Trotz Abschiebung von Familien-Boss

Die ungebrochene Macht des libanesischen Clans

Abschiebung von Ibrahim Miri lässt Berliner Kriminelle völlig kalt.

Philippe Debionne
Lesezeit 4 Min
Mehrere Mitglieder des Miri-Clans posieren in Rockerkutten. 

Mehrere Mitglieder des Miri-Clans posieren in Rockerkutten. 

© Miri-Clan/FB

Mit Ibrahim Miri ist eine der einflussreichsten und zugleich gefährlichsten Personen aus dem kriminellen Großfamilien-Milieu in den Libanon gebracht worden. Der Clan selbst ist aber nach wie vor in Deutschland aktiv. Laut Polizei vor allem in Bremen, Essen und in den vergangenen Monaten – auch in Berlin. 30 Familien mit rund 3000 Mitgliedern sollen unter dem Kommando des 46-jährigen Ibrahim Miri gestanden haben.

Viele Gefolgsleute

Ob dem Mann die Führung des kriminellen Imperiums durch seine Abschiebung tatsächlich genommen wurde oder er die laut Polizei weit verzweigten Geschäfte (Drogen, Prostitution, Menschenhandel, Waffen) vom Libanon aus weiter dirigiert, lässt sich nach Ansicht eines Berliner Ermittlers derzeit nur schwer beurteilen.

„Der Mann hat nach wie vor seine Gefolgsleute, die ihm blind gehorchen“, so der Polizist. Und da er im Libanon nach derzeitigem Kenntnisstand ein freier Mann ist, wird er „dort vermutlich völlig frei agieren können“, so der Ermittler weiter.

Dass Ibrahim Miri möglicherweise in wenigen Monaten nach Deutschland zurückkehren könnte, hält man zumindest bei Teilen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) für unwahrscheinlich. Er könne sich „bei einer illegalen Wiedereinreise nicht frei bewegen“ und wisse, „dass die Clans im Visier der Strafverfolgung stehen“, teilte die DPolG gestern bei Twitter mit.

Der Mann habe schlichtweg „ein Problem, er ist sehr bekannt, um nicht zu sagen amtsbekannt“. Eine erneute Einreise mit anderem Namen und einem gefälschten Pass wolle man demnach durch klassische Polizeiarbeit verhindern.

Abschiebung von Miri-Clan-Chef kam für Berlins Unterwelt überraschend 

Unabhängig von der Abschiebung des mächtigen Clan-Bosses ist nicht auszuschließen, dass die hiesigen kriminellen Mitglieder des Miri-Clans auch weiterhin versuchen werden, ihre Geschäfte unbeeindruckt und unverändert zu betreiben. Vor allem für die Hauptstadt dürfte die Abschiebung von Ibrahim Miri eine weitaus geringere Auswirkung auf den Einfluss der Familie haben, als es sich die Sicherheitsbehörden wünschen.

Denn mit Ahmad M. lebt ein ebenfalls sehr mächtiges Mitglied des Clans in Berlin. Der 38-Jährige aus Wedding saß wegen Drogendelikten im Gefängnis, war zeitweise Mitglied der als höchst gefährlich und kriminell eingestuften Bruderschaft Arabisch-Kurdischer Clan (AKC) sowie eines der Gründungsmitglieder des mittlerweile wieder aufgelösten Rockerclubs Guerilla Nation.

Ob einer der zwölf polizeibekannten Clans oder der großen Rockerclubs wie Bandidos, Hells Angels oder Gremium MC versuchen werde, Geschäftsfelder des Miri-Clans zu übernehmen, „sei reine Spekulation“, so der Ermittler. Was auch daran liegt, dass die Abschiebung von Ibrahim Miri für Berlins Unterwelt völlig überraschend kam.

Andreas Geisel will Berliner Kriminelle aus Deutschland ausweisen 

In jedem Fall werde man „den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und den Druck auf die organisierte Kriminalität hochhalten“, teilte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag mit.

Verfahren in Bremen gegen ehemalige Mitglieder des verbotenen Rocker-Clubs Mongols wegen Drogenhandels: Rechts der Angeklagte Ibrahim Miri. 

Verfahren in Bremen gegen ehemalige Mitglieder des verbotenen Rocker-Clubs Mongols wegen Drogenhandels: Rechts der Angeklagte Ibrahim Miri. 

© Weser Kurier/Christina Kuhaubt

„Auch wenn der Weg lang ist: Unsere Sicherheitsbehörden werden diesen Personen weiterhin auf den Füßen stehen.“

Zudem kündigte Geisel indirekt an, auch Berliner Kriminelle aus Deutschland auszuweisen. So sagte Geisel wörtlich: „Da, wo es möglich ist, kommen auch Abschiebungen in Betracht.“ Zumindest für Ahmad M. dürfte diese Aussage des Innensenators jedoch völlig belanglos sein.

Abschiebestopp für Syrien

Denn M., der bei der Berliner Ausländerbehörde als staatenloser Palästinenser geführt wurde, soll kürzlich bei der syrischen Botschaft vorstellig geworden sein. Hier soll er mit entsprechenden Dokumenten nachgewiesen haben, dass er in Wahrheit syrischer Staatsbürger sei – und daraufhin einen syrischen Pass bekommen haben.

Weil es laut Auswärtigem Amt „erhebliche Risiken für Rückkehrer“ gebe, wurde auf der Innenministerkonferenz der Abschiebestopp nach Syrien verlängert. Die Regelung greift auch für Gefährder oder Straftäter. Und damit auch für Ahmad M. 

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