Dietmar Glombitza wurde das linke Bein amputiert. Trotz seiner Behinderung hat er seinen eisernen Willen nicht verloren und kämpft sich mühsam zurück ins Leben. Doch statt ihn zu unterstützen, verhindert ausgerechnet der Staat, dass er wieder arbeiten gehen kann und zahlt ihm lieber eine Zwangsrente.
Die Geschichte klingt unglaublich: Dieser Berliner möchte gerne arbeiten, aber man lässt ihn nicht. Das Drama begann vor knapp zwei Jahren: Der gelernte Kraftfahrer aus Kladow verliert nach einem akuten Arterienverschluss seinen linken Unterschenkel und wird zwangsberentet. Er wehrt sich dagegen, aber der Rententräger ignoriert das einfach.
Glombitza ist verzweifelt
Seit einem halben Jahr ist Glombitza 30 bis 37,5 Stunden pro Monat im Wareneingang in einem Berliner Baumarkt tätig, obwohl er nach Ansicht der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See gar nicht arbeiten kann.
Der Mann ist verzweifelt, ihn plagen wegen der plötzlichen Behinderung große Existenzsorgen. Die Rentenkasse überweist ihm jeden Monat gegen seinen Willen 425 Euro Erwerbsunfähigkeitsrente. „Ich kann von dem Geld nicht leben. Deshalb muss ich vorübergehend als Aushilfe in einem anderen Job arbeiten“, sagt er.
Laut eines Gutachtens der Rentenversicherung wird ihm im Juni 2017 bescheinigt, dass er nicht mehr als drei Stunden täglich arbeiten kann. „Ich kämpfe seit fast zwei Jahren, dass dieser Wahnsinn endlich eingestellt wird“, sagt er.
Krankenkasse will Prothese nicht zahlen
Dietmar Glombitza hat nicht nur das Pech, ein wichtiges Körperteil verloren zu haben, sondern auch noch in einen diffusen Rechtsstreit mit Kostenträgern geraten zu sein. Das Absurde: Die Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik bescheinigt ihm im Oktober 2017, dass er in der Lage sei, wieder als Chauffeur tätig zu sein.
„Beim Fahren muss ich überwiegend sitzen und kann das Bein dabei entlasten“, erklärt Glombitza. Um weiter im Job bestehen zu können, benötigt er laut ärztlichem Gutachter eine besser angepasste Prothese, eine sogenannte „Rheo XC Prothese“, die elektronisch gesteuert ist. Dafür will seine Krankenversicherung die Knappschaft-Bahn-See, aber die rund 35.000 Euro Kosten nicht übernehmen und beruft sich im Ablehnungsbescheid auf fehlende Gebrauchsvorteile.
Dietmar Glombitza zeigt die Prothese im Prospekt, die er benötigt.
© Gerd Engelsmann
Dabei hat der Rentner schon im Alltag mit dem neuen Bein ernste Schwierigkeiten. Er muss damit täglich 25 Stufen in seine Wohnung in den zweiten Stock rauf und runter laufen. Immer wieder stürzt Glombitza mit der Prothese schwer. Sie musste mehrfach repariert werden, weil es bei jedem Sturz zu Rahmenbrüchen kam. Aus diesem Grund fordert nun sein Orthopädietechniker von seiner Krankenkasse eine Haftungsübernahme.
Der letzte Sturz hätte Dietmar Glombitza wohl vollständig seinen Kampfgeist und Optimismus nehmen können: „Die Prothese wurde derart zertrümmert, dass ich nicht mehr richtig laufen kann und auf ein Ersatzteil warten muss“, sagt Glombitza. Das hat schwerwiegende Folgen: Der Arbeitnehmer wird 14 Tage von seinem Arzt krankgeschrieben und muss nun auch um seinen Arbeitsplatz im Baumarkt bangen. „Ich bin nur befristet bis 31. August eingestellt worden und habe schon gehört, dass ich jetzt wohl nicht länger übernommen werde.“
Dietmar Glombitza und seine Frau Manuela können vor Existenzsorgen nachts kaum noch schlafen. Auch mit Hilfe des Einkommens der gelernten Erzieherin gehen dem Paar die Reserven und die Kraft allmählich aus. Fast alle Hilfsmittel müssen sie aus eigener Tasche finanzieren: Ihr altes Auto mussten sie gegen einen gebrauchten Automatikwagen für 12.000 eintauschen, weil der Rentner mit Prothese nicht mehr schalten kann. Das Elektromobil Scooter, mit dem er sich zwischendurch fortbewegt, um die Prothese zu schonen, hat ihnen ebenfalls rund 2500 Euro gekostet.
„Die Menschenrechte von Behinderten werden tausendfach mit Füßen getreten"
Dietmar Glombitza hat jetzt rechtliche Unterstützung beim Sozialverband VdK erhalten. „Dass die Renten-und Krankenversicherung Herrn Glombitza eine aktive Teilhabe am Arbeitsmarkt unmöglich machen, ist nicht hinnehmbar“, so Klaus Sprenger, Geschäftsführer des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des VdK, zum KURIER, und weiter: „Wir hoffen, dass es ein ähnliches Urteil des BSG wie bei Hörgeräten geben wird und somit die Versicherten auch bei Prothesen einen Anspruch auf eine optimale technische Unterstützung bekommen.
„Die Deutsche Rentenversicherung-Knappschaft-Bahn-See „kann zu Fragen des laufenden Sozialgerichtsverfahrens derzeit keine Auskunft geben“ heißt es nach KURIER-Anfrage. Dieter Glombitza klagt gegen seine Zwangsberentung und den Ablehnungsbescheid der Prothese. Er sagt: „Die Menschenrechte von Behinderten werden tausendfach mit Füßen getreten, das kann im Zeitalter der Inklusion nicht sein.“
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