Der US-Kinofilm „Der Weiße Hai“ feiert Geburtstag. Vor genau 40 Jahren hatte der Streifen Premiere. Ein aus Kunststoff gebauter Jäger der Meere wurde zum Horror-Monster. Ein Bild, das bis heute Angst und Schrecken verbreitet. Doch was ist dran am Monster Hai? Der KURIER sprach mit Dr. Timo Moritz vom Meeresmuseum Stralsund.
„Ich habe den Film ,Der Weiße Hai’ mehrfach gesehen, geradezu verschlungen. Und dann habe ich meinen Mitschülern gezeigt, was alles falsch ist. Das fängt schon bei der unglaublichen Größe des Weißen Hais an“, sagte Moritz. Statt wie normal vier bis fünf Meter, war Spielbergs Monster fast acht Meter lang. Für die Szenen, die mit echten Haien gedreht werden sollten, ließ Regisseur Spielberg einen Kleinwüchsigen in den Taucheranzug schlüpfen. Damit das Tier imposanter erschien.
„Der Hai ist ein Top-Räuber der Meere. Aber der Mensch steht nicht auf seinem Speiseplan. “ Im vergangenen Jahr gab es weltweit 72 Hai-Angriffe, davon drei tödliche. Moritz: „Die Zahlen sind nicht fair zu den Tieren. Zu einem Angriff zählt auch, wenn ein Angler einen Hai fischt und beim Lösen des Köders verletzt wird.“ Auch sei der Mensch an immer mehr Stränden zu finden. Damit hat sich die Gefahr vergrößert, Haien zu nah zu kommen. Noch wichtiger ist für Moritz aber, dass „fast immer Menschen schuld an Angriffen sind“. „Es gibt Taucher, die ruhende Haie anstupsen. Oder Speerfischer, die mit ihrer Beute im Schlepptau schwimmen. Was kann man da erwarten“, sagt er.
Generell kann man den Hai nicht aburteilen. „Es gibt über 500 Arten. Viele sind einfach nur schöne Fische“, sagt Moritz. Und vor denen, die dem Menschen gefährlich werden können, kann man sich schützen. „Auf die Strand-Beflaggung achten. Als Taucher den Hai nicht anfassen. Nicht dort schwimmen, wo Haie für Touris angelockt werden.“
Bis zu 73 Millionen Haie werden jedes Jahr aus den Ozeanen gefischt. Moritz: „Der Hai ist von einer Bedrohung zum Bedrohten geworden. Manche stehen schon auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere, vor allem größere. Im Mittelmeer ist alles, was größer als drei Meter ist, schon verschwunden. Wenn aber ein Top-Räuber wie der Hai im Ökosystem fehlt, hat dies drastische Folgen.“ In einer Bucht von North Carolina vermehrten sich die Stechrochen sehr stark, weil natürliche Feinde wie Haie fehlten. Folge: Die lokale Muschel-Fischerei brach zusammen, da die Rochen die Muscheln auffraßen. Die Folgen für die Umwelt sind noch nicht klar, aber Muscheln haben eine ökologische Aufgabe. Sie filtern gewaltige Mengen von Wasser. Die Wasserqualität leidet durch ihr Fehlen.
Der böse Hai gehört wohl nur ins Kino. Im echten Leben ist er Teil der Natur. Und mit der muss man vorsichtig umgehen.
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