Wisbyer Straße 1

Wehe, du wohnst in diesem Haus!

Seit Monaten gibt es kein Gas und kein Warmwasser. Will der Besitzer die Mieter loswerden?

Susanne Dübber
Lesezeit 3 Min
Boris Dakin (44) und Hans-Joachim Roß (58) zeigen den stillstehenden Gaszähler im Keller.

Boris Dakin (44) und Hans-Joachim Roß (58) zeigen den stillstehenden Gaszähler im Keller.

© Lebie Lizenz

Seit Monaten haben Mieter in dem Haus an der Wisbyer Straße kein Gas und kein Warmwasser.

Seit Monaten haben Mieter in dem Haus an der Wisbyer Straße kein Gas und kein Warmwasser.

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"Attraktive Wohnungen zu vermieten": Wie zum Hohn hängt dieses Plakat an der Hauswand.

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Kein Gas, keine Heizung, manchmal kein Strom: Mieterin Yoko Roelofs (41, mit Tochter Linda) hat ihren Vermieter wegen der unhaltbaren Zustände verklagt.

Kein Gas, keine Heizung, manchmal kein Strom: Mieterin Yoko Roelofs (41, mit Tochter Linda) hat ihren Vermieter wegen der unhaltbaren Zustände verklagt.

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Seit sechs Jahren wohnt Hans-Joachim Roß (58) in dem Haus. Das Amt zahlt dem Grundsicherungs-Empfänger für seine etwa 34 Quadratmeter große Einzimmer-Wohnung 340 Euro warm. Dabei lief die Gas-Heizung das letzte Mal im April. „Seitdem haben wir kein Gas mehr“, erzählt Nachbar Boris Dakin (44), Hartz-IV-Empfänger. Er hat sich wie Roß eine Wärmeplatte zum Kochen gekauft. „Statt Dusche machen wir uns im Wasserkocher Wasser warm.“ Die Gasag erklärt: Der Grund für den Gas-Stopp in der Wisbyer Straße 1 ist die Sanierung der Hausinnenleitungen. Die Miete zu mindern trauen sich die Mieter nicht. „Wir haben Angst, dass uns der Hausbesitzer kündigt!“

Durch Türen mit kaputten Scharnieren und Schlössern sowie über Treppen mit komplett durchgetretenem Belag geht es zu Yoko Roelofs (41), die mit vier Kindern (5, 7, 11, 13) und Mann in drei Zimmern für knapp 800 Euro wohnt. Die Künstlerin sagt: „Seit einem Wasserrohrbruch sind Stromleitungen kaputt, Lampen funktionieren nicht. Manchmal haben wir auch kein Wasser.“ Roelofs klagt gegen den Vermieter wegen der Wohnzustände. Andere kapitulieren. Viele Wohnungen wirken leergezogen. „Wer sich’s leisten kann, flieht“, sagt Roelofs.

Dem Berliner Mieterverein ist der Fall bekannt. Chef Reiner Wild: „Es gab und gibt offenbar eine ganze Anzahl von Mängeln, von denen die Einstellung der Gasversorgung wegen eines Lecks wohl der gravierendste Mangel ist. Wir hatten den Vermieter im Mai zur Mängelbeseitigung aufgefordert. Inzwischen gibt es eine Klage auf Mängelbeseitigung und Mietminderung. Es ist pure Schikane, Mieter über so lange Zeit ohne Gasbezug wohnen zu lassen. Da weder gekocht werden kann, es noch Warmwasser und Heizung gibt, muss der Bezirk tätig werden.“ Nach KURIER-Anruf will sich nun das Bezirksamt kümmern. Die Hausverwaltung erklärte dem KURIER, im Haus sei alles in Ordnung. Kommende Woche gebe es wieder Gas.

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