Berlin - Das Testament von Richterin Kirsten Heisig: Es ist eine Abrechnung mit einer kriminellen Parallelwelt, die mit den Gesetzen in unserem Land nichts anfangen kann. Am 2. Juli hatte sich die Jugendrichterin das Leben genommen. Ihre nun erscheinende Streitschrift "Das Ende der Geduld" ist ein Plädoyer, die Gewaltspirale konsequent zu brechen.Von 550 jugendlichen Intensivtätern in Berlin leben 214 in Neukölln, 45 Prozent von ihnen hätten arabische, 34 türkische Wurzeln, schreibt Heisig, wobei es insgesamt viermal mehr Türkischstämmige im Kiez gebe. "Die Araber stellen also gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil die Mehrheit der Intensivtäter." Junge deutsche Kriminelle mit über 30 Straftaten gebe es in Neukölln kaum.Die Clans, deren Nachwuchs den Bezirk terrorisieren, stammten in der Regel aus dem Libanon, seien aber keine palästinensischen Flüchtlinge, sondern "libanesische Kurden" aus dem Grenzgebiet zur Türkei und Syrien. Viele gelten als "staatenlos", können daher auch bei Ablehnung eines Asylantrags nicht abgeschoben werden.Heisig: "Nach mir vorliegenden Erkenntnissen gibt es in Deutschland zehn bis zwölf dieser Clans, die einige tausend Menschen umfassen. Sie agieren sowohl im Innen- wie im Außenverhältnis kriminell." Das heißt: Männer schlagen in der Familie ihre Frauen, draußen werden kriminelle Geschäfte gemacht. Heisig: "Von Drogen- und Eigentumsdelikten über (...) Raub, Erpressung, gefährlicher Körperverletzung, Sexualstraftaten bis Mord ist alles vertreten. Die Kinder wachsen weitgehend in diesen kriminellen Strukturen auf."Mit Maßnahmen des Jugendrechts oder der Sozialpädagogik sei diese Gruppe kaum zu erreichen. "Der überwiegende Teil dieser Clans wird niemals in Westeuropa ankommen. Es werden weiterhin nicht genau bezifferbare Millionenbeträge in die Alimentierung dieser Gruppierungen fließen, ohne Fortschritte zu erzielen."Nach Heisigs Beobachtung schleusen Clans aktuell Kinder und Jugendliche aus palästinensischen Flüchtlingslagern zum Drogenhandel nach Deutschland. Die hauen aus Heimen ab, schlüpfen bei den Großfamilien unter. Werden sie geschnappt, beginnt alles von vorn. Die Idee, die Strafmündigkeit auf 12 herunterzusetzen, lehnt Heisig ab: "Bitte nicht! Dann werden demnächst 10-Jährige geholt."Seit vielen Jahren plädierte Heisig für geschlossene Heime. "Alles andere ist pseudoliberale Heuchelei. (...) Der Bewegungsradius muss begrenzt werden." Viele Sozialarbeiter hätten allerdings Angst, Kinder aus arabischen Familien zu holen. Hinter vorgehaltener Hand heiße es: "Die Familien erschießen jeden, der das versuchen sollte."------------------------------Ihr Buch erscheint wie ein TestamentKirsten Heisigs Buch "Das Ende der Geduld - Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter" (Herder Verlag, 14,95 Euro, ab 26. Juli) ist gleichzeitig ihr Vermächtnis. Die Jugendrichterin war am 3. Juli 2010 im Tegeler Forst tot aufgefunden worden. Die Mutter von zwei Kindern hatte sich erhängt.Die 48-jährige Juristin hat mit dem "Neuköllner Modell" dafür gesorgt, dass Jugendliche schnell für ihre Taten vor Gericht kommen. Auch öffentlich hatte sie für eine harte Haltung zu den Gewalttätern geworben, sonst "geht die Stadt kaputt. Von Gegnern wurde sie als "Richterin Gnadenlos" beschimpft.------------------------------Zwischenzeile: MILLIONEN EURO FLIEßEN OHNE ERFOLGE ZU ERZIELENBU: Festnahme eines Clan-Mitgliedes. Araber kontrollieren den Drogenmarkt.
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