Wasser-Demo

Warum macht ihr so ’ne Welle?

Müggelsee-Kapitäne protestieren gegen knallharte Umwelt-Auflagen des Senats.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Rund 100 Boote aller Art sammeln sich zur großen Wassersport-Demo im Köpenicker Becken.

Rund 100 Boote aller Art sammeln sich zur großen Wassersport-Demo im Köpenicker Becken.

© Paulus Ponizak

Schon als Teenager kurvte Hagen Jerzynski (41) im Anglerboot über den Müggelsee. Heute ist er Europameister am Steuer rasanter Thundercat-Boote und Organisator der schwimmenden Demo. „Der Senat will den See in rote, gelbe und grüne Zonen einteilen“, sagt Hagen auf der Bootsfahrt zur Demo. Vereine und Privatleute, die Stege in roten Verbotszonen haben, sollen bald zum Abriss schreiten. Es sei denn, der Öko-Plan fällt doch noch ins Wasser.

Demo-Teilnehmer um Dunja und Hagen (vorne) fordern: „Wassersport braucht Stege!“

Demo-Teilnehmer um Dunja und Hagen (vorne) fordern: „Wassersport braucht Stege!“

© Paulus Ponizak

„Dabei sind wir natürlich nicht gegen Umweltschutz“, sagt Demo-Moderatorin Dunja Wolff (54) auf dem Beifahrersitz. Das Bündnis wehre sich nur „gegen eine Überreglementierung, die vom Segler bis zum Radfahrer jeden Ufernutzer trifft“. Wolff zeigt auf Vereins- und Bootshäuser, die bald nicht mehr stehen könnten. Sie deutet auf Seerosen und Wasservögel, die sich vom Bootsverkehr offenkundig nicht stören lassen. Wenn jemand ein Interesse an der intakten Natur habe, dann seien es die Wassersportler.

Das sagen die Wasser-Demonstranten

Alexander Pirich (42) ist Chef einer Bootsbau-Firma. Er sagt: „Umweltschutz und Wassersport sind keine Gegensätze! Da kann der Senat vom Bodensee lernen.“

Alexander Pirich (42) ist Chef einer Bootsbau-Firma. Er sagt: „Umweltschutz und Wassersport sind keine Gegensätze! Da kann der Senat vom Bodensee lernen.“

© Paulus Ponizak

Der Politiker Ralf Henze (FDP) beklagt, dass den Öko-Plänen die Verhältnismäßigkeit fehle. Er sagt: „Die Umweltverwaltung ist mit der Aufgabe überfordert.“ 

Der Politiker Ralf Henze (FDP) beklagt, dass den Öko-Plänen die Verhältnismäßigkeit fehle. Er sagt: „Die Umweltverwaltung ist mit der Aufgabe überfordert.“ 

© Paulus Ponizak

Rainer Walz (62) besitzt ein Bootshaus am Müggelsee und vermietet „Bootsparkplätze“. Er sagt: „Wenn die Öko-Verordnung kommt, bleiben die Kunden weg.“

Rainer Walz (62) besitzt ein Bootshaus am Müggelsee und vermietet „Bootsparkplätze“. Er sagt: „Wenn die Öko-Verordnung kommt, bleiben die Kunden weg.“

© Paulus Ponizak

„Die Umweltauflagen zerstören das Naturerlebnis Müggelsee“, sagt Demo-Organisator Hagen Jerzynski (41). Das betreffe auch Ufernutzer – etwa Radler.

„Die Umweltauflagen zerstören das Naturerlebnis Müggelsee“, sagt Demo-Organisator Hagen Jerzynski (41). Das betreffe auch Ufernutzer – etwa Radler.

© Paulus Ponizak

Im Köpenicker Becken, wo das Gewässer auf die Altstadt trifft, stößt das Veranstalter-Boot auf die anderen Demo-Teilnehmer. Rasch sammeln sich rund 100 Boote, auch Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) lässt sich blicken. Mittelpunkt der Demo-Aktion ist ein schwimmendes Protestfloß mit Lautsprecher-Anlage. Der Bootsbauer und Demonstrant Alexander Pirich (42) sagt: „Wenn der BER eröffnet, dürfen die Flugzeuge über den See düsen, aber unten sollen Naherholung und Wassersport wegfallen – klarer Fall von Doppelmoral!“ Pirich will sich ein neues Revier suchen, falls der Senat Ernst macht.

Protest-Paar im kleinen Flitzer. Auf dem Plakat steht: „Naturschutz – aber so nicht!“

Protest-Paar im kleinen Flitzer. Auf dem Plakat steht: „Naturschutz – aber so nicht!“

© Paulus Ponizak

Hintergrund der Umweltpläne ist eine EU-Richtlinie für den Gewässer- und Artenschutz. Das Konzept wurde nach ersten Bürgerprotesten bereits abgespeckt, aber der erreichte Kompromiss hat zwei Haken: An den Verhandlungen nahmen nur die Sportverbände teil, eine richtige Bürgerbeteiligung gab es nicht.

Hinzu kommt, dass bisher keine Variante der Öko-Verordnung umgesetzt wurde.
Der Demo-Redner und Bundestagskandidat Ralf Henze (FDP) sagt es so: „Der Senat muss Anlieger und Gewerbetreibende jetzt mit ins Boot holen. Wir wollen nur Verbote, die wirklich nötig sind!“

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