Ein Paar in Neubrandenburg fühlte sich am Montagabend von einer Gruppe bedrängt und wählte den Notruf. Als die Beamten eintrafen, klärte sich schnell, wer hier wem gefolgt war.
Die Verfolger waren Zeugen
Es gibt Anrufe bei der Polizei, die man besser nicht getätigt hätte. Eine 22-Jährige und ihr 31 Jahre alter Begleiter meldeten sich am späten Montagabend in Neubrandenburg, weil sie sich von einer Gruppe von Verfolgern belästigt fühlten. Die Beamten rückten in die Oststadt aus.
Vor Ort ergab sich ein etwas anderes Bild. In der Umgebung waren mehrere Wahlplakate des Teams Freiheit demoliert worden – und die vermeintlichen Verfolger stellten sich bei der Befragung als Zeugen heraus.
Team Freiheit ist eine 2025 von Frauke Petry (früher AfD) und Thomas Kemmerich (früher FDP) gegründete Partei, die den Staat auf Sicherheit, Verfassung und Infrastruktur beschränken und staatliche Regulierung weitgehend abschaffen will.
© Serienlicht/Imago
Sie hatten das Paar nach Angaben eines Polizeisprechers bei den Zerstörungen beobachtet und waren ihm anschließend hinterhergegangen. So lange, bis die Polizei eintraf. Herbeigerufen ausgerechnet von denen, die sie im Blick behalten wollten. Gegen die beiden Anrufer wird nun wegen Sachbeschädigung ermittelt.
Auch in Neustrelitz war jemand aufmerksam
Es blieb in dieser Nacht nicht bei einem Fall. Gegen 2 Uhr wurden in Neustrelitz zwei Jugendliche dabei ertappt, wie sie Plakate zerstörten. Auch hier hatte ein aufmerksamer Zeuge die Polizei gerufen. Betroffen waren Plakate der Linken.
Warum das so selten passiert
Zerstörte Wahlplakate gehören in jedem Wahlkampf zum Bild. Im Berliner Wahlkampf sind laut Berichten des Tagesspiegel vor allem die Wahlplakate der AfD am stärksten von Vandalismus, Zerstörung und Brandstiftungen betroffen. Aufgeklärt werden nur wenige der Vandalismus-Vorfälle. Die Taten passieren nachts, meist in Sekunden, und wer sie begeht, ist längst weg, bevor jemand etwas meldet.
Berlin: teilweise zerstörte Wahlplakate an der Leipziger Straße
© Britta Pedersen/dpa
Umso bemerkenswerter ist, was in Neubrandenburg passiert ist. Zwei Verdächtige haben sich selbst ans Telefon gehängt und die Polizei an den Tatort bestellt. Man könnte fast sagen: Sie haben die Aufklärungsquote ehrenamtlich verbessert.
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