Happy New Year

Das wünschen sich Menschen für 2019

Fünf Menschen verraten, was sie sich für das neue Jahr vornehmen.

Anne-Kattrin Palmer Volkmar Otto
Lesezeit 5 Min
Wunderkerzen gehören zu Silvester wie Feuerwerk und Neujahrsvorsätze.

Wunderkerzen gehören zu Silvester wie Feuerwerk und Neujahrsvorsätze.

© imago/Photocase

Es ist wieder so weit. Das Jahresende naht. Der Sekt wird vielerorts kalt gestellt, Utensilien fürs Bleigießen gekauft, eine Party organisiert. Für viele bedeuten die Tage zwischen den Jahren außerdem Besinnlichkeit. Ein Zurücklehnen – im Kreise der Familie und der Lieben. Viele blicken dabei zurück, nehmen sich etwas vor und hinterfragen, was sie vielleicht anders machen könnten. Oder was sie sich von Politik und Gesellschaft wünschen.

Es ist die Zeit der guten Vorsätze. Etwa 40 Prozent der Menschen nehmen sich vor Silvester vor, im kommenden Jahr etwas besser zu machen, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit. Ganz oben stehen Stressabbau, gefolgt von mehr Zeit für Familie und Freunde. 57 Prozent wollen sich im kommenden Jahr mehr bewegen oder Sport treiben. Andere schwören, weniger am Handy, dem Computer und im Internet zu hängen.

Der KURIER fragte bei Menschen nach, wie sie ins Jahr 2019 starten möchten. Wo bei ihnen der Schuh drückt, auf was sie sich freuen – und zwar im Kleinen wie im Großen.

Eric Wrede (38): „Ein bisschen mehr Zeit mit meiner Tochter“

Bestatter Eric Wrede (38).

Bestatter Eric Wrede (38).

© Volkmar Otto

Eric Wrede (38), Bestatter: „Es ist so einfach, was ich mir wünsche: Ein bisschen mehr Zeit mit meiner Tochter, die kam im letzten halben Jahr ein bisschen kurz. Und wieder Zeit für meine Freunde. Vielleicht verbindet man das. Wo ist eigentlich die Männerkneipe mit Kindergarten vor der Tür? Und um noch möglichst viel Zeit mit der Kleinen zu haben, überlege ich erstmals, mit dem Rauchen aufzuhören, vielleicht hat ja einer gute Tipps für mich. Im Politischen flößt mir die Gemengelage Respekt ein, eine kleine, aber laute Minderheit hat es jetzt geschafft, dass sich unsere Sprache und Wahrnehmung verändern. Das gilt es, klare Antworten und vor allem Grenzen zu finden, was von ganz rechts außen laut gesagt werden darf und was nicht. Aber da darf die Politik nicht losgelöst von der Gesellschaft agieren, das ist etwas, das uns jeden Tag im Alltag beschäftigen muss. Ansonsten wird es gefährlich.“

Theodora Kaiser (51): „Bitte mehr Nächstenliebe“ 

Yogalehrerin Theodora Kaiser (51).

Yogalehrerin Theodora Kaiser (51).

© Volkmar Otto

Theodora Kaiser, 51, Yogalehrerin: „Wünsche sind wichtig und daher ist meine Liste ziemlich lang, aber vielleicht wird ja einiges davon wahr, denn es hilft uns allen: Ich wünsche mir mehr Nächstenliebe. Dass wir Menschen unterstützen, die uns brauchen. Wir sollten höflicher miteinander reden und umgehen. Ich wünsche mir mehr moralisches Bewusstsein der Politik, damit das Volk etwas zufriedener sein kann. Zudem erhoffe ich mir finanzielle Vergütungen für Alleinerziehende, Rentner und Behinderte. Bezahlbare Wohnungen sowie weniger Verkehr in den Innenstädten, damit wir wieder richtig durchatmen können, ohne Verschmutzungen zu inhalieren. Genauso wie bessere Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs zu bezahlbaren Preisen, mehr Unterstützung in die Bildung unserer Kinder – und das alle anfangen, an alle zu denken.“

Roxanne Soueid (32): „Ich werde 2019 öfter mal lächeln“

Architektur-Studentin Roxanne (32) aus Frankfurt am Main.

Architektur-Studentin Roxanne (32) aus Frankfurt am Main.

© Roxanne Soueid

Roxanne Soueid (32) studiert Architektur in Frankfurt am Main: „Ich wünsche mir für das neue Jahr vor allem besser Zukunftsaussichten für junge Menschen. Ich bin Studentin und sehe, wie viele Absolventen trotz guter Ausbildung keinen Job finden. Gesundheit ist wichtig. Liebe. Dass die Menschen verbindlicher miteinander umgehen. Dass man sich auf andere verlassen kann. Wir sollten uns ab und an einen Moment Zeit nehmen, über Dankbarkeit nachzudenken und vielleicht auch uns nahestehenden Menschen mitteilen, dass wir froh sind, sie zu haben. Ich vermisse Zivilcourage, dass Schwächere beschützt werden. Ich fordere mehr Engagement für unsere Umwelt und unseren Planeten, damit der Raubbau endlich aufhört. Jeder kann etwas dazu beitragen – und sei es, Plastikmüll zu vermeiden. Ich wünsche mir bezahlbare Wohnungen. In Frankfurt ist es als Studentin fast unmöglich, normal zu wohnen. Ich werde 2019 einfach öfter lächeln. Vielleicht macht es die Welt freundlicher.“ 

Nina M. Jaros (46): „Ich möchte mehr gegen Kinderarmut unternehmen“

Nina M. Jaros (46) mit Ehefrau Jane (36) und ihren zwei Söhnen (7 und 9 Jahre).

Nina M. Jaros (46) mit Ehefrau Jane (36) und ihren zwei Söhnen (7 und 9 Jahre).

© Volkmar Otto

Nina M. Jaros (46) hieß früher Norbert. Sie fühlte sich aber schon lange als Frau in einem Männerkörper.

Ende 2017 erfüllte sie sich einen ihrer sehnlichsten Wünsche. Sie ließ sich in einer Berliner Klinik umoperieren und lebt seitdem als Nina mit ihrer Ehefrau Jane (36) und den zwei Söhnen (7 und 9 Jahre) in Lemgo (Ostwestfalen). Die Ehe hielt.

Zum KURIER sagt sie mit Blick auf 2019: „Vor ein paar Jahren habe ich aufgehört, Silvester-Vorsätze zu machen, aber für die kommenden Jahre habe ich tatsächlich einen: Ich möchte mehr gegen Kinderarmut in Deutschland unternehmen. Das bedeutet, dass ich mehr Unterschriften für die Petition change.Org./kindergeld sammeln will und hoffe, dass das Thema auch in Gesellschaft und Öffentlichkeit mehr Beachtung findet.“ Sie fügt hinzu: „Ich arbeite daran, dass arme Kinder – die einfach keine Lobby haben – nicht vergessen werden.“

Gastronom (62): „Ich brauche endlich ein paar freie Tage“

Gastronom Hans-Günter Löwe (62).

Gastronom Hans-Günter Löwe (62).

© Volkmar Otto

Gastronom Hans-Günter Löwe (62) betreibt das „Blue Label“ im Bötzowkiez mit deutscher Küche. Er sagt: „Ich möchte gesundheitlich durchhalten. Aber dafür brauche ich auch ein paar freie Tage, damit ich Zeit zur Regeneration habe – ohne dass mein Lokal gleich von der Schließung bedroht ist.“

Und was wünscht er sich für seinen Beruf? „Es sollte endlich auch die Steuer für Kleinstunternehmen gesenkt werden. Es geht nicht an, dass sich ständig die Bierpreise erhöhen. Zudem sollten die Gewerbemieten nicht so gravierend steigen, damit das bodenständige Lokal nicht als traditioneller Treffpunkt verschwindet. Gut wäre es auch, die behördliche und bürokratische Überregulierung zu begrenzen.“

Sein Appell an die Politik: „Die Parteien heben sich nicht mehr voneinander ab. Das schafft beim Wähler Frust und Verdruss. Allgemein sollte der Schaffende eine größere Lobby bekommen.“

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