Wegen „Qualzucht“

Nacktkater Willi soll kastriert werden

Der Berliner Nacktkater Willi soll nach einer Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts kastriert werden. Die Klage einer Züchterin wurde damit am Mittwoch abgewiesen.

Claudia Keikus-Wilms
Lesezeit 2 Min
Die Canadian-Sphinx-Katze

Die Canadian-Sphinx-Katze

© dpa/Symbolbild Lizenz

Der tierische Streit ist bislang einzigartig, ein Pilotverfahren. Der Richter: „Zu Qualzucht gibt es noch keine Entscheidungen.“ Willi gehört zur sehr speziellen Rasse der Canadian-Sphinx-Katzen. Liebe Stubentiger, aber fast kein Fell. Wie tierische Aliens sehen sie aus. Der Knackpunkt: Es fehlen die Tasthaare. Und diese sind ein Sinnesorgan.

Mit den langen und sehr sensiblen Schnurrhaaren können sich die Katzen auch im Dunkeln hervorragend orientieren, darüber kommunizieren sie auch. Ein Gutachter (53): „Ohne Tasthaare ist das Gesicht ausdruckslos.“ Züchterin Jacqueline L. kämpft seit eineinhalb Jahren. Sie hat neben Willi drei weitere Kätzchen, nackt wie der stolze Papa. Willi wurde sogar als Rassekatze ein Berliner Champion.

Das war 2013. Dann aber hörte Frauchen von einer Amts-Mitarbeiterin: „Diese Zucht erlaube ich nicht.“ Im Juni 2014 flatterte Jacqueline L. ein Bescheid ins Haus: Zuchtverbot, weil es „Qualzucht“ sei. Willi müsse kastriert werden. Frauchen klagte. Der Gutachter nun vor dem Richter: „Ihm fehlt mit den Tasthaaren ein Sinnesorgan, das werte ich als einen Schaden.“

Eine rabiate Zucht? Frauchen hielt dagegen: „Meine Tiere leiden nicht.“ Der Doktor habe sie putzmunter erlebt. Doch der Richter: „Es geht um die Frage, ob züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass Schmerzen oder Leiden entstehen, welche Auswirkungen für die Nachzucht zu sehen sind.“

Das Urteil nach der Debatte: „Die Zucht von Nacktkatzen ohne funktionsfähige Tasthaare ist als Qualzucht anzusehen.“ Es sei damit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Behörde dürfe anordnen, dass Willi unfruchtbar gemacht wird. Denn die Nacktheit wird vererbt. Für Jacqueline L. steht fest: „Ich gehe in die nächste Instanz.“ Bei ihren vier haarlosen Canadian-Sphinx-Katzen habe sie keinerlei Defizite festgestellt. KE.

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