Wann waren Sie das letzte Mal rundum glücklich? Im Kreise Ihrer Lieben, im Büro, am Meer, in einer Bar? Und wie empfinden Sie Glück? Da unterscheiden sich Menschen nämlich gewaltig. Und wie misst man Glück? Der KURIER begab sich auf Spurensuche und ließ sich das von Experten erklären.
Was bedeutet Glück?
Als Glück bezeichnet man ein tiefes Gefühl, einen inneren Frieden. „Wer glücklich ist, ist gelassen, entspannt, freundlich, friedvoll und liebevoll“, sagt Glücksforscher Sebastian Lützig aus Blankenheim.
Ist Glück ein Zustand oder nur eine Momentaufnahme?
Leider meistens Letzteres. Ereignisse dauern ja nur einen Moment lang und leider verschwindet damit auch oft das Glücksgefühl, so Dr. Hilke Brockmann, Professorin für Soziologie an der Jacobs University in Bremen.
Und wie anstrengend ist es, das Streben nach Glück?
Es kann anstrengend sein, wenn wir es verzweifelt suchen. Dann wieder mühelos, weil es uns einfach so zufällt. Daher gelassen bleiben. Und immer daran denken: Das Leben ist nicht immer ein Wunschkonzert.
Warum wirken manche Menschen auf Außenstehende „immer“ so glücklich?
Menschen, die von ihrer Persönlichkeit her eher ausgeglichen und optimistisch sind, geraten nicht so schnell aus dem emotionalen Gleichgewicht wie Menschen mit einer pessimistischen Einstellung. Doch auch bei ihnen herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Glücksforscherin Sonia Laszlo warnt vor Trugschlüssen, die zum Beispiel durch soziale Netzwerke entstehen: „Die meisten teilen in der Regel nur Positives. Dadurch entsteht der Eindruck eines scheinbar immer anhaltenden Glücks.“ Das sei aber gar nicht möglich, so die Autorin („Fuck Happiness“, Goldegg Verlag).
Kann man Glück messen?
An diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander. Glücksforscherin und Autorin Simone Langendörfer geht davon aus, dass Glück und Zufriedenheit nicht wissenschaftlich gemessen oder nachgewiesen werden können. Volkswirt und Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel hält dagegen: „Emotionales und kognitives Wohlbefinden können durch Befragungen ermittelt werden.“ In groß angelegten empirischen Untersuchungen hat die Glücksforschung inzwischen eine breite Datenbasis über das subjektive Wohlbefinden der Bevölkerung geschaffen.
Auf der nächsten Seite lesen Sie unter anderem, ob Geld auch ein Glücks-Faktor ist.
Welche Methoden gibt es noch?
Unendlich viele. Neurowissenschaftler messen den Stoffwechsel in bestimmten Hirnregionen, Emotionsforscher interessieren sich für bestimmte mimische Veränderungen im Gesicht. Trotzdem bleibt Glück immer wieder ein Rätsel. Und vielleicht auch, weil es letztlich doch ein subjektives Empfinden ist.
Und was genau macht uns glücklich?
Laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse mit dem Titel „Bleib locker, Deutschland“ ist die Gesundheit einer der wichtigsten Faktoren. „52 Prozent der Befragten, die ihre Gesundheit als gut oder sehr gut einschätzen, sagen von sich, ebenfalls sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf ihres Lebens zu sein“, sagt Susanne Hertzer, TK-Chefin in Berlin.
Was ist mit den zwischenmenschlichen Komponenten?
Sie sind nicht zu unterschätzen. Beziehungen machen glücklich. 52 Prozent derjenigen, die einen Partner haben, sind sehr zufrieden. Geborgenheit, Vertrauen, Nähe machen einfach glücklich. Und eine Familie ebenso. Sonia Laszlo: „Das liegt am Weitergeben der Werte und Traditionen und letztlich auch der Gene in die nächste Generation.“
Job und Bildung machen glücklich.
Die TK-Studie ergab, dass regelmäßige Arbeit bei 40 Prozent der Befragten für sehr große Zufriedenheit sorgt. Außerdem löst Interesse an den unterschiedlichsten Dingen ein Hochgefühl aus. Sonia Laszlo: „Glück ist mit dem Lernen eng verbunden, damit die Evolution eine Vorwärtsbewegung erhält.“
Geld gleich Glück?
Laut TK-Studie sind die Menschen glücklicher, wenn sie keine Geldsorgen haben und das monatliche Haushaltsnettoeinkommen über 4000 Euro liegt. Diejenigen, die weniger als 1500 Euro verdienen, sind am unzufriedensten. Doch nicht immer: Dass man auch ohne Geld glücklich sein kann, beweist Raphael Fellmer. Der Autor lebt von dem, was in Biosupermärkten in der Tonne landet, bekommt seine Kleidung von Verwandten und Freunden. Damit übt der Berliner (30) Kritik an Verschwendung und Überfluss.
Was macht unglücklich?
Misserfolge, Engagement, das nicht belohnt wird – das zehrt am Selbstwertgefühl und macht unglücklich, so der Psychologe Karl Kreichgauer. Oder soziale Einsamkeit – wie abends allein vor dem Fernseher zu liegen.
Was können wir tun, um glücklicher zu werden?
Es geht nicht darum, alles zu optimieren. „Man sollte sich darüber im Klaren werden, womit man seine Zeit verbringen will“, sagt Kreichgauer. Das kann Zeit mit Familie und Freunden sein, Hobbys wie Tanzen oder andere beglückende Freizeitaktivitäten. Anderen Menschen zu helfen, kann auch zum eigenen Glück beitragen. Philosoph Peter Singer im „Spiegel“: „Selbstachtung ist eine wichtige Komponente des Glücksgefühls. Und anderen Gutes zu tun, mehrt das Selbstwertgefühl.“
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