Falscher Polizist

Die miese Masche der Trickbetrüger

Gerade bei Touristen haben die Trickser oft leichtes Spiel.

Lutz Schnedelbach und Maike Schultz
Lesezeit 3 Min
So sehen echte Drogenfahnder in Berlin aus, hier bei einer Razzia in Gesundbrunnen.

So sehen echte Drogenfahnder in Berlin aus, hier bei einer Razzia in Gesundbrunnen.

© Imago/PEMAX

Am Amtsgericht Tiergarten muss sich ein 41-Jähriger verantworten, der als falscher Polizist mit Komplizen Geld von Berlin-Besuchern ergaunert haben soll. Der Angeklagte soll als Mitglied einer Bande agiert haben, die Bargeldbestände von Touristen „überprüft” und dabei Opfern Summen in Höhe von bis zu 4500 Euro gestohlen haben.

Ihm wird Bandendiebstahl und Amtsanmaßung vorgeworfen. Laut Anklage hatte sich der Mann in der Zeit von April bis zu seiner Festnahme im Dezember 2016 siebenmal als Polizist ausgegeben. 

Diese Masche ist bei Trickbetrügern in Berlin schon seit einigen Jahren beliebt. In Ermittlerkreisen wird sie als „Polizistentrick“ bezeichnet. Er wird vor allem bei Touristen erfolgreich angewandt und funktioniert so: Eine Gruppe von bis zu drei Männern stellt sich als Drogenfahnder vor und zeigt den Berlin-Besuchern einen gefälschten Ausweis mit der Aufschrift Polizei. Die verschreckten Opfer tun dann das, was die angeblichen Polizisten von ihnen verlangen.

Getarnt als Drogenkontrolle

So ging es etwa 2014 in Mitte drei Männern aus Ecuador. Die Täter drängten sie dazu, ihre Taschen und Rucksäcke für eine Kontrolle zu öffnen und gaben vor, nach Drogen zu suchen. Dabei ließen sie sich die Geldbörsen sowie Brillenhüllen oder andere Behältnisse in den Taschen zeigen.

Sie nahmen die Dinge einzeln in die Hand, inspizierten sie und gaben die Sachen anschließend den Touristen wieder zurück. Diese merkten erst später, dass ihr Geld verschwunden war. Da waren die Täter längst weg. Die Aussicht, das Geld wieder zu bekommen, ist nahezu aussichtslos.

Die Mitglieder solcher Banden sind nach Polizeiangaben meist alle über 1,80 Meter groß und breitschultrig, um möglichst einschüchternd zu wirken. Sie tragen zumeist Jeans, Kapuzenshirts und schwarze Lederjacken. An ihren Gürteln hängen nachgemachte Handschellen, manche haben auch einen Schlagstock dabei - ganz so als seien sie Zivilfahnder.

Die Betrüger stehlen mit dieser Masche so lange, bis sie eine zuvor festgelegte Summe zusammen haben. Dann fahren sie zurück in ihre Heimatländer, sagte ein echter Ermittler. Dort seien sie mit ihrem "Job" durchaus anerkannt. Sei das Geld aufgebraucht, kommen sie wieder nach Deutschland und rauben weiter.

Auf Asiaten und Südamerikaner abgesehen

Ihre Opfer seien vor allem Südamerikaner und Asiaten, so der Fahnder. Das liege daran, dass Touristen aus diesen Regionen nicht unterscheiden können, ob Polizisten Deutsche sind oder ob sie das nur vorgeben. Schließlich könnten Deutsche, die in Vietnam, Laos oder Kambodscha angesprochen werden, auch nicht erkennen, ob sie Einheimische vor sich haben. Mittlerweile wurden Mitarbeiter von Hotels, Hostels und Herbergen über die neue Masche informiert und gebeten, sich zu melden, wenn falsche Polizisten Gäste kontrollieren.

Aber nicht nur in die Rolle von Polizisten schlüpfen die Täter. Auch andere „Respektpersonen“ werden für falsche Identitäten missbraucht. So warnte die Berliner Schornsteinfeger-Innung 2015 vor Trickbetrügern, die sich in Schornsteinfeger-Uniformen Zutritt zu Wohnungen und Häusern verschaffen. So hätten aufmerksame Anwohner in zwei Fällen in Westend verhindert, dass die Männer in die Häuser eindringen konnten.

Sie interessieren sich vor allem für Bargeld, Geldbeutel, Schmuck und andere Wertgegenstände. Oft sei die Arbeitskleidung kaum vom Original zu unterscheiden, teilweise seien die Betrüger auch in echten Uniformen unterwegs. Bei Zweifeln darüber, ob es sich um einen echten Schornsteinfeger handelt, empfiehlt die Innung, telefonisch bei dem Betrieb nachzufragen, der für den Bezirk zuständig ist.

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