„Warnstreik!“ ist auf Plakaten am Tor zum Schloss Charlottenburg zu lesen. 20 Frauen und Männer schwenken Fahnen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Es sind Schlossführer, Kassierer und Museumswärter der Schlösserstiftung. Auch vor dem Neuen Palais in Potsdam stehen die Streikenden.
„Friedrich der Große“ kann vom Lohn des Schlossführers nicht leben.
© Katrin Bischoff
Alexander Hundt verteilt Flugblätter. Im Schloss Charlottenburg ist er Kassierer. „Die Schlösser sind ein Aushängeschild der Region, sie werden jedes Jahr von Millionen Touristen besucht. Deswegen ist es traurig, dass die Beschäftigten für einen Lohn arbeiten müssen, von dem sie nicht leben können“, sagt der 53-Jährige. Hundt selbst arbeitet nur 20 Stunden in der Woche für 10,50 Euro die Stunde. Er würde gerne länger arbeiten. So muss er sich wie viele seiner Kollegen mit einem Zweitjob über Wasser halten.
Seit 13 Jahren kein Tarifvertrag mehr
2003 wurden die Mitarbeiter des Servicebereichs der Schlösserstiftung ausgegliedert in die Fridericus Service Gesellschaft (FSG). Seit 13 Jahren gibt es für die 650 Beschäftigten keinen ihrer Arbeit entsprechenden Tarifvertrag mehr. Sie wurden eingruppiert in den Tarifvertrag des Sicherheitsgewerbes, der den Mindestlohn vorsieht. „Dort aber gehören die Angestellten der FSG nicht hinein“, sagt Petra Honig von Verdi. Die Gewerkschaft wolle erreichen, dass die Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder bezahlt werden – so wie die Angestellten der Schlösserstiftung.
Kassierer Alexander Hundt hält sich mit einem Zweitjob über Wasser.
© Katrin Bischoff
Während das Schloss Charlottenburg am Nachmittag wieder besucht werden kann, bleiben das Neue Palais, die Herrenhäuser Glienicke und Königs Wusterhausen wegen des Ausstands den ganzen Tag dicht.
Stiftungssprecher Frank Kallensee versteht den Ausstand nicht. Die FSG-Mitarbeiter seien in den Tarifvertrag der Sicherheitswirtschaft übernommen worden, der mit Verdi ausgehandelt worden sei, sagt er. Im übrigen kämen Schlossführer mit Zulagen im nächsten Jahr auf einen Stundenlohn von etwa 15 Euro. Und die FSG-Geschäftsführung sei der Gewerkschaft bereits entgegengekommen: mit der Einführung eines Jobtickets und der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Mit einer Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst sei die FSG allerdings wirtschaftlich überfordert.
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