Müllberge, Rattenplage, Hundekot – und Hertha BSC. Was hat sich die Volt-Partei bloß dabei gedacht? Im Berliner Wahlkampf will Volt die Fünf-Prozent-Hürde knacken und plakatiert die Stadt mit allem zu, was hier schiefläuft, um auf Stimmenfang zu gehen. Dabei wird auch Hertha aufgelistet. Ist das ein geistiger Kurzschluss bei der Volt-Wahlkampagne?
Das Volt-Plakat: Hertha steht hinter Hundekot
Lila Grund, weiße Schrift, oben links das Logo: unf*ck berlin, so sieht das Plakat aus. Darunter läuft die Liste sämtlicher Missstände in Berlin. So weit, so gut. Doch dann ist da an 44. Stelle: „Hertha nicht in der 1. Liga“. Davor der Hundekot, dahinter der Koalitionskrach.
Hertha nicht in der 1. Liga, so steht es auf dem Wahlplakat der Volt-Partei für die Berlin-Wahl am 20. September.
© IMAGO/Matthias Koch
Den meisten Hertha-Fans stinkt das gewaltig. Zweite Liga ist nicht schön, doch muss man darauf noch herumhacken? Und was will eigentlich eine Partei daran ändern? Ein Gesetz erlassen, das Hertha BSC die Bundesliga garantiert?
Ärgert sich Volt-Parteimitglied als Hertha-Fan?
Vielleicht gibt es aber auch eine ganz andere Erklärung: Bei der Aufzählung der vielen Missstände, über die alle meckern, war bei der Volt-Partei ein Hertha-Fan dabei, der sich mächtig ärgert, dass sein Klub nicht erstklassig ist.
Der KURIER wollte Aufklärung und fragte bei Volt nach: „Eines ihrer Wahlplakate zählt die Ärgernisse in der Stadt Berlin auf. Ein Punkt: Hertha BSC nicht in der 1. Liga. Wie muss man das verstehen? Ist die Volt-Partei Hertha-Sympathisant und ärgert sich darüber, dass der Verein nicht in der Bundesliga spielt? Oder ist es nur ein Beispiel für den typischen Alltagsfrust, der die Berliner nervt?“ Bis jetzt gab es keine Antwort: Kein Saft auf der Leitung …
Ein anderes Volt-Plakat hat den Slogan: „Nicht meckern, machen!“ Griffig und eine Aufforderung zur Eigeninitiative. Sehr gut! Das Problem für die Volt-Partei bezüglich Hertha BSC ist aber: Der Klub macht gerade. Trotz drastischen Sparzwangs stehen die Blau-Weißen überraschend nach zwei Spieltagen auf Platz 2 der Zweiten Liga. Maximale Punkteausbeute mit zwei Siegen.
Gute Stimmung bei Hertha BSC: Die Fans in der Ostkurve feierten mit den Spielern vergangenen Sonnabend den 4:1-Heimsieg gegen Bundesliga-Absteiger FC Heidenheim.
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Nach zwei Hertha-Siegen ist das ein Volt-Eigentor
Die blau-weißen Fans sind momentan wieder vorsichtig euphorisch und lesen auf einem Wahlplakat einen echten Dämpfer und der Verein wird zur Lachnummer wie der tennisspielende Noch-Bürgermeister Kai Wegner degradiert. Stimmung und Stimmen, so wird die Partei-Kampagne zum echten Eigentor für Volt.
Hochspannung ist auf jeden Fall angesagt: Schafft die 2017 gegründete, paneuropäische, sozialliberale Partei trotzdem am 20. September die Fünf-Prozent-Hürde und zieht ins Berliner Abgeordnetenhaus ein?
Und wo steht dann Hertha BSC nach sechs Spieltagen? Da steigt am Sonnabend vor der Wahl das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden. Bis dahin hängt Hertha zwischen Hundekot und Koalitionskrach. Für den gelassenen blau-weißen Fan bleibt nur die Erkenntnis: Irgendwie scheint Hertha doch wichtig für Berlin zu sein, wenn sogar eine Partei den Verein zum Thema macht …
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