Was als Lappalie begann, beschäftigte die Polizei und nun die Justiz. Angeklagt: Mechaniker Bernd U.* (53), Herrchen einer freundlichen Französischen Bulldogge. Sie spazierten am 5. Oktober 2018 auf der Weitlingstraße in Lichtenberg, als es gegen 22.25 Uhr zum Zoff auf dem Gehweg kam.
Aussage gegen Aussage
Plötzlich standen sich die Bulldogge von Bernd U. und der viel größere Staffordshire-Terrier-Mischling von Frauchen Anne K.* (28) gegenüber. Die Erzieherin: „Ich stand und telefonierte, war ihm wohl im Weg.“ Der Mann mit Dogge habe gemeckert: „Verziehen Sie sich mit Ihrer Töle.“ Sie konterte: „Sie können doch die Straßenseite wechseln.“ Hässlich habe der Fremde gepöbelt. Sie klingelte an ihrem Wohnhaus, informierte ihren Lebensgefährten. Paul T.* (33) kam, um den Doggen-Mann zur Rede zu stellen. Doch es wurde immer schlimmer.
Aussage steht nun gegen Aussage. Version von Bernd U.: „Ich habe nicht angegriffen, ich habe mich nur zur Wehr gesetzt.“ Die Frau habe verlangt, dass er mit seinem „Vieh“ verschwinden solle. Bernd U.: „Dann kam von hinten ein Mann, trat mir in den Rücken.“
Schläge mit der Hundeleine
Der Richter: „Setzten Sie Reizgas ein?“ Bernd U.: „Kann ich mich nicht dran erinnern. Ich habe den Mann auch nicht beleidigt und nicht antisemitisch beschimpft.“ Die Vorwürfe seien falsch. Opfer sei vielmehr er: „Ich hatte eine Beule am Kopf.“ Und Schläge mit der Hundeleine? U.: „Ich stand auf, schlug aus Notwehr damit.“ Paul T., ein Hüne von knapp zwei Metern, kopfschüttelnd: „Als ich ihn ansprach und wissen wollte, warum er meine Frau beleidigt, zückte er sofort das Reizgas.“ U. habe nicht aufgehört zu sprühen. T.: „Da schlug ich ihm meine Faust ins Gesicht.“ Die Retourkutsche: „Schläge mit der Hundeleine über den Rücken.“
Der Richter: „Was machten die Hunde in dieser Zeit?“ Anne K.: „Die verstanden sich gut.“ Zum Urteil in dem Verfahren um Beleidigung, Volksverhetzung, Körperverletzung kam es aber noch nicht: Der Richter ordnete eine Begutachtung der Schuldfähigkeit von U. an.
(*Namen von der Redaktion geändert)
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com