Aus Peter soll etwas Großes werden. Er ist der einzige Sohn des Wiener Bankangestellten Anton Neumayer. Dieser ist ein prinzipientreuer Mensch. Einer, der in der österreichisch-ungarischen Monarchie groß geworden ist. Seinem Sprössling schreibt er am 30. Juni 1927 zwei weitere Vornamen in die Geburtsurkunde. Namen früherer Kaiser: Peter Alexander Ferdinand Neumayer.Peter wird vom Vater im Geist der alten Zeit erzogen. Mit viel Wert auf Disziplin und tadellosen Manieren. Seine Mutter Berta ist weniger streng. Vor allem aber hat sie eine weiche, sehr musische Seite. Sie stammt aus einer Familie, die im böhmischen Pilsen ein Geschäft für Musikinstrumente betrieben hat. Beim Großvater entdeckt der kleine Peter dann eine neue Welt für sich. Viel aufregender als Blecheisenbahnen oder akkurat aufgestellte Zinnsoldaten. Peter trommelt lieber, bringt sich selbst erste Tonfolgen auf dem Klavier bei. Es ist sein heimliches Spiel-Paradies. Denn er weiß: Vater Anton ist alles Künstlerische fremd. Als er einmal zaghaft äußert, er wolle vielleicht einmal Schauspieler werden, maßregelt ihn der Vater: "Das ist doch kein Beruf. Da wirst du im Alter arbeitslos und abgetakelt in einem Kaffeehaus herumsitzen. Oder vorher am Galgen enden."Förster - das kann sich der Naturliebhaber (und begeisterte Freizeit-Angler) schließlich als Beruf vorstellen. Doch die Eltern entscheiden anders: Du wirst Arzt. Doch zunächst durchkreuzt der Krieg alle Zukunftspläne. Mit 17 Jahren wird Peter - nach einem Not-Abitur - 1944 als Flakhelfer eingezogen, dann von den Briten gefangen genommen.Es ist ein Glück im Elend: Auf der improvisierten Bühne im Gefangenlager, weit weg von den strengen Blicken des Vaters, blüht der dürre und wohlerzogene, aber meistens lächelnde junge Mann richtig auf. Und er erheitert seine Kameraden mit seinem reichlich vorhandenen komödiantischen Talent. Auch das selbst beigebrachte Klavierspiel kommt ihm nun zugute, begleitet seine schöne, klare Tenorstimme. Es ist die Geburt eines begnadeten Entertainers, der eine besondere Dankbarkeit in den Augen seiner ersten Zuschauer spürt: Menschen, die Schlimmes erlebt haben und die sich sehnlichst eine Ablenkung erhoffen. Abtauchen in eine heile Welt. Dieses Erlebnis ist prägend für den späteren, seinem Publikum stets so eng verbundenen Unterhaltungs-Großmeister.Die Heimkehr ins zerbombte Wien ist nur von kurzer Dauer. Der Vater stirbt früh im Jahr 1947. Berta Neumayer zieht daraufhin nach London, um als Kindermädchen das Geld für das Studium ihres Sohnes zu verdienen. Der erlebt in der britischen Metropole ganz andere Musik als er sie von seiner walzerseligen Heimat kennt. It's showtime! Nach dem Besuch eines Konzertes von Frank Sinatra beschließt er: "So wie der will ich auch werden."In Wien schmeißt er nach nur einer Vorlesung das Medizinstudium und bewirbt sich bei der Max-Reinhardt-Schauspielschule. Er wird angenommen, geht direkt danach ans berühmte Burgtheater. Dort muss sich der ehrgeizige Absolvent mit dem "Hoppla-jetzt-komm-ich-Charme" aber zunächst ganz hinten anstellen. Statt Shakespeare oder Schiller spielt er nur kleine Rollen, bessert als Kulissenschieber und Laufbursche seinen Verdienst auf. Als einmal ein Schauspieler erkrankt, spricht ihn der damalige Intendant Franz Stoß hinter der Bühne an: "Du Langer du, du hast ein freches Mundwerk. Könntest du heute Abend einspringen?" Auf dem Spielplan steht eine Komödie.Wieder ein Sprung ins kalte Wasser. Wieder ein entscheidender Glücksmoment. Der Mann, der sich ab nun nur noch nach seinen ersten beiden Vornamen "Peter Alexander" nennt, erkennt sein wahres Talent: Ihm fliegt das Leichte zu. Eine Gabe, die Herzen öffnet. Und wofür sich andere Schauspieler oder Sänger oft vergeblich abrackern. Peter Alexander vereint nicht nur beide Talente. Er tänzelt auch noch galant mit dem Charme eines Lausbuben durchs Leben, das ihm nun alle Möglichkeiten eröffnet. Nur die richtige Frau an seiner Seite fehlt ihm noch.Morgen lesen Sie:Wie Peter Alexander mit Dolores und Hilde zum Star aufsteigt------------------------------Rademann: Peter wollte nur noch zu Hilde und Susi in den HimmelWien Dem ersten Schock und der ersten Trauer folgt ein Gefühl der Leere. Peter Alexander (tot 84), einer der größten deutschsprachigen Entertainer aller Zeiten, ist nicht mehr unter uns. Für seine Freunde hat sich sein Abschied abgezeichnet."Von seinem Publikum hatte er sich schon vor langer Zeit verabschiedet, nun auch von dieser Welt", sagt Wolfgang Rademann (76) dem Berliner KURIER. Der TV-Produzent ("Traumschiff") hat Peter Alexander auf seinen Tourneen und Konzertreisen begleitet, war Mitte der 60er Jahre sein Pressechef. Rademann zählte zu den engsten Freunden des großen Entertainers. "Peter war nicht am Körper krank, sondern am Herzen. Den Tod seiner Frau Hilde und seiner Tochter Susi hat er nie verwunden." Seine letzten Worte an seinen Freund Rademann waren: "Ich will nicht mehr. Es lohnt sich nicht mehr für mich zu leben".Der TV-Produzent erlebte einen "schleichenden Prozess der Vereinsamung in den letzten Jahren", sagt er. "Zunächst freute sich Peter noch auf sein Essen, auf Schweinebraten, Saftgulasch und Rotwein, auf Sport im Fernsehen, auf seine tägliche Patience und sein Klavierspiel." Doch in den letzten Monaten habe seine Freude am Leben immer mehr abgenommen. "Er sagte zu mir: Die zwei da oben warten auf mich", erzählt Rademann.Peter Alexander lehnte seit Jahren alle Angebote ab, hatte sich völlig ins Private zurückgezogen. "Einer seiner größten Hits steht als Lebenszeile über ihm", sagt Rademann. "Hier ist ein Mensch!"Peter Alexander wird am kommenden Sonnabend in Wien aufgebahrt. Für die Öffentlichkeit soll ein Kondolenzbuch ausgelegt werden. Abschied von einem ganz Großen, der doch so sehr die leisen Töne liebte.------------------------------Zwischenzeile: Mit Lausbuben-Charme tänzelte er durchs LebenBU: Ausflug zum Großglockner: Peter Alexander (r.) mit Freunden.BU: Partner im Geschäft, Freunde fürs Lebens: TV-Produzent Wolfgang Rademann und Peter Alexander bei einer Show im Berliner Friedrichstadtpalast.
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