Eberswalde - Kerzen brennen auf Ulrikes Grab, weiße Porzellan-Engel und Teddys stehen im dichten Tannengrün. Im Februar 2001 hatte der arbeitslose Stefan J. (35) die kleine Eberswalderin entführt, vergewaltigt und erdrosselt. Ein Mord, der erst nach einer der größten Polizei-Suchaktionen in Brandenburg geklärt wurde. Seitdem ist Ulrike Brandts Schicksal unvergessen: Morgen jährt sich ihr Todestag zum 10. Mal."Dort den Weg ein Stück runter, unten am Zaun, da liegt sie!" Fast jeder auf dem Friedhof im Ortsteil Finow weiß, wo die ermordete Ulrike begraben liegt. "Wenn man mich darauf anspricht, ist mir das Geschehene gleich gegenwärtig", sagt Pfarrer Martin Appel. Er hat in den Wochen nach der Entführung und auch nach dem Fund des toten Mädchens die Familie eng betreut.Ulrike verschwand auf dem Weg zum Handball-Training. Es war der 22. Februar, ein grauer und leicht verschneiter Tag. Als ihre Tochter am Abend nicht wie sonst um 18 Uhr nach Hause kam, machte sich ihre Mutter Kerstin erste Sorgen. Es folgten Telefonate mit Lehrerinnen, Mitschülern, Freundinnen. Anrufe in Krankenhäusern. Ohne Ergebnis.Zwei Stunden später rief Kerstin Brandt die Polizei, fast starr vor Angst. Denn sie hatte Ulrikes Fahrrad gefunden - es lag nur 400 Meter vom Haus entfernt im Schnee. Genau dort hatte Stefan J. ihre Tochter mit einem zuvor gestohlenen VW-Polo umgefahren, ins Auto gezerrt und verschleppt. Als das geschah, war Ulrike gerade zehn Minuten zuvor zu Hause losgeradelt.Stephan J. raste über die Dörfer, das weinende Kind auf der Rückbank. An einem Acker in Werneuchen verging er sich an Ulrike, bevor er sie mit ihrem eigenem Schal erdrosselte. Genau zwei Wochen später, am 8. März, wurde Ulrikes Leiche von einem Passanten entdeckt. Ihre Leiche war halb verbrannt.Lebenslänglich Haft mit besonderer Schwere der Schuld lautete das Urteil. J. kann frühestens 2016 seine Entlassung und Begutachtung durch Psychologen beantragen. Er sitzt in der JVA Tegel."Es war ein hartes Schicksal für die Familie", sagte Appel. "Aber mit der Zeit sind wir alle zu unserem Alltag zurück gekehrt. Vielleicht ist es gut so." Heute hat Pfarrer Appel zu Kerstin und Detlef Brandt keinen engen Kontakt mehr. Weggezogen sind Ulrikes Eltern nie. Sie können immer noch von ihrem Haus zum Grab ihrer Tochter hinüber sehen.------------------------------BU: Mörder Stefan J. am ersten Prozess-Tag (li.). Ulrikes Eltern im Gerichtssaal (ob.). Das liebevoll hergerichtete Grab der ermordeten Schülerin.
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