ist das Fahrrad immer Teil der Lösung, nicht Teil des Problems. Natürlich ist es nicht die alleinige Lösung. Auch der Nahverkehr muss sich bessern. Warum kostet ein Fahrschein in Berlin 2,80 Euro? Warum gilt nicht: eine Fahrt, ein Euro?“

Helmpflicht: „Ich finde, dass das Schwachsinn wäre, genauso wie eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder. Beides würde nur hindern, Rad zu fahren. Es kann nicht sein, dass schwächere Verkehrsteilnehmer einen Kotau vor den Stärkeren machen müssen.“

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