Warum das Eintrichtern von Pisa-Fähigkeiten gar nichts bringt

Heiner Geißler
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Die chinesische US-Professorin Amy Chua beschreibt in ihrem neuesten Buch, wie sie ihre Töchter zu musikalischen Höchstleistungen treibt: Durch erzwungenen Drill mit sechsstündigem Üben pro Tag.Zeitgleich wurden in der letzten Pisa-Studie die Leistungen der Schulen in Shanghai am Höchsten bewertet. Dort wird am Tag zehn Stunden gepaukt. Sofort schrie die leistungsorientierte Elite in Deutschland: Seht, man muss den deutschen Kindern Beine machen, damit auch sie im Lesen, Rechnen und Schreiben an die Weltspitze kommen.Aber die staatliche "China-Daily" bezeichnete bereits die Shanghaier Schüler als Testmaschinen und inzwischen stellt sogar der chinesische Premier We Jiabao fest, dass es den chinesischen Studenten an praktischen Fähigkeiten und kreativem Geist fehle. Nicht umsonst sind die Chinesen für ihren Erfolg auf den Weltmärkten auf geistigen Diebstahl, Produktpiraterie und gnadenlose Ausbeutung von Mensch und Natur angewiesen.Das menschliche Hirn besitzt zwei Teile. Die eine Hälfte ist für das kognitive Denken, also z. B. Rechnen und Schreiben, zuständig, die andere Hälfte für das Kreative, für Kunst und Sport. Infolge dessen ist die schulische Förderung beider Fähigkeiten für die Zukunft der Kinder entscheidend, wie Schulversuche in der Schweiz beweisen. Mehr Sport, mehr Musik und Fremdsprachen sind heute wichtig, nicht das Eintrichtern der Pisa-Fähigkeiten.Insofern hat Frau Amy Chua wenigstens etwas richtig gemacht: Sie hat den Kindern nicht Rechnen eingebläut, sondern etwas Kreatives, nämlich das Musizieren, beigebracht.

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