Wecken und zur Kita bringen

Jetzt kommt die Frühstücks-Nanny

Es würde vielen Frauen helfen.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Katja (31), Studentin und Ex-Büroangestellte aus Marzahn, befürwortet den Plan. Sie selbst komme zwar gut damit zurecht, ihre Amy (4) um 6.30 Uhr früh zur Kita zu bringen. Aber: „Vielen Frauen würde es sicher helfen.“

Katja (31), Studentin und Ex-Büroangestellte aus Marzahn, befürwortet den Plan. Sie selbst komme zwar gut damit zurecht, ihre Amy (4) um 6.30 Uhr früh zur Kita zu bringen. Aber: „Vielen Frauen würde es sicher helfen.“

© Thomas Lebie

Der Senat ist schon ganz berauscht von seinem Plan: „Er kann dazu führen, dass Frauen, die früher Teilzeit arbeiten und aufstocken mussten, Vollzeit arbeiten können“, verspricht Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke). Die Mütter könnten dann „ihr eigenes Leben leben und trotzdem immer das Gefühl haben: Mein Kind ist gut aufgehoben“.

Mein Chef nimmt Rücksicht auf uns: Jessica Brücke (31) aus Marzahn hat für ihre Juna Pauline (2 Monate) eine andere Lösung gefunden. Ihr Chef bei einer Medienagentur ist so kulant, dass sie flexibel arbeiten kann. Aber: „Der Plan hilft allen, die etwa in Schichtsystemen arbeiten.“

Mein Chef nimmt Rücksicht auf uns: Jessica Brücke (31) aus Marzahn hat für ihre Juna Pauline (2 Monate) eine andere Lösung gefunden. Ihr Chef bei einer Medienagentur ist so kulant, dass sie flexibel arbeiten kann. Aber: „Der Plan hilft allen, die etwa in Schichtsystemen arbeiten.“

© Thomas Lebie

Die meisten Kitas und Horte in der Stadt sind nur an Wochentagen und auch nur bis 18 Uhr geöffnet. Das stellt vor allem Alleinerziehende vor Probleme, die in Dienstleistungsjobs oft spät abends und am Wochenende arbeiten. Bei der flexiblen Kinderbetreuung kann eine Betreuerin laut Breitenbach etwa morgens ins Haus kommen, die Kids wecken und in die Kita oder Schule bringen. Wenn Mutti oder Vati Nachtschicht haben, werden die Kids in der Kita abgeholt, zu Hause versorgt und bei Bedarf auch ins Bett gebracht.

Das Betreuungskonzept soll flächendeckend in Berlin eingeführt werden. Die Plätze für die Kinder würden dann über die Bezirksämter vergeben. Federführend ist jedoch nicht die Senatsarbeitsverwaltung unter Elke Breitenbach, die das Vorhaben zum Weltfrauentag ankündigte. Zuständig ist die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie – also Senatorin Sandra Scheeres (SPD).

Kein Vertrauen in fremde Pfleger: Magda Leutsch (25) aus Marzahn hat erst vor zwei Wochen ihren Sohn Manuel geboren. Sie arbeitet selbst im sozialen Bereich, kann der Idee eines Kita-Service aber nichts abgewinnen. Denn: „Ich würde mein Kind keiner fremden Person anvertrauen! Höchstens später im Schulalter.“

Kein Vertrauen in fremde Pfleger: Magda Leutsch (25) aus Marzahn hat erst vor zwei Wochen ihren Sohn Manuel geboren. Sie arbeitet selbst im sozialen Bereich, kann der Idee eines Kita-Service aber nichts abgewinnen. Denn: „Ich würde mein Kind keiner fremden Person anvertrauen! Höchstens später im Schulalter.“

© Thomas Lebie

Das Projekt und seine Finanzierung (zunächst 700.000 Euro) sind Teil des 100-Tage-Programms des Senats. Das Programm befindet sich bereits in der Startphase und trägt den Namen Mobiler Kinderbetreuungsservice für Eltern mit besonderen Arbeitszeiten, kurz MoKis. Über das Projekt sollen sich Familien, die einen Betreuungsbedarf über die üblichen Kita-Zeiten hinaus haben, und Betreuer finden können.

Bei einigen Familien hat das schon funktioniert. Ihre Kinder werden abends betreut. In anderen Familien beginnt demnächst die Betreuung. Insgesamt stehe das Programm zwar noch am Anfang, es werde aber derzeit viel getan, um es bekannter zu machen. Es gibt Info-Abende und Beratungsgespräche.

Ich hätte Hilfe nötig gehabt: Bürokauffrau Irina Berberich (25) aus Lichtenberg hätte einen Kita-Service bitter nötig gehabt. Sie sagt: „Bei meinem ersten Kind hab ich den Job gekündigt, um mich kümmern zu können.“ Deshalb unterstützt sie den Senatsplan.

Ich hätte Hilfe nötig gehabt: Bürokauffrau Irina Berberich (25) aus Lichtenberg hätte einen Kita-Service bitter nötig gehabt. Sie sagt: „Bei meinem ersten Kind hab ich den Job gekündigt, um mich kümmern zu können.“ Deshalb unterstützt sie den Senatsplan.

© Thomas Lebie

Zudem wurde eine Datenbank aufgebaut, in der interessierte Familien und qualifiziertes Personal stehen. Ganz neu ist das Konzept nicht: Auch schon vorher konnten Eltern, die zu ungewöhnlichen Zeiten arbeiten, ergänzende Kindertagespflege beantragen. Die Betreuung, etwa durch Tagesmütter, wurde dann über das Jugendamt organisiert. Derzeit werden 458 Kinder im Kita-Alter über ergänzende Pflege betreut. In Pankow gab es bis 2012 ein Pilotprojekt. Die Angebote waren aber begrenzt und kaum bekannt. MoKis soll das gründlich ändern.   

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