Vopo-Knast

Sie blicken auf die schlimmste Zeit ihres Lebens

Gut 40 ehemalige politische Häftlinge besuchten das sonst unzugängliche Ex-Polizeigefängnis in der Keibelstraße.

MARCUS BÖTTCHER
Lesezeit 2 Min
Gut 40 ehemalige politische Häftlinge besuchten am Donnerstag das sonst unzugängliche Ex-Polizeigefängnis in der Keibelstraße.

Gut 40 ehemalige politische Häftlinge besuchten am Donnerstag das sonst unzugängliche Ex-Polizeigefängnis in der Keibelstraße.

© Teich Lizenz

Fest drückt Christine Schulz die Hand ihrer Tochter Jessica. „Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter“, gesteht die 51-Jährige dem KURIER-Reporter.

In dem Gefängnis begann im Januar 1985 die schlimmste Zeit ihres Lebens. „Ich habe versucht, über Ungarn nach Jugoslawien zu flüchten. 50 Meter haben gefehlt, Grenzsoldaten schossen auf mich. Da habe ich aufgegeben.“

Zur Untersuchungshaft kam Schulz in die Keibelstraße. 30 Jahre später zeigt sie mit dem Finger nach oben. „In der 6. Etage saß ich mit 15 Frauen in einer Zelle“.

Die heutige Weddingerin schmorte zwischen einer Scheckbetrügerin und einer Kindsmörderin. „Immer wieder wurden wir verprügelt, psychisch fertig gemacht, sie durchsuchten unsere Körperöffnungen.“

Nach zwei Monaten wurde Schulz nach Hoheneck verlegt und später von der BRD freigekauft. Wie ihr erging es vielen.

Neben Kriminellen waren nahe dem Fernsehturm Oppositionelle, Regimekritiker, Fluchtwillige und Teilnehmer an verbotenen Protestkundgebungen inhaftiert.

Allein mehr als 600 Gefangene der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen wurden hier verhört.

Deshalb fordert die „Initiativgemeinschaft Ehemaliges Polizeigefängnis Keibelstraße“ um den ehemaligen Häftling Rainer Dellmuth, aus dem seit 20 Jahren für die Öffentlichkeit unzugänglichen Ex-Gefängnis eine Gedenkstätte zu machen.

Bislang vergeblich. Denn der Senat lehnt ab. Begründung mit Schmunzelfaktor: Fehlende Fluchtwege.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema